• 16.10.2021
      03:55 Uhr
      Skandalöse Liebschaften Frankreich 2020 | arte
       

      „Gefährliche Liebschaften“ von Choderlos de Laclos sorgte gleich bei der Veröffentlichung 1782 für einen Skandalerfolg beim Publikum. Doch geht es in dem Klassiker der Weltliteratur um weit mehr als Liebe, Macht und Intrige: Der Briefwechsel zwischen der Marquise de Merteuil und dem Vicomte de Valmont offenbart eine sozialkritische Momentaufnahme Frankreichs vor der Revolution, eine Reflexion über den Status der Frau und ist Abbild des ewigen Kampfes der Geschlechter. Die Dokumentation „Skandalöse Liebschaften“ erzählt anhand von Romanauszügen, Filmausschnitten und Gesprächen, wie aus dem lange verbotenen Werk ein Kultbuch wurde.

      Nacht von Freitag auf Samstag, 16.10.21
      03:55 - 05:05 Uhr (70 Min.)
      70 Min.
      Stereo

      „Gefährliche Liebschaften“ von Choderlos de Laclos sorgte gleich bei der Veröffentlichung 1782 für einen Skandalerfolg beim Publikum. Doch geht es in dem Klassiker der Weltliteratur um weit mehr als Liebe, Macht und Intrige: Der Briefwechsel zwischen der Marquise de Merteuil und dem Vicomte de Valmont offenbart eine sozialkritische Momentaufnahme Frankreichs vor der Revolution, eine Reflexion über den Status der Frau und ist Abbild des ewigen Kampfes der Geschlechter. Die Dokumentation „Skandalöse Liebschaften“ erzählt anhand von Romanauszügen, Filmausschnitten und Gesprächen, wie aus dem lange verbotenen Werk ein Kultbuch wurde.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Priscilla Pizzato

      Als der Briefroman „Gefährliche Liebschaften“ im Frühjahr 1782 erschien, löste er Empörung und Faszination zugleich aus. 175 Briefe beschreiben das ausschweifende Leben der Marquise de Merteuil und des Vicomte de Valmont und ihr dichtes Netz aus Intrigen und Seilschaften. Wer den Roman lesen wollte, musste es heimlich tun - aber gelesen wurde er. Choderlos de Laclos' Roman wurde allerdings nicht nur aufgrund von Morallosigkeit missbilligt, sondern man sah darin auch eine Gefahr - insbesondere für junge Frauen.

      Laclos war ein Vertreter der Aufklärung. Ihm war bewusst, dass Bildung für Emanzipation und die Ausübung des freien Willens unerlässlich ist - für Männer ebenso wie für Frauen. Vor allem die Figur der teuflisch brillanten Marquise de Merteuil war zur damaligen Zeit ein Skandal. Den Männern in ihrem Umfeld begegnet sie mindestens auf Augenhöhe - wenn sie ihnen nicht überlegen ist. In einem Spiel aus zahlreichen Liebhabern und Intrigen hat sie die Fäden in der Hand. Am bekanntesten ist der Brief Nummer 81, der häufig als feministisches Manifest wahrgenommen wird. Darin erzählt die Marquise, wie sie ihr Schicksal selbst in die Hand genommen hat. Aber war sie wirklich eine Feministin?

      „Gefährliche Liebschaften“ ist vieles zugleich: Reflexion über den Status der Frau, sozialkritische Momentaufnahme Frankreichs vor der Revolution, Handbuch zur freizügigen Liebe allen Konventionen zum Trotz, Schilderung des ewigen Kampfes der Geschlechter. Auch die Macht, die mit Sprache und Bildung einhergeht, wird thematisiert.

      Zunächst verboten, später hochgelobt von Charles Baudelaire, André Gide oder André Malraux gilt der Roman heute als eines der bedeutendsten Werke der Weltliteratur. Seine Bekanntheit verdankt er nicht zuletzt auch unzähligen Filmadaptionen. Dieses Sittengemälde der höfischen Gesellschaft Frankreichs vor der Revolution, verankert in seiner Epoche und doch zeitlos, bereitet auch im 21. Jahrhundert noch ein ungemeines Lesevergnügen. „Skandalöse Liebschaften“ erzählt die Wirkungsgeschichte des Skandalerfolgs und zeichnet nach, wie aus dem lange verbotenen Briefroman ein Kultbuch wurde.

      Skandalromane der Weltliteratur
      Die Dokumentation „Skandalöse Liebschaften“ macht den Auftakt: Wie wurde aus dem bei seiner Veröffentlichung 1782 verteufelten, lange verbotenen Briefroman „Gefährliche Liebschaften“ von Choderlos de Laclos ein Kultbuch? Die weltweit unzählige Male verfilmte Intrigengeschichte der Marquise de Merteuil und des Vicomte de Valmont hat Sprengkraft, ist sie doch gleichzeitig eine Reflexion über den Status der Frau, eine sozialkritische Momentaufnahme Frankreichs vor der Revolution und Abbild des ewigen Kampfes der Geschlechter. Stephen Frears fulminante, mit drei Oscars ausgezeichnete Verfilmung mit Glenn Close und John Malkovich in den Hauptrollen eröffnet den Reigen. Auch Gustave Flauberts Debütroman „Madame Bovary“ sorgt gleich bei seinem Erscheinen 1856 für einen Sturm der Entrüstung und beschert dem Schriftsteller einen Prozess wegen Unsittlichkeit und Verherrlichung des Ehebruchs. Die Dokumentation „Der Fall Emma Bovary“ rollt den Prozess auf und erzählt von dem tragischen Schicksal Emmas zwischen Auflehnung gegen gesellschaftliche Konventionen und Eskapismus. Ein Stoff, der Regisseurinnen und Regisseure rund um den Globus inspiriert hat.
      ARTE zeigt Claude Chabrols Verfilmung mit Isabelle Huppert als Emma Bovary. Um eines der größten Missverständnisse in der Literaturgeschichte geht es in der Dokumentation „Die Wahrheit über Lolita“. An Valdimir Nabokovs Roman „Lolita“ scheiden sich auch fast 65 Jahre nach Erscheinen die Geister. Der Roman versetzt sich in die Gedankenwelt eines Pädokriminellen, dessen Phantasma bis heute zu Fehlinterpretationen führt. Lolita ist in Zeiten nach der „MeToo“-Bewegung aktueller denn je. Aktuell ist auch Bret Easton Ellis’ 1991 erschienener Roman „American Psycho“. Die verstörende Geschichte des Traders Patrick Bateman, der nachts zum Serienkiller wird, schockierte das Publikum durch die rohe Darstellung der Morde, die rassistischen, homophoben und frauenfeindlichen Äußerungen des Protagonisten. Was damals als pervertierte Übertreibung empfunden wurde, hat heute erschreckende Entsprechung in der amerikanischen Realität gefunden. Die Dokumentation „Killer, Trader und Psychopath“ hinterfragt, wofür Bret Easton Ellis’ „American Psycho“ heute steht.
      Freuen Sie sich auf weitere große Romane der Weltliteratur bei dem sich Mitte Oktober anschließenden traditionellen ARTE-Bücherherbst anlässlich der Frankfurter Buchmesse.

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      Nacht von Freitag auf Samstag, 16.10.21
      03:55 - 05:05 Uhr (70 Min.)
      70 Min.
      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 12.08.2022