• 18.02.2010
      03:00 Uhr
      Twentynine Palms Spielfilm Deutschland/Frankreich/USA 2003 | arte
       

      David, ein freier Fotograf, und Katia, seine Freundin und Modell, sind in der kalifornischen Mojave-Wüste im Geländewagen unterwegs. Zwischen beunruhigender Sprachlosigkeit und wild zelebrierter Sexualität gleitet das Paar in der lebensfeindlichen Landschaft in eine existenzielle Einsamkeit ab.

      Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, 18.02.10
      03:00 - 04:54 Uhr (114 Min.)
      114 Min.
      Stereo

      David, ein freier Fotograf, und Katia, seine Freundin und Modell, sind in der kalifornischen Mojave-Wüste im Geländewagen unterwegs. Zwischen beunruhigender Sprachlosigkeit und wild zelebrierter Sexualität gleitet das Paar in der lebensfeindlichen Landschaft in eine existenzielle Einsamkeit ab.

       

      In der tristen Kleinstadt Twentynine Palms am Rande der Wüste steigen sie in einem Motel ab. Tagsüber im Geländewagen unterwegs in das Innere der scheinbar endlosen Wüste, suchen sie in der faszinierenden und zugleich lebensfeindlichen Kargheit der Landschaft nach geeigneten Schauplätzen für ein Fotoshooting.
      Doch der Trip führt sie letztendlich in die Abgründe einer sich zersetzenden Beziehung, bei der alles Zwischenmenschliche zerstörerisch wird. Eskalationen von zunehmend gewaltsamen Streits, Versöhnungen und exzessiv zelebrierter Sex an den absurdesten Orten folgen immer rascher aufeinander. Eine nicht funktionierende Kommunikation prägt die Verbindung zwischen den beiden Figuren. Die Sprachlosigkeit und Leere findet ihre beeindruckende Entsprechung in der endlosen Öde der Landschaft. Doch ihre als existenziell empfundene Einsamkeit ist nur scheinbar, denn bald merken sie, dass sie nicht allein sind. Schließlich endet ihr Trip auf jähe und entsetzlich grauenvolle Weise.

      In "Twentynine Palms" verschmelzen Elemente von Sozialdrama und Horrorthriller zu einem beunruhigenden, schonungslosen Filmerlebnis, das den Zuschauer bis zur letzten Minute im Ungewissen lässt und ihn schließlich mit aller Wucht mit dem Entsetzlichen konfrontiert. Die Leerstellen im Film lassen Raum für eine philosophische oder metaphysische Lesart, jegliche Anleitung für eine Interpretation bleibt jedoch aus.
      Die Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren ist von einer "disfunction of conversation" geprägt, wie die Figur David im Film einmal desillusioniert feststellt. Die Kommunikation schlägt dabei auf mehreren Ebenen fehl: Die beiden jungen Leute, er Amerikaner, sie Russin, einigen sich hin und wieder auf ein holpriges Französisch, sprechen meist aber in unterschiedlichen Sprachen miteinander. Eine vielmehr grundsätzliche zwischenmenschliche Distanz dagegen scheint das Problem zu sein, wenn er vergeblich versucht, ihre Äußerungen zu deuten und sie zu verstehen, und schließlich in Wut und Hilflosigkeit verbleibt. Sie wiederum scheitert bei dem Versuch, in seine innere Gefühlswelt vorzudringen und ist verletzt durch seine Abweisung.
      Das Wechselspiel von Macht und Unterdrückung, Egoismus und nahezu verzweifelt zelebrierter Lust, von kompensierter Leere und fehlender Nähe scheint sich jedoch im Laufe des Films immer stärker nach außen zu kehren und schlägt schließlich in einer Art gesellschaftlicher Verallgemeinerung auf das Paar zurück.
      Bruno Dumont wirft mit diesem Film abermals einen schonungslosen Blick auf die Irrfahrten des Realen und inszeniert, wie in den meisten seiner Filme, Personen, die jeglichen Bezugspunkt innerhalb der Gesellschaft verloren haben und haltlos auf sich selbst zurückgeworfen sind. Dabei verweist er auf die grundlegenden Themen Schuld und Verlangen. 2003 wurde "Twentynine Palms" auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig für den Goldenen Löwen nominiert.
      Bruno Dumont wurde 1977 am Pariser Institut des Hautes Études Cinématographiques (IDHEC) abgelehnt und schrieb sich darauf an der Universität in Lille für Philosophie ein. Nachdem er eine Weile als Philosophielehrer an Schulen tätig war, hält er sich zunächst mit kleinen Auftragsfilmen über Wasser und dreht dann 1993 seinen ersten eigenen Kurzfilm "Paris". Ein Jahr später schreibt er vier Teile einer TV-Dokumentarserie. Sein erster Spielfilm "Das Leben Jesu" wird 1997 mit dem Europäischen Filmpreis (Fassbinder-Preis für den besten Nachwuchsfilm) ausgezeichnet. Für seine Filme "L'Humanité" und "Flandern" erhält er 1999 und 2006 den Großen Preis der Jury in Cannes. 2008 ist er in Cannes Präsident der Jury der Goldenen Kamera.

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      Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, 18.02.10
      03:00 - 04:54 Uhr (114 Min.)
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