• 17.02.2010
      22:00 Uhr
      Tuyas Hochzeit Spielfilm Republik China 2006 (Tu Ya De Hun Shi) | arte
       

      Im Herzen der chinesischen Mongolei schuftet Tuya als Schafhirtin, um ihre Familie zu ernähren. Ihr Mann ist seit einem Unfall nicht mehr arbeitsfähig.

      Mittwoch, 17.02.10
      22:00 - 23:35 Uhr (95 Min.)
      95 Min.

      Im Herzen der chinesischen Mongolei schuftet Tuya als Schafhirtin, um ihre Familie zu ernähren. Ihr Mann ist seit einem Unfall nicht mehr arbeitsfähig.

       

      Stab und Besetzung

      Tuya Nan Yu
      Bater Bater
      Sen'ge Sen'ge
      Zhaya Zhaya
      Regie Quan'an Wang
      Drehbuch Wei Lu
      Quan'an Wang
      Kamera Lutz Reitemeier
      Produktion Jugang Yan
      Schnitt Quan'an Wang

      Tuya kann die schwere Arbeit nicht mehr allein verrichten. Um die Notlage der Familie zu beenden, entschließt sich das Paar zu einer Scheidung, damit Tuya sich einen neuen Mann suchen kann. Die Heirat soll die finanziellen Probleme lösen, den Kindern später eventuell eine Schulbildung ermöglichen und außerdem Tuya entlasten, die die Arbeitskraft ihres Mannes ersetzen muss.
      Doch Tuya stellt eine komplizierte Bedingung an die Brautwerber: Der neue Gatte muss ihre Familie in seinem Hause akzeptieren - ihre Kinder ebenso wie ihren ersten Ehemann Bater.
      Ein ehemaliger Klassenkamerad, der es zu bescheidenem Wohlstand gebracht hat, überredet Tuya, seine Frau zu werden. Zumindest für die finanzielle Sicherheit der Familie scheint gesorgt. Allerdings hat der Geschäftsmann seine eigenen Vorstellungen von der Ehe: Er nutzt Tuyas Abhängigkeit aus und steckt ihren Mann in ein Pflegeheim und die Kinder in ein Internat. Bater droht an der Abschiebung zu zerbrechen, und auch Tuya erträgt die neue lieblose Eheverbindung nicht.
      Als Bater versucht, sich das Leben zu nehmen, erscheint der junge Hirte Senge, ein guter Freund Tuyas, als Retter im letzten Augenblick. Er baut der Familie schließlich mit eigenen Händen einen Brunnen. Das Geschenk ist zugleich Zeichen seiner zärtlichen Liebe für Tuya, mit dem er um ihre Hand anhält.

      "Tuyas Hochzeit" ist ein bewegendes Familiendrama und eine zärtliche Liebesgeschichte aus der Mongolei. Regisseur Quan'an Wang versteht es, die schicksalhafte Tragik der Story mit viel Humor zu "unterwandern" und so eine für sein Land typische positive Lebenshaltung widerzuspiegeln. "Ich mag es, die Genres zu vermischen, die Freude mit der Grausamkeit zu verknüpfen. Das ist wie das Leben selbst: zugleich Komödie und Drama", erklärt er. Wang verleiht seinen Figuren eine subtile Komik, ohne sie lächerlich erscheinen zu lassen. Vielmehr will er ihnen seinen Respekt erweisen, indem er demonstriert, dass die Tragik ihrer Schicksale ihnen weder ihre Lebensfreude und noch ihren Stolz zu nehmen vermag.
      In ruhigen und eindringlichen Bildern erzählt der Film die Geschichte Tuyas und ihrer Familie, die in gewisser Hinsicht auch das aktuelle Schicksal des mongolischen Volkes widerspiegelt. Neben der chinesischen Schauspielerin Nan Yu, die international bekannter ist als in ihrer Heimat und auf dem Chicago International Film Festival als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde, besetzte Regisseur Quan'an Wang die übrigen Rollen mit Laienschauspielern, auf der Suche nach Authentizität.
      Mit seinem Werk möchte der Filmemacher auf das mongolische Erbe aufmerksam machen, das im globalisierten Wirtschaftsstandort China verloren zu gehen droht. Infolge des wachsenden Wohlstands mussten bereits große Teile des Bodens, der den nomadisch lebenden Einheimischen als Weidefläche und Lebensraum diente, Industrieflächen weichen. Wer es von den mongolischstämmigen Menschen nicht schafft, sich den modernen Bedingungen anzupassen, verliert seinen Platz in der chinesischen Gesellschaft. Diese Ausgrenzung wird im Film durch die Abschiebung des arbeitsuntauglichen Ehemanns Bater in ein Pflegeheim symbolisiert. Man hat ihm Frau und Kinder und damit letztlich alles genommen; in seiner Verzweiflung sieht er im Selbstmord den einzigen Ausweg.
      Regisseur Wang ist davon überzeugt, dass China mit der naturverbundenen mongolischen Kultur etwas Fundamentales verloren geht - "ein Teil seiner Seele und seiner Identität". In der finalen Hochzeitsszene führt er die traditionelle Zeremonie und die Kostüme noch einmal in ihrer beeindruckenden Schönheit und Einzigartigkeit vor. Auf diese Weise lässt er den Zuschauer ein Stück weit an der mongolischen Kultur teilhaben und zugleich die Schwere ihres Verlusts erahnen.
      Neben dem Goldenen Bären erhielt Quan'an Wang für "Tuyas Hochzeit" 2007 auf dem Chicago International Film Festival den Spezialpreis der Jury.

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      Mittwoch, 17.02.10
      22:00 - 23:35 Uhr (95 Min.)
      95 Min.

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