• 19.04.2021
      23:35 Uhr
      Weltstadt in Flegeljahren. Ein Bericht über Chicago Stummfilm | arte
       

      Heinrich Hauser nimmt in seinem legendären Reportagefilm "Weltstadt in Flegeljahren" ein gängiges Motiv der Literatur seiner Zeit auf: die Dynamik der Großstadt und die Verheißung eines besseren Lebens. Mit dem geübten Auge des Fotografen fängt Hauser beides ein - die schillernde Oberfläche und die Schattenseiten der Boomtown Chicago. "Im Spannungsfeld zwischen Avantgarde und Kunstfilm behauptet sich Hausers filmisches Porträt von Chicago als eigenständiges Werk; es ist (…) weder touristischer Werbefilm noch dozierender Kulturfilm, sondern eine persönliche und sachliche Beschreibung." (J. Goergen)

      Montag, 19.04.21
      23:35 - 00:45 Uhr (70 Min.)
      70 Min.
      Stereo DGS TV

      Heinrich Hauser nimmt in seinem legendären Reportagefilm "Weltstadt in Flegeljahren" ein gängiges Motiv der Literatur seiner Zeit auf: die Dynamik der Großstadt und die Verheißung eines besseren Lebens. Mit dem geübten Auge des Fotografen fängt Hauser beides ein - die schillernde Oberfläche und die Schattenseiten der Boomtown Chicago. "Im Spannungsfeld zwischen Avantgarde und Kunstfilm behauptet sich Hausers filmisches Porträt von Chicago als eigenständiges Werk; es ist (…) weder touristischer Werbefilm noch dozierender Kulturfilm, sondern eine persönliche und sachliche Beschreibung." (J. Goergen)

       

      Stab und Besetzung

      Regie Heinrich Hauser
      Drehbuch Heinrich Hauser
      Produktion Hubert Schonger
      Kamera Heinrich Hauser
      Musik Andy Miles

      Wie Walter Ruttmann in "Berlin. Die Sinfonie der Großstadt" nimmt sich auch Heinrich Hauser mit Chicago eine pulsierende Großstadt vor, deren Lebensrhythmus er filmisch erkundet. Beide Regisseure stellen den modernen Alltag als ein dynamisches Spiel der Bewegung dar, eine Bewegung im Gleichtakt von Maschine und Mensch, von städtischem Verkehr und Produktionsabläufen der Fabrikarbeit. Wo Ruttmann in seinem symphonisch gebauten Film den Rausch der Bewegung darstellt, bezieht sich Hauser auf die soziale Lebenswirklichkeit der amerikanischen Großstadt."Chicago in der Pubertät: größer noch als in älteren Metropolen ist hier der Unterschied zwischen Reichtum und Elend, plötzlicher Übergang von den Licht- zu den Schattenseiten des Lebens. Hauser hebt das mit scharfem Blick hervor: sein Chicago bringt die breiten Autostraßen, die schönen Reitwege und kühnen Fassaden finanzkräftiger Wolkenkratzer nur augenblicksweise als Kontrast zu jenen trüben Stadtteilen, wo das heulende Elend herrscht …" (Kurt London in: "Der Film", Berlin 1931)Die neue Musik von Andy Miles ist im Stil des traditionellen Chicago-Jazz angelegt und erweitert im Lauf des Films dieses Klangspektrum zum Modern Jazz. Damit schlägt die Musik die Brücke zwischen der Entstehungszeit des Films zu Beginn der 1930er Jahre und heute, sie unterstreicht die Modernität von Heinrich Hausers Film, der die sozialen Gegensätze der Metropole Chicago und ihrer Menschen genau registriert. Es ist der Puls dieser boomenden Stadt, einer Stadt voller Gegensätze und großer Versprechen, den die Musik wieder hörbar und erlebbar macht.

      Heinrich Hauser (1901-1955) übte zunächst verschiedene Berufe als Matrose, Bergmann und Fotograf aus. Seinen literarischen Durchbruch hatte er 1928 mit dem Buch "Brackwasser", für das er den Gerhart-Hauptmann-Preis erhielt. Ein Schwerpunkt seines literarischen Schaffens waren Reiseberichte wie "Feldwege nach Chicago" (1931) oder "Australien. Der menschenscheue Kontinent" (1938). 1931 entstanden seine beiden Filme: "Die letzten Segelschiffe" und "Weltstadt in Flegeljahren. Ein Bericht über Chicago". 1938 emigrierte Hauser in die USA. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war Hauser 1949 Redakteur beim "Stern".

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