• 13.11.2013
      11:55 Uhr
      Türkiye - Türkei - Die gespaltene Republik Dokumentation Deutschland 2013 | arte
       

      Im Sommer beherrschten Meldungen über Demonstrationen und Proteste in der Türkei, vor allem in Istanbul, die europäischen Medien. In dem Land mit beachtlichem wirtschaftlichen Aufschwung wollen die Bewohner sich nicht länger bevormunden und einschränken lassen. Immer mehr Türken finden, dass Ministerpräsident Erdogan zu mächtig geworden ist. Sie kritisieren, dass er den Demonstrationen mit Gewalt begegnete.

      Mittwoch, 13.11.13
      11:55 - 12:45 Uhr (50 Min.)
      50 Min.
      HD-TV Stereo

      Im Sommer beherrschten Meldungen über Demonstrationen und Proteste in der Türkei, vor allem in Istanbul, die europäischen Medien. In dem Land mit beachtlichem wirtschaftlichen Aufschwung wollen die Bewohner sich nicht länger bevormunden und einschränken lassen. Immer mehr Türken finden, dass Ministerpräsident Erdogan zu mächtig geworden ist. Sie kritisieren, dass er den Demonstrationen mit Gewalt begegnete.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Kamil Taylan

      Bedeutet diese Konfrontation die Spaltung der türkischen Gesellschaft, der Gesellschaft eines Landes, das die Nahtstelle zwischen Europa und der arabischen Welt bildet?

      Als Anfang Juni in Istanbul die Menschen auf die Straße gingen und auf dem Taksim-Platz demonstrierten, richteten sich wieder alle Augen auf die Türkei; auf jene Republik am Rande Europas, die über Jahre hinweg einen beeindruckenden Wirtschaftsaufschwung hingelegt und gezeigt hatte, dass sie international eine wichtige Rolle einnehmen will. Doch plötzlich wird alles anders, die Türkei ist im 90. Jahr der Republik-Gründung in ihren Grundfesten erschüttert und wird zu einer gespaltenen Republik. Der einst gefeierte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte seiner lang unterdrückten islamischen Anhängerschaft nach seiner Wahl 2002 zu Achtung und Erfolg verholfen und angefangen, die alte Türkei Mustafa Kemal Atatürks umzubauen. Was zunächst vielen Menschen gefiel - nämlich die Entmachtung des Militärs und der kemalistischen Eliten sowie die Betonung der islamischen Werte - geht inzwischen vielen Türken zu weit. Der jahrelange wirtschaftliche Aufschwung hat eine Gesellschaftsschicht geformt, die sich nicht mehr bevormunden und einschränken lassen will. "Erdogan du bist nicht unser Vater, spiele daher nicht den Vater" rufen sie. Doch Proteste stoßen auf Unverständnis und Abwehr. Die alten Mechanismen greifen wieder. Der Ministerpräsident, der sich eigentlich in wenigen Monaten dank einer Verfassungsänderung in Richtung Präsidialdemokratie zum mächtigen Präsidenten wählen lassen will, reagiert mit Härte, Schuldzuweisungen und Verhaftungen. In keinem Land der Welt sitzen so viele Journalisten in Haft wie in der Türkei. Erst kürzlich sind über 250 Angeklagte - Angehörige des Militärs, Journalisten, Anwälte, Akademiker - wegen Unterstützung terroristischer Umtriebe beziehungsweise Putschversuchs zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Ist die Türkei auf dem Weg in eine gespaltene Republik? Weder die EU-Annäherung noch die Gesellschafts-, Frauen- und Minderheitenpolitik sind im Moment Motoren für eine mögliche Befriedung der sich gegenüberstehenden gesellschaftlichen Lager. Im Gegenteil: Erreichtes wird aufs Spiel gesetzt. Juden, Griechen, Armenier und Aramäer sind weiter Bürger zweiter Klasse. Und sogar der historisch bedeutende Waffenstillstand mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK und die Annäherung an die Kurden zielen auf die Machterweiterung Erdogans ab. Diese schleichende "Sultanisierung", die an das alte osmanische Reich erinnert, sind die Bürger nicht gewillt hinzunehmen. Und die Kurden träumen von einem föderalen Staat und nicht von einer nationalistisch, islamisch geprägten Republik.

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      Mittwoch, 13.11.13
      11:55 - 12:45 Uhr (50 Min.)
      50 Min.
      HD-TV Stereo

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