• 11.08.2020
      23:35 Uhr
      Libanon Ein Land als Geisel | arte
       

      Die Explosionen in der vergangenen Woche versetzten Beirut und den ganzen Libanon in einen Schockzustand. Weit über hundert Tote, tausende Verletzte, die Straßen übersät von Trümmern. Hunderttausende sind obdachlos geworden. Und die Wut der Menschen wächst. Die Regierung des Libanon ist nicht in der Lage, die Katastrophe zu bewältigen. Das Land ist seit dem Ende des Bürgerkriegs in einem politisch-religiösen Proporzsystem gefangen. Besonders die von Iran finanzierte schiitische Hisbollah hält das Land im Würgegriff. Hisbollah-Führer sollen auch den Hafen kontrollieren, in dem mutmaßlich 2750 Tonnen Ammoniumnitrat explodierten.

      Dienstag, 11.08.20
      23:35 - 00:30 Uhr (55 Min.)
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      Die Explosionen in der vergangenen Woche versetzten Beirut und den ganzen Libanon in einen Schockzustand. Weit über hundert Tote, tausende Verletzte, die Straßen übersät von Trümmern. Hunderttausende sind obdachlos geworden. Und die Wut der Menschen wächst. Die Regierung des Libanon ist nicht in der Lage, die Katastrophe zu bewältigen. Das Land ist seit dem Ende des Bürgerkriegs in einem politisch-religiösen Proporzsystem gefangen. Besonders die von Iran finanzierte schiitische Hisbollah hält das Land im Würgegriff. Hisbollah-Führer sollen auch den Hafen kontrollieren, in dem mutmaßlich 2750 Tonnen Ammoniumnitrat explodierten.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Michael Richter

      Die Explosionen in der vergangenen Woche versetzten Beirut und den ganzen Libanon in einen Schockzustand. Weit über hundert Tote, tausende Verletzte, die Straßen übersät von Trümmern. Hunderttausende sind obdachlos geworden. Und die Wut der Menschen wächst. Die Regierung des Libanon ist nicht in der Lage, die Katastrophe zu bewältigen. Das Land ist seit dem Ende des Bürgerkriegs in einem politisch-religiösen Proporzsystem gefangen. Besonders die von Iran finanzierte schiitische Hisbollah hält das Land im Würgegriff.

      Am sogenannten Jerusalem-Tag, dem letzten Freitag des Ramadan zelebriert die Hisbollah regelmäßig ihre Macht. Im Süden Beiruts strömen dann am Abend tausende Schiiten zusammen. Irans ehemaliger Ayatollah Chomeini rief 1979 den Tag für den Kampf aller Muslime gegen Israel ins Leben.

      Ein Tag des Hasses und der Rache, den Hassan Nasrallah, der Generalsekretär der Hisbollah, zu aggressiven Videobotschaften nutzt. Schon lange kann er sich nicht mehr seinen Anhängern präsentieren, zu groß ist die Angst vor einem israelischen Anschlag. So spricht er von einer Videoleinwand zu den Menschen.

      Nasrallah droht mit dem Waffenarsenal seiner Miliz, nicht nur Israel sondern auch den USA. Seitdem der Krieg in Syrien entschieden ist, in dem auch Hisbollah-Milizionäre das Regime des Diktators Bashar al Assad an der Macht gehalten haben, ist der Einfluss der Hisbollah in der Region noch gestiegen.

      Im Libanon wird keine wesentliche politische Entscheidung mehr ohne das Einverständnis der "Partei Gottes" getroffen. In dem multireligiösen Staat waren die politischen Kräfteverhältnisse seit dem Ende des Bürgerkriegs 1990 sorgfältig geregelt. Die wachsende Macht der Hisbollah bringt diese Balance ins Wanken. Nicht zuletzt, weil die Miliz der Hisbollah wesentlich stärker als die libanesische Armee ist. Sie verfügt - so unabhängige Schätzungen - über mindestens 25 000 Kämpfer und 120 000 Raketen.

      Israel sieht in der Hisbollah den verlängerten Arm seines Hauptfeindes Iran - direkt an seiner nördlichen Grenze. Trotz des Verbots durch eine UN-Resolution bunkert die Hisbollah im Süden des Landes wie auch in Beirut Waffen. Wofür die 2750 Tonnen Ammoniumnitrat, deren Explosion in der vergangenen Woche so verheerende Schäden anrichtete, im Hafen von Beirut gelagert wurden, ist unklar. Klar ist, Ammoniumnitrat kann zum Bau von Bomben verwendet werden. Und die Hisbollah soll wichtige Hafengebiete kontrollieren.

      Israel und die Hisbollah standen sich schon mehrfach in Waffengängen gegenüber, zuletzt 2006. Der nächste Krieg - prognostizieren Experten - würde den Libanon dem Erdboden gleichmachen und auch in Israel wesentlich drastischere Schäden bewirken als alle anderen Kriege zuvor. Dieses Szenario des Schreckens bewirkt bisher, dass eine Eskalation der Gewalt vermieden werden konnte. Aber die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und Iran erhöhen die Konfliktgefahr.

      Ein ARTE-Team um Autor Michael Richter hat die dramatisch instabile Lage im Libanon erkundet. Der Film zeigt, dass die Hisbollah ihre politische und militärische Stellung in den letzten Jahren geschickt ausgebaut hat und inzwischen ein Staat im Staat ist. Aber es regt sich auch Widerstand. Zivilgesellschaftliche Kräfte versuchen, die alten Konfliktlinien zwischen den Konfessionen zu überwinden und mit demokratischen Mitteln andere Wege zu gehen.
      Als politische Partei stellt die Hisbollah zwei Minister in der Regierung. Der sunnitische Ministerpräsident Saad Hariri ist vom Wohlwollen Hassan Nasrallahs, dem Generalsekretärs der Hisbollah, abhängig - nicht zuletzt weil die Miliz der Hisbollah wesentlich stärker ist als die libanesische Armee. In seinen imposanten Reden droht Nasrallah nicht nur Israel, sondern auch den USA.

      Israel sieht in der Hisbollah den verlängerten Arm seines Erzfeindes Iran. Einer UN-Resolution zum Trotz lagert die Hisbollah Waffen im Südlibanon und hat mehrere Tunnel zu israelischen Gebieten gegraben.

      Ein erneuter Krieg zwischen der Hisbollah und Israel würde den Libanon dem Erdboden gleichmachen und auch in Israel erhebliche Schäden anrichten. Die Spannungen zwischen den USA und Iran erhöhen die Konfliktgefahr.

      Der Film zeigt, dass die Hisbollah ihre Macht in den letzten Jahren geschickt ausgebaut und sich zu einem Staat im Staat entwickelt hat. Doch es regt sich Widerstand. Zivilgesellschaftliche Kräfte versuchen, Religionskonflikte zu überwinden und mit demokratischen Mitteln neue Wege zu gehen.

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