• 19.10.2021
      19:40 Uhr
      Re: Geisterstadt Varosha Zypern zwischen Krise und Versöhnung | arte
       

      Einst galt der zypriotische Urlaubsort Varosha als "Perle des Mittelmeeres". Doch 1974 floh die griechisch-stämmige Bevölkerung vor dem türkischen Militär. Seither ist Varosha Sperrgebiet. Jetzt lassen die Machthaber den Ort schrittweise wiedereröffnen. Die einstigen Einwohner hoffen und bangen um ihre Rückkehr.

      Dienstag, 19.10.21
      19:40 - 20:15 Uhr (35 Min.)
      35 Min.

      Einst galt der zypriotische Urlaubsort Varosha als "Perle des Mittelmeeres". Doch 1974 floh die griechisch-stämmige Bevölkerung vor dem türkischen Militär. Seither ist Varosha Sperrgebiet. Jetzt lassen die Machthaber den Ort schrittweise wiedereröffnen. Die einstigen Einwohner hoffen und bangen um ihre Rückkehr.

       

      Als Architekt Andreas Lordos (53) im zypriotischen Varosha aufwuchs, war es einer der beliebtesten Ferienorte des Mittelmeeres. Seine Familie besaß zahlreiche Hotels, Geschäfte und Wohnhäuser. Zu den Urlaubern zählten Stars wie Brigit Bardot und Elizabeth Taylor.

      Doch Andreas unbeschwerte Kindheit fand 1974 ein jähes Ende: Mit dem Zypernkrieg musste die vorwiegend griechisch-stämmige Bevölkerung von Varosha vor dem türkischen Militär fliehen. Seither ist Varosha Sperrgebiet. Eine Geisterstadt - und ein Symbol der Teilung Zyperns. Bis zum Herbst 2020: Da ließen der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und der nordzypriotische Regierungschef Ersin Tatar überraschend einige Straßenzüge von Varosha wiedereröffnen. Die internationale Politik zeigte sich empört über den einseitigen Schritt. Doch Andreas hofft, dass sich nun endlich etwas bewegt. Er will nach Varosha zurückkehren - und damit den größten Traum seiner Familie erfüllen.

      Auch der türkisch-zypriotische Arzt und Aktivist Okan Dağlı wuchs in der Nähe von Varosha auf. Auch er kämpft seit Jahren für die Öffnung der Geisterstadt. Doch er betrachtet die jüngsten Schritte von Tatar und Erdoğan mit großer Skepsis, wittert vor allem machpolitisches Kalkül.

      Während sich Okan und Andreas für eine Wiedervereinigung der Insel einsetzen, scheinen beide Inselteile einer wirklichen Lösung der Krise kaum näherzukommen. Varosha wird einmal mehr zum politischen Spielball. Für die Zyprioten bedeutet das ein nicht enden wollendes Trauma, ein ständiger Anlass für Hoffnung ebenso wie für Enttäuschung.

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