• 16.05.2022
      14:15 Uhr
      Jenseits der Stille Spielfilm Deutschland 1995 | arte
       

      Laras Eltern sind taub. Das hörende Mädchen stellt ihre Verbindung zur Welt dar. Als Lara immer selbständiger wird und beginnt, ihren eigenen Weg zu suchen, kommt es zu schweren Konflikten mit dem Vater, der sich von ihr verraten fühlt.

      Montag, 16.05.22
      14:15 - 16:25 Uhr (130 Min.)
      130 Min.

      Laras Eltern sind taub. Das hörende Mädchen stellt ihre Verbindung zur Welt dar. Als Lara immer selbständiger wird und beginnt, ihren eigenen Weg zu suchen, kommt es zu schweren Konflikten mit dem Vater, der sich von ihr verraten fühlt.

       

      Die einzige, die in dieser Familie hören und sprechen kann, ist Lara. Seit ihrem achten Lebensjahr ist sie für alle die Brücke zur Außenwelt, übersetzt für die tauben Eltern in allen Lebenslagen. Sie begleitet sie auf die Bank, führt Kreditverhandlungen und dolmetscht tapfer die Rügen ihrer Lehrerin. Souverän agiert sie als "Außenministerin" der Familie. Besonders zu ihrem Vater Martin hat sie ein inniges Verhältnis. Mit ihm spielt sie ihr Lieblingsspiel "Geräusche raten". Wie klingt Schnee, wenn er auf eine Wiese fällt? Was macht die Sonne für ein Geräusch, wenn sie aufgeht?

      Bei einem Weihnachtsfest im Haus der Großeltern lernt Lara dann eines Tages ihre Tante Clarissa kennen. Die schöne und temperamentvolle Frau, eine erfolgreiche Jazz-Musikerin, bringt eine neue Dimension in das Leben des Mädchens - die Musik. Lara fängt an, Klarinette zu spielen. Misstrauisch beobachtet ihr Vater die wachsende Vertrautheit zwischen seiner Tochter und seiner Schwester, mit der er sich schon als Kind nicht verstanden hat.
      Doch Lara lässt sich nicht irritieren. Sie hat in der Musik eine neue Sprache gefunden, die sie in den Bann zieht.

      Zehn Jahre später ist aus Lara eine junge Frau geworden. Inzwischen spielt sie so gut Klarinette, dass ihr Lehrer zu einer professionellen Ausbildung rät. Clarissa möchte Lara zu sich nach Berlin holen und auf die Musikhochschule schicken. Die Eltern wissen nichts von diesem Plan und erfahren nur durch Zufall davon. Es kommt zu einem heftigen Streit. Für den Vater ist Laras Entscheidung Verrat. Sie zieht trotzdem nach Berlin und wohnt bei Clarissa und Gregor, deren Mann. Dort lernt sie Tom kennen, der wie sie aus der „Welt der Stille“ kommt. Zum ersten Mal begreift sie, dass ihre außergewöhnliche Kindheit kein finsterer Schatten ist und sie nicht automatisch zur Außenseiterin stempelt.

      Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt sie für kurze Zeit nach Hause zurück, weil sie sich für den Vater verantwortlich fühlt. Doch sie hält seine erdrückende Nähe nicht aus. Nach einer Auseinandersetzung verlässt sie endgültig das Elternhaus. Als der Vater dann bei ihrer Aufnahmeprüfung für das Musikkonservatorium plötzlich auftaucht, um seine Tochter das erste Mal spielen zu sehen, begreift Lara, dass es vielleicht doch einen Weg gibt, die beiden Welten diesseits und jenseits der Stille miteinander zu versöhnen.

      "Ein gelungenes Kinodebüt einer Absolventin der Münchener Filmhochschule. Der Film überzeugt sowohl als sensible Gestaltung der Probleme von Behinderten als auch in seiner universalen Thematik des Selbstfindungsprozesses einer jungen Frau und dem Plädoyer für Verständnis und Offenheit gegenüber unvereinbar scheinenden Erfahrungswelten. (Kinotipp der katholischen Filmkritik)" (LIF).

      "Wer erfahren möchte, wie laut der Schnee ist und wie Klarinettentöne Menschen verzaubern können, der darf sich diesen Film nicht entgehen lassen: eine deutsche Produktion, die sich eines außergewöhnlichen Themas jenseits der Beziehungskomödien annimmt und die Geschichte über den Abschied von der Kindheit mit leisem Humor und einer eigenwilligen Ästhetik erzählt." (Fischer Film Almanach 1997).

      Mit "Jenseits der Stille" gelang Caroline Link ein sensationelles Debüt als Drehbuchautorin und Spielfilm-Regisseurin. Drei Jahre lang hat sie intensiv an diesem Projekt gearbeitet und sagt: "Ich habe in dem Thema die Möglichkeit gesehen, einige meiner Filmideen zu verbinden. Ich wollte eine Liebesgeschichte erzählen, einen Film machen über das Erwachsenwerden, darüber, wie schwer es ist, seinen eigenen Weg erst zu finden und ihn dann auch zu gehen." Laras Filmeltern - der Amerikaner Howie Seago und die Französin Emmanuelle Laborit - sind von Geburt an gehörlos und werden auf den Bühnen ihrer Länder als Schauspieler gefeiert.

      Caroline Links Spielfilmdebüt zählt zu den großen deutschen Kinoerfolgen seiner Zeit. Der Film wurde mit dem Deutschen Filmpreis in Silber, dem Bayerischen Filmpreis, dem Gilde-Filmpreis und dem Grand Prix in Tokio prämiert sowie für einen Oscar nominiert. „Jenseits der Stille“ gelingt es großartig, ein sensibles Familiendrama, eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Erzählung und eine leidenschaftliche Liebesgeschichte zu vereinen. Der Film erzählt vom Erwachsenwerden – darüber, wie schwer es ist, seinen eigenen Weg zu finden und ihn dann auch zu gehen. Dem Publikum eröffnet sich dabei die Möglichkeit, eine Welt zu entdecken, die vielen nicht bekannt ist. Von der visuellen Kraft und Anmut der Sprache der Gehörlosen geht eine Faszination aus, die sich auf den gesamten Film überträgt.

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