• 18.10.2021
      01:25 Uhr
      1989, Platz des Himmlischen Friedens (1/2) Volk versus Partei | arte
       

      China: eine autoritär geführte Diktatur auf dem Weg zur wirtschaftlichen Weltmacht. Fast vergessen ist, dass dieses aufstrebende China ein Ergebnis des Tian‘anmen-Massakers vor 30 Jahren ist. In Erinnerung geblieben ist nur das Bild eines einzelnen Mannes, der sich den rollenden Panzern entgegenstellt.  Aus anfänglichen Studentenprotesten erwächst im Frühsommer 1989 eine echte Demokratiebewegung, die sieben Wochen lang das ganze Land in Atem hält.

      Nacht von Sonntag auf Montag, 18.10.21
      01:25 - 02:20 Uhr (55 Min.)
      55 Min.
      VPS 01:20

      China: eine autoritär geführte Diktatur auf dem Weg zur wirtschaftlichen Weltmacht. Fast vergessen ist, dass dieses aufstrebende China ein Ergebnis des Tian‘anmen-Massakers vor 30 Jahren ist. In Erinnerung geblieben ist nur das Bild eines einzelnen Mannes, der sich den rollenden Panzern entgegenstellt.  Aus anfänglichen Studentenprotesten erwächst im Frühsommer 1989 eine echte Demokratiebewegung, die sieben Wochen lang das ganze Land in Atem hält.

       

      Der Tian‘anmen-Platz in Peking, direkt gegenüber der Verbotenen Stadt, ist der größte Platz der Welt - ein Ort, an dem das chinesische Volk und die regierende Kommunistische Partei normalerweise Einigkeit demonstrieren. Als sich hier am 15. April 1989 mehrere Tausend Studenten zu einer Trauerkundgebung für den verstorbenen ehemaligen Generalsekretär der kommunistischen Partei Chinas, Hu Yaobang, versammeln, werden Sprechchöre gegen Inflation, Korruption und Amtswillkür laut. Die Studenten fordern Menschenrechte und Demokratie und wollen darüber mit der Regierung verhandeln.

      Obwohl sich der damalige KP-Generalsekretär Zhao Ziyang gemäßigt zeigt, lässt sein politischer Gegner, Ministerpräsident Li Peng, einige Hundert Studenten, die vor dem Parteibüro kampieren, von der Polizei niederknüppeln. Daraufhin gründen die Studenten einen unabhängigen Studentenverband und besetzen am Tag der Beisetzung, dem 22. April, mit 200.000 Menschen den Platz gegenüber der Großen Halle des Volkes, wo die offizielle Trauerfeier abgehalten wird.

      Li Peng verweigert den Dialog, die Proteste wachsen sich zur einer Staatskrise aus. Als Generalsekretär Zhao Ziyang zu einem Staatsbesuch nach Nordkorea reisen muss, übernimmt Li Peng die Führung und trifft sich mit dem Parteipatriarchen Deng Xiaoping, der sich vor einer zweiten Kulturrevolution fürchtet. Deng fordert, die studentische Bewegung als „Unruhen“ einzustufen, was so viel wie „Verschwörung zum Umsturz der Regierung“ bedeutet und mit Gefängnis und Deportierung geahndet wird. Er lässt das Kriegsrecht verhängen.

      Dengs Erklärung wird am 26. April veröffentlicht und soll die Menschen einschüchtern, doch die erbosten Studenten kehren zum Tian‘anmen-Platz zurück. Die Bewohner von Peking verlassen zu Millionen Fabriken, Büros und Geschäftshäuser und gehen auf die Straße - es wird die größte Demonstration in der Geschichte des Landes.

      Das Bild ist Weltgeschichte. Ein einzelner Mann, zwei Einkaufstüten in der Hand. Er stellt sich einem Konvoi von Panzern entgegen, blockiert deren Weiterfahrt. „Tank Man“ ist der Name, der dem bis heute Unbekannten gegeben wurde. Die Szene ereignete sich am Donnerstagmorgen des 5. Juni 1989 in einer Nebenstraße des Tian’anmen Platzes in Peking. In der Nacht zuvor, am 4. Juni, hatte die ‚People’s Army‘ die bereits über sieben Wochen andauernden, friedlichen Studentenproteste auf dem Tian’anmen Platz, dem Platz des Himmlischen Friedens, in der chinesischen Hauptstadt vor den Augen der Weltöffentlichkeit gewaltsam niedergeschlagen. Das Bild des „Tank Man“, festgehalten von zahlreichen Fotojournalisten und Fernsehteams vor Ort, ging um die Welt. Es steht bis heute symbolisch für das blutige Massaker an der Demokratiebewegung durch die chinesische Staatsgewalt.

      Auslöser der Proteste war der Tod des beliebten Politikers Hu Yaobang, der sich für die Reform der Kommunistischen Partei eingesetzt hatte. Daraufhin versammelten sich über Wochen hinweg Studenten auf den Straßen, um zu trauern und für einen demokratischen Wandel des Systems zu demonstrieren. Was als friedlicher Protest begann, endete in einem Massaker. Aus Angst vor dem Machtverlust, entschied sich die kommunistische Partei für die Anwendung von Gewalt. Die Ereignisse des 4. Juni waren der tragische Schlusspunkt von sieben Wochen Demokratiebewegung, welche die Politikführung Chinas bis heute prägt.

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