• 25.09.2022
      17:40 Uhr
      Sergej Rachmaninow: Klavierkonzert Nr. 2 Mao Fujita, Riccardo Chailly, Lucerne Festival Orchestra | arte
       

      Acht Akkorde am Piano solo, Glockenklängen gleich, die näherkommen, leiten Rachmaninows Klavierkonzert ein. Ihnen folgt das eindringliche Hauptthema, das unisono von den Streichern gespielt wird. Das zweite Klavierkonzert hat nicht nur Rachmaninows Komponistenkarriere gerettet, es wurde eines der erfolgreichsten Werke des klassischen Repertoires überhaupt. Billy Wilder verewigte das Konzert in seiner Psychokomödie „Das verflixte 7. Jahr.“ Zu den Streicherklängen lässt er Marilyn Monroe in den Tagträumen des Strohwitwers Richard Sherman erscheinen.

      Sonntag, 25.09.22
      17:40 - 18:25 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Acht Akkorde am Piano solo, Glockenklängen gleich, die näherkommen, leiten Rachmaninows Klavierkonzert ein. Ihnen folgt das eindringliche Hauptthema, das unisono von den Streichern gespielt wird. Das zweite Klavierkonzert hat nicht nur Rachmaninows Komponistenkarriere gerettet, es wurde eines der erfolgreichsten Werke des klassischen Repertoires überhaupt. Billy Wilder verewigte das Konzert in seiner Psychokomödie „Das verflixte 7. Jahr.“ Zu den Streicherklängen lässt er Marilyn Monroe in den Tagträumen des Strohwitwers Richard Sherman erscheinen.

       

      Stab und Besetzung

      Klavier Mao Fujita
      Regie Ute Feudel
      Komposition Sergej Rachmaninow
      Dirigent Riccardo Chailly
      Orchester Lucerne Festival Orchestra

      Das 2. Klavierkonzert nimmt in Sergej Rachmaninows Lebenslauf und Karriere eine Sonderstellung ein. Mit ihm beendete der Komponist eine dreijährige Schaffenskrise, und es gelang ihm gleichzeitig der internationale Durchbruch als Komponist.

      Sergej Rachmaninow, Jahrgang 1873, Sohn einer verarmten Aristokratenfamilie - der Vater hatte alle Güter verprasst - wuchs in Sankt Petersburg auf. Seine Mutter hatte schon früh das außergewöhnliche musikalische Talent ihres Sohnes entdeckt und förderte ihn, wie sie nur konnte. Der Vater verließ die Familie, als Sergej zehn Jahre alt war, und die Mutter wurde von da an mit ihren Kindern von der Großmutter unterstützt. Rachmaninow studierte in St. Petersburg und in Moskau am Konservatorium. Gleich danach startete er eine erfolgreiche Komponistenkarriere; Seine Abschlussarbeit, die Oper „Aleko“ wurde von der Prüfungskommission mit einer Goldmedaille bedacht. Das 1. Klavierkonzert wurde bereits zu Konservatoriums-Zeiten erfolgreich aufgeführt, und seine symphonische Dichtung „Der Fels“ wurde von niemand Geringerem als von Peter Tschaikowsky gelobt.

      1897 kam es zum Einbruch. Seine 1. Symphonie war ein Flop und wurde von der Musikkritik zerrissen. Die Nachwelt vermutet, dass Alexander Glasunow, der Dirigent der Uraufführung, selbst ein angesehener Komponist, maßgebend an dem Misserfolg beteiligt war. Fehler in der Partitur waren nicht verbessert, die Aufführung war vom Maestro lieblos geprobt und gestaltet worden. Rachmaninows Ehefrau vermutete später sogar, der Dirigent sei bei der Aufführung betrunken gewesen.
      Für den erfolgsverwöhnten Rachmaninow war die Aufführung und die negative Reaktion der Presse ein Schock, von dem er sich fast nicht mehr erholt hätte. Er wurde depressiv, begann zu trinken und verstrickte sich in eine unglückliche Affäre mit Anna Lodyshenskaja, der verheirateten Widmungsträgerin der Symphonie.

      Drei Jahre lang komponierte er gar nichts mehr und trat nur mehr als Pianist und Dirigent auf. Um die Jahrhundertwende wurde er international als Interpret gefeiert, und immer wieder wollte man sein erstes Klavierkonzert auf den Spielplan setzen. Rachmaninow sah es jedoch als ein Jugendwerk an, war unzufrieden trotz mehrfacher Verbesserungen. Er versuchte, ein neues Konzert zu schreiben, doch seine kreative Blockade hielt an. Schließlich fand er in der Person des bekannten russischen Psychiaters Nikolai Dahl seinen Retter aus der Not. Nach drei Monaten intensiver Therapie schaffte es Dahl, dem verzweifelten Künstler wieder seine Kunst zurückzugeben. Rachmaninows 2. Klavierkonzert ist dem kongenialen Arzt gewidmet, der neben Freuds Technik der Psychoanalyse auch Hypnotherapie und positive Autosuggestion anwendete.

      Die Uraufführung des vollständigen Konzertes fand am 9. November 1901 in Moskau unter der Leitung von Alexander Siloti und mit Rachmaninow selbst am Klavier statt. War der erste Eindruck noch zwiespältig, hatte die zweite Aufführung - diesmal mit Rachmaninow am Pult und Siloti als Solist - einen enormen Erfolg. Die Schaffenskrise des Komponisten war damit endgültig überwunden. 1904 wurde Rachmaninow für sein 2. Klavierkonzert mit dem begehrten Glinka-Preis der St. Petersburger Beljaew-Stiftung ausgezeichnet.

      In Luzern übernimmt der junge japanische Pianist Mao Fujita den Solopart. Mao Fujita, Jahrgang 1998, stammt aus Tokio und gehört zu den hoffnungsvollsten jungen Pianisten dieser Zeit. Schon als Dreijähriger begann er, Klavier zu spielen. Im Alter von elf Jahren gab er sein Konzertdebut. In den vergangenen Jahren gewann er viele internationale Preise, unter anderem den Clara Haskil Klavierwettbewerb. Mao Fujita lebt in Berlin und studiert bei Kirill Gerstein. Nach Auftritten am Verbier Festival ist Mao Fujita in diesem Jahr zum ersten Mal beim Lucerne Festival zu Gast.

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