• 18.10.2021
      02:20 Uhr
      1989, Platz des Himmlischen Friedens (2/2) Partei versus Volk | arte
       

      Sieben Wochen lang demonstrierten Studenten in Peking auf dem Tian’anmen Platz für eine demokratische Reform des kommunistischen Systems. Was als friedlicher Protest begann, endete in einem blutigen Massaker in der Nacht des 4. Juni 1989. Die chinesische Regierung entschied sich für die gewaltvolle Niederschlagung der Demokratiebewegung. Was hat sich im Zentrum der chinesischen Machtelite wirklich abgespielt? Tausende Geheimdokumente der Tian'anmen-Akten, die Anfang des Jahrtausends an den Westen übergeben wurden, machen deutlich, dass China im Frühsommer 1989 kurz davor stand, einen ganz anderen Weg einzuschlagen.

      Nacht von Sonntag auf Montag, 18.10.21
      02:20 - 03:20 Uhr (60 Min.)
      60 Min.

      Sieben Wochen lang demonstrierten Studenten in Peking auf dem Tian’anmen Platz für eine demokratische Reform des kommunistischen Systems. Was als friedlicher Protest begann, endete in einem blutigen Massaker in der Nacht des 4. Juni 1989. Die chinesische Regierung entschied sich für die gewaltvolle Niederschlagung der Demokratiebewegung. Was hat sich im Zentrum der chinesischen Machtelite wirklich abgespielt? Tausende Geheimdokumente der Tian'anmen-Akten, die Anfang des Jahrtausends an den Westen übergeben wurden, machen deutlich, dass China im Frühsommer 1989 kurz davor stand, einen ganz anderen Weg einzuschlagen.

       

      Nach seiner Rückkehr aus Nordkorea versuchte Zhao Ziyang die angespannte Lage im Land zu entschärfen. Er plädierte für einen offenen Dialog. Li Peng stellte sich jedoch entschieden dagegen. Er bekam grünes Licht von "Übervater" Deng Xiaoping, einen Hardliner-Kurs ohne jegliche Zugeständnisse durchzuziehen. Das Ergebnis: eine Pattsituation und eine paralysierte chinesische Führungselite.

      Die Zivilgesellschaft war in Aufruhr. In allen großen Städten kam es zu Protesten. Die Medien entziehen sich der Zensur. Studenten beschlossen, am 13. Mai auf dem Tian'anmen-Platz einen Hungerstreik auszurufen. Es gab Tausende Unterstützer. Die kommunistische Partei war ratlos angesichts dieser Situation.

      Hinzu kam der Staatsbesuch des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow zur Aussöhnung der beiden kommunistischen Großmächte am 15. Mai. Die offiziellen Feierlichkeiten sollten auf dem Tian'anmen-Platz stattfinden. Doch Zhao Ziyang gelang es nicht, die Studenten davon zu überzeugen, den Platz zu räumen. Li Peng sabotierte erste Gesprächsversuche.

      Am 17. Mai wurde Zhao Ziyang im Politbüro überstimmt. Am nächsten Tag wurde er unter Hausarrest gestellt. Der Ausnahmezustand wurde ausgerufen und 200.000 Soldaten der 38. Armee wurden nach Peking verlegt. Die Bewohner Pekings gingen aber erneut auf die Straße und versperrten den Militärkonvois den Weg. Doch die Soldaten weigerten sich, auf sie zu schießen; Generäle wurden unter Arrest gestellt.

      Schließlich nahm sich Deng Xiaoping selbst der Sache an. Während sich der Tian'anmen-Platz bis in den Juni hinein in eine Art "chinesisches Woodstock" verwandelte, mobilisierte der über 80-jährige Deng Truppen aus entfernten Provinzen, die kein Mandarin sprachen. Am Abend des 2. Juni betrat die 27. Armee die Vorstädte von Peking. Am Abend des 3. Juni erhielt sie den Schießbefehl. In einem Zeitraum von nur wenigen Stunden kam es zu einem blutigen Massaker mit Tausenden von Toten. Darauf folgte eine Hetzjagd im ganzen Land. Ein riesiger Repressionsapparat wurde in Gang gesetzt, Gefängnisstrafen, Hinrichtungen.

      Heute, mehr als 30 Jahre danach, wird China noch immer autoritär regiert. Das Massaker auf dem Tian'anmen-Platz hat China ruhig gestellt. So dass die kommunistische Regierung das neue, wirtschaftlich erfolgreiche China entwickeln und aufbauen konnte.

      Das Bild ist Weltgeschichte. Ein einzelner Mann, zwei Einkaufstüten in der Hand. Er stellt sich einem Konvoi von Panzern entgegen, blockiert deren Weiterfahrt. „Tank Man“ ist der Name, der dem bis heute Unbekannten gegeben wurde. Die Szene ereignete sich am Donnerstagmorgen des 5. Juni 1989 in einer Nebenstraße des Tian’anmen Platzes in Peking. In der Nacht zuvor, am 4. Juni, hatte die ‚People’s Army‘ die bereits über sieben Wochen andauernden, friedlichen Studentenproteste auf dem Tian’anmen Platz, dem Platz des Himmlischen Friedens, in der chinesischen Hauptstadt vor den Augen der Weltöffentlichkeit gewaltsam niedergeschlagen. Das Bild des „Tank Man“, festgehalten von zahlreichen Fotojournalisten und Fernsehteams vor Ort, ging um die Welt. Es steht bis heute symbolisch für das blutige Massaker an der Demokratiebewegung durch die chinesische Staatsgewalt.Auslöser der Proteste war der Tod des beliebten Politikers Hu Yaobang, der sich für die Reform der Kommunistischen Partei eingesetzt hatte. Daraufhin versammelten sich über Wochen hinweg Studenten auf den Straßen, um zu trauern und für einen demokratischen Wandel des Systems zu demonstrieren. Was als friedlicher Protest begann, endete in einem Massaker. Aus Angst vor dem Machtverlust, entschied sich die kommunistische Partei für die Anwendung von Gewalt. Die Ereignisse des 4. Juni waren der tragische Schlusspunkt von sieben Wochen Demokratiebewegung, welche die Politikführung Chinas bis heute prägt.

      Mehr als 30 Jahre nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens zeigt ARTE die zweiteilige Dokumentation „Tian’anmen“. Zeitzeugen rekonstruieren diese entscheidende Phase chinesischer Gesc

      hichte. Das Porträt „Liu Xiaobo - Der Mann, der Peking die Stirn bot“ erzählt die Geschichte des Friedens-Nobelpreisträgers Liu Xiaobo. „Für Demokratie und Freiheit – Chinas Künstler der 80er Jahre“ zeichnet im Anschluss die Zeit von gesellschaftlichem und künstlerischem Aufbruch nach, die durch das Tian'anmen-Massaker blutig beendet wurde.

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