• 11.12.2013
      02:15 Uhr
      Wir waren Zeugen Spielfilm Frankreich 2006 (Les Témoins) | arte
       

      Paris in den 80er Jahren: Manu, Anfang 20, lebt mit seiner Schwester in einem bescheidenen Hotelzimmer. Er trifft auf den Mittfünfziger Adrien, einen Arzt, der sich in ihn verliebt. Über ihn lernt er das junge Paar Sarah und Mehdi kennen. Kurz darauf beginnen Manu und Mehdi eine Affäre. Doch dann erkrankt Manu an Aids. In Zusammenarbeit mit einem großartigen Schauspielerensemble zeigt Regisseur André Téchiné in "Wir waren Zeugen" anhand einer individuellen Geschichte die psychosozialen Auswirkungen der ersten Aids-Welle in den 80er Jahren in Frankreich.

      Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 11.12.13
      02:15 - 04:05 Uhr (110 Min.)
      110 Min.
      HD-TV Stereo

      Paris in den 80er Jahren: Manu, Anfang 20, lebt mit seiner Schwester in einem bescheidenen Hotelzimmer. Er trifft auf den Mittfünfziger Adrien, einen Arzt, der sich in ihn verliebt. Über ihn lernt er das junge Paar Sarah und Mehdi kennen. Kurz darauf beginnen Manu und Mehdi eine Affäre. Doch dann erkrankt Manu an Aids. In Zusammenarbeit mit einem großartigen Schauspielerensemble zeigt Regisseur André Téchiné in "Wir waren Zeugen" anhand einer individuellen Geschichte die psychosozialen Auswirkungen der ersten Aids-Welle in den 80er Jahren in Frankreich.

       

      Paris, im Jahr 1984: Manu, Anfang 20, lebt mit seiner Schwester, einer angehenden Opernsängerin, in einem bescheidenen Hotelzimmer. Er lernt den Mittfünfziger Adrien kennen, einen gut situierten Arzt, der sich in ihn verliebt. Adrien nimmt ihn mit zu Sarah und deren Mann Mehdi, die ein Wochenende im Haus von Sarahs Mutter am Mittelmeer verbringen. Die beiden haben einen neugeborenen Sohn. Sarah ist Schriftstellerin und fühlt sich in ihrer Mutterrolle sichtlich unwohl; Mehdi ist ein ordnungsliebender Polizist. Als er Manu beim gemeinsamen Schwimmen vor dem Ertrinken rettet, beginnt eine zaghafte gegenseitige Faszination, die sich dank Manus Initiative bald zu einer Affäre entwickelt. Mehdi plagt zunächst sein schlechtes Gewissen, doch Sarah versichert ihm, dass für sie eine offene Beziehung nicht nur aufregend, sondern auch lebbar ist.

      Doch längst nicht alle Beteiligten begrüßen eine solche Offenheit: Adrien nämlich reagiert auf Manus Geständnis der Affäre mit Mehdi mit Eifersucht - und es kommt zum Streit. Dabei entdeckt Adrien, dass Manu am Oberkörper voller dunkler Flecken ist. Die Untersuchung ergibt: Manu hat Aids, eine Krankheit, die in den USA Homosexuelle dahinrafft, in Europa aber noch unbekannt ist. Die Erforschung des Virus - seine Beschaffenheit, seine Verbreitung - steckt noch in den Kinderschuhen. Während sich Manus Zustand langsam aber sicher verschlechtert, zeigen sich die psychischen und sozialen Auswirkungen, die diese Diagnose nicht nur auf ihn, sondern auf alle Beteiligten hat.

      Zur Thematik seines Films macht André Téchiné folgende Aussage: "Es gibt Momente in der Geschichte, wo ein einzelnes Ereignis die Vorstellungswelt einer ganzen Gesellschaft erhellt. Indem man also tatsächlich den persönlichen Absichten des Einzelnen Aufmerksamkeit schenkt, ist man in der Lage das zu hören, was nicht einfach nur das Leben des Individuums, sondern das einer gesamten Kultur beeinflusst." Vor dem Hintergrund aktueller Fragen, denen sich die französische Gesellschaft gegenübersieht, ist vor allem die Figur des bisexuellen Polizisten Mehdi, in Frankreich geborener Sohn maghrebinischer Einwanderer, der mit einer aus der Pariser Bourgeoisie stammenden Schriftstellerin verheiratet ist, von Interesse.

      Téchiné verweist, im selben Interview darauf angesprochen, auf Vorbilder wie Rainer Werner Fassbinder, der seine Figuren in aberwitzigen Situationen zeigte, was letztendlich die beste Möglichkeit sei, Subversion zu erzeugen. Eine der großen Stärken von "Wir waren Zeugen" ist dabei, wie der Film anhand des in einer offenen Beziehung lebenden Paares Sarah und Mehdi eine Gesellschaft zeigt, in der Sexualität nach der sexuellen Befreiung der 60er und 70er Jahre aufgrund der Aids-Welle ein Stück weit wieder zu einem tabuisierten Angstfaktor wird.

      Der 1943 in Valence geborene Regisseur André Téchiné wurde mit Filmen wie "Meine liebste Jahreszeit" ("Ma saison préferée", 1993), "Wilde Herzen" ("Les roseaux sauvages", 1994) oder "Diebe der Nacht" ("Les Voleurs", 1996) berühmt. Seine Filme wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, "Wir waren Zeugen" lief im offiziellen Wettbewerb der Berlinale (2007) und war für den César nominiert (2008). In Deutschland kam "Wir waren Zeugen" nie ins Kino und wurde mangels Synchronfassung von keinem Fernsehsender gezeigt, weshalb die Ausstrahlung auf ARTE eine Premiere ist.

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      Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 11.12.13
      02:15 - 04:05 Uhr (110 Min.)
      110 Min.
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