• 27.09.2020
      05:35 Uhr
      Kinogeschichten Im Zentrum der Macht | arte
       

      Die Politik hält ungeheuer viele Erzählstoffe bereit und Politiker faszinieren das Kino wie alle großen Machtfiguren. Doch wenn der Film die politische Macht darstellen will, kommt er oft in Konflikt mit einer anderen Macht: der des Fernsehens. Wie soll man also in Zeiten der allmächtigen Medien das Politische für die Leinwand aufbereiten? Will das Kino nicht in Illustration, Thesenfilm oder Hagiografie verfallen, muss es nach einer originellen Darstellungsweise, nach einer Vision suchen und seine eigenen Gestalten erfinden. Die vierte Ausgabe der „Kinogeschichten“ untersucht die Wechselbeziehung zwischen Politik und Spielfilm.

      Nacht von Samstag auf Sonntag, 27.09.20
      05:35 - 06:30 Uhr (55 Min.)
      55 Min.
      Stereo HD-TV

      Die Politik hält ungeheuer viele Erzählstoffe bereit und Politiker faszinieren das Kino wie alle großen Machtfiguren. Doch wenn der Film die politische Macht darstellen will, kommt er oft in Konflikt mit einer anderen Macht: der des Fernsehens. Wie soll man also in Zeiten der allmächtigen Medien das Politische für die Leinwand aufbereiten? Will das Kino nicht in Illustration, Thesenfilm oder Hagiografie verfallen, muss es nach einer originellen Darstellungsweise, nach einer Vision suchen und seine eigenen Gestalten erfinden. Die vierte Ausgabe der „Kinogeschichten“ untersucht die Wechselbeziehung zwischen Politik und Spielfilm.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Florence Platarets

      Auf den ersten Blick wird die politische Macht im französischen Kinofilm ziemlich selten dargestellt. Nur ein einziges Mal wagte man bisher, den ehemaligen französischen Staatspräsidenten François Mitterand zum Protagonisten eines Spielfilms zu machen: in „Letzte Tage im Elysée“ (2005) von Robert Guédiguian. 1984 tauchte in Francis Girods Filmdrama „Le bon plaisir - Eine politische Liebesaffäre“ allerdings auch schon einmal ein französischer Staatspräsident auf, glänzend dargestellt von Jean-Louis Trintignant.

      Pierre Schoeller dagegen setzte in seinem Film „Der Aufsteiger“ (2011) auf die reine Fiktion, um das Thema der Machtausübung darzustellen.

      Eine glaubwürdige Fiktionalisierung der Exekutive gelang auch dem Dänen Adam Price, dem Ideengeber und Hauptautor der dänischen Fernsehserie „Borgen - Gefährliche Seilschaften“ (2010-2013).

      Mit einem moralischen Anliegen setzten sich kürzlich auch drei bedeutende europäische Filmregisseure auseinander: Roman Polanski („Der Ghostwriter“, 2010), Armando Iannucci („Kabinett außer Kontrolle“, 2009) und Bertrand Tavernier („Quai d’Orsay“, 2013). Ihnen geht es um die Lüge, die zum Irakkrieg mitsamt seiner verheerenden Folgen führte.

      Manchmal wollen Filmemacher auch zur Wurzel des Übels vordringen, um zu verstehen, in welchem Moment Ansätze von Demagogie und Populismus in ihrem eigenen Land hochkommen. In „Der Tag, an dem die Nacht kam“ (2003) rekonstruierte der Italiener Marco Bellocchio die Geiselhaft Aldo Moros und fuhr schweres Geschütz gegen die gesamte politische Klasse Italiens auf. Die durch Moros Ermordung ausgelöste unumkehrbare Krise bereitete letztendlich den Weg für die Machtübernahme Berlusconis, der in Nanni Morettis Komödie „Der Italiener“ (2006) aufs Korn genommen wurde. Hier diente der Spielfilm als politische Waffe.

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      Nacht von Samstag auf Sonntag, 27.09.20
      05:35 - 06:30 Uhr (55 Min.)
      55 Min.
      Stereo HD-TV

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