• 09.11.2015
      23:15 Uhr
      Tartüff Stummfilm Deutschland 1925 - Filmreihe: Meisterwerke des Stummfilms | arte
       

      Molières Komödie über die Machenschaften des scheinheiligen Tartüff, der den gutgläubigen Orgon betrügt und in eine tiefe Sinn- und Glaubenskrise stürzt, als Film-im-Film und eingebunden in eine Rahmengeschichte: Ein alter Herr wird von seiner betrügerischen Haushälterin fast ums Leben und um sein Vermögen gebracht. Doch sein gewiefter Neffe durchschaut deren Pläne und führt, verkleidet als Betreiber eines kleinen Wanderkinos, seinem Großvater den Tartüff als Film vor. Der Schock der Erkenntnis stellt sich in dem Moment ein, als auch ein Giftfläschchen in der Handtasche der Haushälterin entdeckt wird.

      Montag, 09.11.15
      23:15 - 00:25 Uhr (70 Min.)
      70 Min.
      VPS 23:40
      Stereo

      Molières Komödie über die Machenschaften des scheinheiligen Tartüff, der den gutgläubigen Orgon betrügt und in eine tiefe Sinn- und Glaubenskrise stürzt, als Film-im-Film und eingebunden in eine Rahmengeschichte: Ein alter Herr wird von seiner betrügerischen Haushälterin fast ums Leben und um sein Vermögen gebracht. Doch sein gewiefter Neffe durchschaut deren Pläne und führt, verkleidet als Betreiber eines kleinen Wanderkinos, seinem Großvater den Tartüff als Film vor. Der Schock der Erkenntnis stellt sich in dem Moment ein, als auch ein Giftfläschchen in der Handtasche der Haushälterin entdeckt wird.

       

      Stab und Besetzung

      der Greis Hermann Picha
      seine Haushälterin Rosa Valetti
      sein Neffe André Mattoni
      Herr Orgon Werner Krauss
      Frau Elmire Lil Dagover
      Dorine Lucie Höflich
      Tartüff Emil Jannings
      Produzent Erich Pommer
      Regie F.W. Murnau
      Drehbuch Carl Mayer
      Kamera Karl Freund
      Musik Guiseppe Becce
      Produktion Universum-Film A.G. (UFA)

      Molières Komödie über die Machenschaften des scheinheiligen Tartüff, der den gutgläubigen Orgon betrügt und in eine tiefe Sinn- und Glaubenskrise stürzt, als Film-im-Film und eingebunden in eine Rahmengeschichte: Ein alter Herr wird von seiner betrügerischen Haushälterin fast ums Leben und um sein Vermögen gebracht. Doch sein gewiefter Neffe durchschaut deren Pläne und führt, verkleidet als Betreiber eines kleinen Wanderkinos, seinem Großvater den Tartüff als Film vor. Der Schock der Erkenntnis stellt sich in dem Moment ein, als auch ein Giftfläschchen in der Handtasche der Haushälterin entdeckt wird.

      Der Film entstand 1925 zwischen "Der letzte Mann" und "Faust" und wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Das eine Lager betrachtet den Film als eine von Murnau eher lustlos erfüllte Auftragsarbeit für die UFA, die ihrem Star Emil Jannings eine Hauptrolle versprochen hatte, das andere Lager sieht in Tartüff eine höchst amüsante Adaption der Molière-Komödie.

      Wie bei "Der letzte Mann" schrieb Carl Mayer, bedeutendster Filmautor des Weimarer Kinos, das Drehbuch. Die Verwendung einer Rahmengeschichte ermöglicht alle denkbaren Zuspitzungen und Pointen. Murnau und Mayer stricken aus der Handlung des in Alexandrinern gefassten Bühnenstücks eine fast atemlos ablaufende Geschichte, in der es ziemlich unverblümt um Erotik geht - sowohl zwischen den beiden Männern Orgon und Tartüff als auch zwischen Tartüff und Elmire.

      Die hehre Lil Dagover muss den derben Zugriff auf ihr Dekolleté aushalten, wobei die Kamera ebenso gierig ist wie der lüsterne Tartüff. Die filmische Handlung ist vorwiegend um das Treppenhaus von Orgons Schloss organisiert, das eher nach "barockisierter" Hotelhalle anmutet als nach historischer Raumflucht. Ständig gehen Türen auf und zu, herrscht ein Versteckspiel zwischen Fenstern, Vorhängen und den Räumen, huschen Bedienstete mit Briefen und Kerzenleuchten von Kabinett zu Kabinett. Erst als es Elmire gelingt, Tartüff in ihr Bett zu holen, und Orgon diese Szene durchs Schlüsselloch beobachtet, ist er von seinem religiösen Wahn erlöst: Sehen als therapeutische Veranstaltung.

      F.W. Murnau ist einer der bedeutendsten deutschen Filmregisseure der Stummfilmzeit, ein Visionär des Kinos. Er arbeitete zunächst am Theater von Max Reinhardt, bevor er 1919 mit "Der Knabe in Blau" seinen Debütfilm inszenierte. Bis 1924 entstanden ein gutes Dutzend Filme, darunter "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" (1922). Ab 1924 arbeitete er für die UFA und inszenierte "Der letzte Mann", "Tartüff" und "Faust". 1926 wanderte er in die USA aus, wo "Sunrise - A Song of Two Humans" (Sonnenaufgang), "4 Devils" (Vier Teufel) und "City Girl" (Die Frau aus Chicago) entstanden. ARTE zeigt eine restaurierte Fassung des Klassikers "Tartüff" mit der Originalmusik von Guiseppe Becce.

      • Filmreihe: Meisterwerke des Stummfilms

      Im November ist Stummfilm-Saison bei ARTE - und wie immer bietet ARTE eine Mischung aus Klassikern und aufregenden Entdeckungen. Den Auftakt macht Friedrich Wilhelm Murnaus "Tartüff" mit der Originalmusik von Giuseppe Becce, orchestriert von dem deutschen Komponisten Detlev Glanert und eingespielt vom Orchester der Komischen Oper Berlin unter der Leitung von Frank Strobel - ein musikalisches Highlight.

      Als Nächstes wird Josef von Sternbergs Debütfilm "Salvation Hunters" gezeigt, mit dem er 1925 seine Visitenkarte in den USA abgegeben hat: ein melancholischer Film über ein junges Paar, das sich in den Docks von San Pedro kennenlernt. Die Musik zu diesem meisterhaft fotografierten Film stammt von dem renommierten US-amerikanischen Jazz-Pianisten Brad Mehldau, live aufgezeichnet am 2. Oktober 2015 im Konzerthaus Wien.

      Ein weiterer Debütfilm ist "Regeneration" von Raoul Walsh, entstanden im Jahr 1915 in der Lower Bowery von New York. Mit diesem Film begründet Walsh das Genre des Gangsterfilms und zeigt hier schon sein Talent, Geschichten zu erzählen - ein Film, der mitten ins Herz des Publikums trifft. Die Musik zu "Regeneration" schrieb der profilierte deutsche Jazz-Musiker Peter Reiter von der hr-Bigband, der sie in der Komischen Oper Berlin live mit einem hochkarätigen Jazz-Ensemble einspielt.

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      Montag, 09.11.15
      23:15 - 00:25 Uhr (70 Min.)
      70 Min.
      VPS 23:40
      Stereo

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