• 19.02.2010
      23:20 Uhr
      Geheimnisvolles Glas des Tutanchamun Dokumentation Großbritannien 2006 | arte
       

      Eine international besetzte Gruppe von Wissenschaftlern hat die Entstehung des Libyschen Glases untersucht, das auch im Brustschmuck Tutanchamuns zu finden ist.

      Freitag, 19.02.10
      23:20 - 00:10 Uhr (50 Min.)
      50 Min.
      Stereo

      Eine international besetzte Gruppe von Wissenschaftlern hat die Entstehung des Libyschen Glases untersucht, das auch im Brustschmuck Tutanchamuns zu finden ist.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Cynthia Page

      Im Westen Ägyptens liegt in der Libyschen Wüste die Große Sandsee. Eine ihrer Besonderheiten ist das Libysche Wüstenglas. Seiner Herkunft wollte eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern auf den Grund gehen. Der Expedition gehörten der ägyptische Geologe Ali Barakat, der österreichische Kosmochemiker Christian Koeberl und der amerikanische Physiker und Impakt-Spezialist Mark Boslough an.
      Bereits Ende der 90er Jahre hatte ein italienischer Mineraloge die Steine des Brustschmucks von Tutanchamun untersucht und nachgewiesen, dass der grüngelbe Skarabäus-Stein, den man bis dahin für die Quarzart Chalzedon gehalten hatte, in Wirklichkeit geschliffenes Libysches Wüstenglas ist. Koeberl fand heraus, dass das Glas, aus dem der Skarabäus des Pharaos besteht, nur bei Temperaturen von über 1.700 Grad Celsius entstanden sein kann. Nach dem heutigen Wissensstand konnten sich derart hohe Temperaturen nur bei einem Meteoriteneinschlag entwickeln. Ein Einschlagkrater konnte allerdings nicht ausgemacht werden.
      Daher wurde die These aufgestellt, dass nach der Explosion eines Meteoriten in der Erdatmosphäre ein Feuerball entstanden ist, wie vermutlich auch beim Tunguska-Ereignis in Sibirien 1908 geschehen. Damals wurde ein 2.000 Quadratmeter großes Gebiet von einer "aus dem Himmel kommenden" riesigen Flamme verbrannt.
      Die entscheidenden Erkenntnisse lieferte jedoch die Explosion des Kometen Shoemaker-Levy 9. Dessen Kollision mit dem Jupiter im Jahr 1994 zog die Entstehung eines Feuerballs mit Ausstoß von Materie nach sich. Mit dem Hubble-Teleskop konnten die Astronomen beobachten, was in der Atmosphäre eines Planeten beim Eintritt eines großen Meteoriten passiert.
      Ausgehend von diesen Beobachtungen formulierte Mark Boslough anhand von Einschlagmodellen, die er zusammen mit dem Geophysiker John Wasson erstellt hatte, die These einer Meteoritenexplosion über der ägyptischen Wüste. Der in der Folge dieser Explosion entstandene Feuerball soll mit einer Temperatur von 2.000 Grad Celsius auf die Erde niedergegangen sein und auf dem Boden zu Glasbildung geführt haben.
      Nach der Untersuchung eines ähnlichen Phänomens in Südostasien und dem eingehenden Studium der Tunguska-Explosion kamen die beiden Wissenschaftler zu dem Schluss, dass eine solche Explosion etwa einmal in hundert Jahren möglich ist. Ihre Sprengkraft entspräche der gleichzeitigen Zündung mehrerer Atombomben vom Typ der über Hiroshima abgeworfenen Bombe.

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      Freitag, 19.02.10
      23:20 - 00:10 Uhr (50 Min.)
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