• 08.05.2021
      10:45 Uhr
      Geschichte schreiben Der Herrenanzug - Uniform der Moderne | arte
       

      Ein neues Outfit für eine neue Welt: Der Aufstieg des Herrenanzugs beginnt im späten 19. Jahrhundert mit der Amerikanisierung der Industrie. Der Historiker Manuel Charpy erläutert, wie der Herrenanzug zur Uniform der Moderne wird und ganz neue soziale Kategorien hervorbringt. Manche Männer tragen bewusst keinen Anzug - als Zeichen der Ablehnung einer Welt, deren Symbol er geworden ist; anderen wiederum ebnet er den Weg zu einer Position, die ihnen sonst verwehrt wäre. Denn wie so viele Kleidungsstücke hat auch der Herrenanzug eine unleugbar politische Dimension.

      Samstag, 08.05.21
      10:45 - 11:30 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Ein neues Outfit für eine neue Welt: Der Aufstieg des Herrenanzugs beginnt im späten 19. Jahrhundert mit der Amerikanisierung der Industrie. Der Historiker Manuel Charpy erläutert, wie der Herrenanzug zur Uniform der Moderne wird und ganz neue soziale Kategorien hervorbringt. Manche Männer tragen bewusst keinen Anzug - als Zeichen der Ablehnung einer Welt, deren Symbol er geworden ist; anderen wiederum ebnet er den Weg zu einer Position, die ihnen sonst verwehrt wäre. Denn wie so viele Kleidungsstücke hat auch der Herrenanzug eine unleugbar politische Dimension.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Tamara Erde

      Die Dokumentation erzählt, wie ein Kleidungsstück zur Uniform der Moderne aufsteigt: Die Geschichte des Anzugs mit Krawatte beginnt im späten 19. Jahrhundert und geht mit der Geschichte der Industrialisierung einher. Der Herrenanzug wird zum Zeichen für den wirtschaftlichen sowie sozialen Erfolg. Der neue Trend verbreitet sich rasend schnell und beschränkt sich keineswegs auf die westlichen Staaten. Ab 1890 trifft man den Anzug überall in den urbanen Zentren der Welt, sei es in Asien, Afrika oder Lateinamerika.Mit der Erfindung des Herrenanzugs verändert sich auch die Garderobe der Frau. Ein entsprechendes Pendant muss her: Ende des 19. Jahrhunderts wird das maßgeschneiderte Kostüm zum Outfit der modernen Frau. Ab dem 20. Jahrhundert fangen aber auch Feministinnen an, den Anzug zu tragen. Zum Beispiel in den lesbischen Bars von Paris in der Zwischenkriegszeit, wo die queere Kultur den Männern das Privileg des Anzugtragens entreißt.Im Lauf seiner Geschichte dient der Anzug oft als Mittel zur Gesellschaftskritik. So tragen Komiker wie Charlie Chaplin oder Jacques Tati absichtlich viel zu enge Anzüge, um auf ihre Unfähigkeit, in dieser neuen Welt zu bestehen, hinzuweisen. Auch die englischen Teddy Boys, die einen aristokratischen Kleidungsstil für sich beanspruchen, nutzen das Kleidungsstück für ihre Zwecke: Indem sie in extravagante Anzüge schlüpfen, demonstrieren sie einen wirtschaftlichen Erfolg, den sie gar nicht haben.Heutzutage kann sich jeder einen Anzug kaufen. Seine besten Zeiten hat er allerdings längst hinter sich. Binnen weniger als zehn Jahren sind die Verkaufszahlen um 60 Prozent gesunken. Vermutlich, weil man bei der Arbeit immer seltener Anzug trägt. Trotzdem ist das Kleidungsstück auch heute noch omnipräsent, nicht zuletzt wegen der politischen Dimension, die der Anzug innehat.

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      Samstag, 08.05.21
      10:45 - 11:30 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 25.09.2021