• 08.09.2013
      03:10 Uhr
      James Ensors Zaubereien Dokumentarfilm Frankreich 2010 | arte
       

      Tod, Illusion, Kindheit, Lachen und Angst - all das drückte der belgische Maler James Ensor (1860-1949) in seinen Gemälden mit Masken aus. Sie wurden zum Sinnbild und Geheimnis seines Werkes und faszinierten ihn bis ans Lebensende. Mit seinen beeindruckenden Motiven, unorthodoxen Kompositionen und grellen Farben war er ein avantgardistischer Erneuerer der künstlerischen Form. Von den 1910er Jahren an machte sich sein Einfluss auch im Werk von Nolde, Kandinsky und Klee deutlich bemerkbar.

      Nacht von Samstag auf Sonntag, 08.09.13
      03:10 - 04:10 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      HD-TV Stereo

      Tod, Illusion, Kindheit, Lachen und Angst - all das drückte der belgische Maler James Ensor (1860-1949) in seinen Gemälden mit Masken aus. Sie wurden zum Sinnbild und Geheimnis seines Werkes und faszinierten ihn bis ans Lebensende. Mit seinen beeindruckenden Motiven, unorthodoxen Kompositionen und grellen Farben war er ein avantgardistischer Erneuerer der künstlerischen Form. Von den 1910er Jahren an machte sich sein Einfluss auch im Werk von Nolde, Kandinsky und Klee deutlich bemerkbar.

       

      Was zeigen Ensors Masken? Porträt eines visionären Künstlers, dessen Geburtstag sich dieses Jahr zum 150. Mal jährt und dessen Werk bis in unser Jahrhundert nachwirkt.

      James Ensor - ein Zeitgenosse von Cézanne, van Gogh, Munch und Vuillard - wurde 1860 in Ostende, Belgien, geboren, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1949 lebte. Seine flämische Mutter - sein Vater war englischer Herkunft - betrieb dort einen kleinen Laden, in dem Geschenke und Souvenirs wie Muschelschalen, ausgestopfte Affen und Karnevalsmasken verkauft wurden - prägende Motive seiner späteren Malerei, mit der er im Alter von 13 Jahren begann.

      Vom 17. bis 20. Lebensjahr besuchte Ensor die Brüsseler Kunstakademie, deren akademischer Unterricht ihn jedoch frustrierte. Seine bemerkenswerten, vom Impressionismus beeinflussten Interieurs konnte er nicht ausstellen, weil sie nicht dem vorherrschenden Kanon der klassischen Malerei entsprachen. Um seiner ungezügelten Kreativität Ausdruck zu verleihen, entwickelte er einen persönlich und kunstgeschichtlich völlig neuartigen Stil: Er wurde zum Maler von Masken. Auf der Bühne einer zum Theater gewordenen Malerei zeigen die Masken den großen Karneval der Welt. Grotesk, provokant, melancholisch oder fröhlich fordern sie sämtliche Autoritäten heraus: die Bourgeoisie, den König, die Ärzte, Richter und selbst die Städteplaner, die seinerzeit die schönen Dünen von Ostende zerstörten.

      Auch sich selbst spart der Maler in seiner satirischen Verve nicht aus: Er nennt sich "Art ensor" und tritt in seinen zahlreichen Selbstporträts als Hering auf. Ensor erscheint schon fast dadaistisch und bewahrt dabei die typisch belgische Spottlust, die sich auch in seinen zahlreichen, dem Dokumentarfilm zugrundeliegenden Schriften niederschlägt. Nach Bosch und Bruegel setzt er die lange Karnevalstradition der flämischen Kultur und Malerei fort.

      Doch Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte Ensor künstlerisch und privat einen tiefen Bruch. Die Inspiration verließ ihn teilweise und seine Malerei stagnierte. Fortan schuf er Radierungen und Kaltnadelarbeiten und verlegte sich auf das Komponieren von Balletten sowie aufs Harmonium-Spiel. Als er 1929 vom belgischen König geadelt wurde, als die europäischen Museen ihm große Retrospektiven widmeten, als man seine Büste auf dem Deich von Ostende aufstellte und ihn europäische Geistesgrößen wie Einstein, Malraux und Stefan Zweig besuchten, hatte er das Gefühl, all diese Ehrungen seien zu spät gekommen, und dieses Gefühl lähmte ihn offenbar. Ensors Weg ist emblematisch für die Zeit von 1860 bis zum Zweiten Weltkrieg, in der das figurative Schaffen in seine größte Krise geriet. Diese Krise hatte Ensor scheinbar vorausgeahnt.

      An die Darstellung von Ensors erstaunlicher Persönlichkeit knüpft der Dokumentarfilm Überlegungen zum Schaffensprozess, zur Verwendung von Masken in der Moderne sowie zu der von den Volksmärchen inspirierten Darstellung der Welt als Karneval. Er zeigt nicht nur ausführlich und bis ins Detail Werke von Ensor, sondern lässt ihn mit Zitaten aus seinen kunsttheoretischen Schriften, aus Reden, Briefen und Artikeln auch selbst zu Wort kommen. Dabei erweist sich der Maler als Wortschöpfer, der mit Klängen ebenso virtuos umzugehen verstand wie mit Farben und den Betrachter wie den Zuhörer gern überraschte, schockierte und bewegte.

      Der Kommentartext des Films verdeutlicht Ensors bissigen Humor, seine Affekte und Stimmungen, seine Melancholie sowie seine Eindrücke von einer Landschaft oder einem politischen Ereignis. Die Passagen mit dem in seinem Atelier in Bougival gefilmten belgischen Maler Pierre Alechinsky belegen Ensors Einfluss bis in die Gegenwart. Das Geburtshaus des Malers, indem er zeit seines Lebens wohnte und malte, das James-Ensor-Haus im belgischen Nordseebadeort Ostende, ist ganz dem Leben und Werk des Malers gewidmet. Hier kann der Besucher Schädel, Masken und allerhand Nippes entdecken, die er auf seinen Bildern verewigte.

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      Nacht von Samstag auf Sonntag, 08.09.13
      03:10 - 04:10 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
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