• 09.06.2013
      16:00 Uhr
      Lotte Reiniger - Tanz der Schatten Dokumentation Deutschland 2012 | arte
       

      Nicht Walt Disney, sondern der deutschen Filmkünstlerin Lotte Reiniger ist der erste abendfüllende Animationsfilm der Filmgeschichte zu verdanken. 1926 zauberte die Virtuosin des Scherenschnitts "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" auf die Stumm-filmleinwand und erfand damit eine neue Spielart des Kunstfilms zwischen Jugendstilästhetik, Expressionismus und Zauber-märchen. Während ihr Mann Carl Koch die Multiplankamera und den Tricktisch perfektionierte, entwickelte Lotte Reiniger Figur um Figur und inszenierte deren Bewegungen mit äußerster Geduld und "asiatischem Fleiß" (Bertolt Brecht).

      Sonntag, 09.06.13
      16:00 - 17:00 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      Geänderte Sendezeit!
      HD-TV Stereo

      Nicht Walt Disney, sondern der deutschen Filmkünstlerin Lotte Reiniger ist der erste abendfüllende Animationsfilm der Filmgeschichte zu verdanken. 1926 zauberte die Virtuosin des Scherenschnitts "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" auf die Stumm-filmleinwand und erfand damit eine neue Spielart des Kunstfilms zwischen Jugendstilästhetik, Expressionismus und Zauber-märchen. Während ihr Mann Carl Koch die Multiplankamera und den Tricktisch perfektionierte, entwickelte Lotte Reiniger Figur um Figur und inszenierte deren Bewegungen mit äußerster Geduld und "asiatischem Fleiß" (Bertolt Brecht).

       

      Die 1899 in Berlin geborene und 1981 im Dettenhausen bei Tübingen verstorbene Lotte Reiniger gilt heute als die bedeutendste Pionierin des Animationsfilms. Sie hinterlässt ein gewaltiges Werk mit 44 Filmen, Scherenschnitten, Zeichnungen, Fotos und Schattenrissen berühmter Filmpersönlichkeiten. Mit "Das Ornament des verliebten Herzens" entsteht 1919 ihr erster Film: Auf einem selbstgebauten Tisch fotografiert Reiniger ihre Silhouetten und setzt sie so in Bewegtbild um. Die Dokumentation "Tanz der Schatten" nimmt die Aktualität des Werks Reinigers zum Anlass einer neuen Auseinandersetzung mit dem Silhouettenfilm und dem Schattentheater, zu deren Entwicklung die Berlinerin entscheidend beigetragen hat.

      So wird sie von zeitgenössischen Filmemachern und Animationskünstlern in Filmen wie "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" (2010) oder "Tales of the Night" (2011) zitiert. Ausgangspunkt der Dokumentation ist der umfangreiche Nachlass im Stadtmuseum Tübingen, wo die Filmrecherche ihren Anfang nimmt, bis hin nach Berlin und London, den wichtigsten Stationen im Leben der Lotte Reiniger. Ihre narrative und ästhetische Kreativität, die mit Hilfe von Schere und Papier zeitlose Märchenwelten für Jung und Alt schafft, lohnen diese Ausnahmekünstlerin neu zu entdecken.

      Das flackernde Schattenspiel an der Wand kann als Urszene des Kinos verstanden werden. Zwei Hände, eine Lichtquelle und eine Projektionsfläche genügen, um Kindern eine spannende Schattengeschichte vorzuführen, die ihre Fantasie anregt. Der Schatten als lediglich andeutendes Bild öffnet einen Imaginationsraum zwischen Text und Bild, den der Beobachter mit eige-nen Ideen und Gefühlen füllen kann. Liest ein Leser einen Text, entstehen die dazugehörigen visuellen und akustischen Ein-drücke vor seinem inneren Auge und Ohr. Betrachtet er ein Bild, öffnen sich - in Abhängigkeit von dessen Gestaltung - andere Leerstellen für die Fantasie. Die Bandbreite des Bildlichen reicht vom geheimnisvollen Schatten über die andeutende Silhouette zur skizzenhaften Karikatur bis hin zur fein ausgearbeiteten Bildkomposition, deren Reiz im Zeigen statt im Verbergen besteht. Allerdings besitzt die visuelle Andeutung eine ganz besondere Macht über die Fantasie des Menschen. Dessen Wahrnehmung ist konstruktiv, das heißt, dass er aus wenigen Elementen Simultanformen, "Bezugsfiguren des Sehens" (Johannes Itten) bilden und mit Bedeutung anreichern kann.

      Das Spiel mit dem Schatten und dessen Animation im Film gehören jedoch nicht der Vergangenheit an; ganz im Gegenteil, sie sind hochaktuell! Im ersten Teil des Films "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes I" (2010) gestaltete Ben Hibon, ein Animationskünstler aus der Schweiz, das "Märchen der drei Brüder", in Hommage an Lotte Reinigers Schatten- und Silhouet-tenkunst als 3D-Animation. Die Produktion der dreiminütigen Sequenz dauerte ein halbes Jahr, weil eine technische Transformation und Integration der zweidimensionalen Schatten- und Silhouettenästhetik in die dreidimensionale Raumillusion des Realfilms erreicht werden musste. Die Kamera sollte durch die transparente Welt der Papiersilhouetten und Schatten hindurch fliegen, in eine körperlos schwebende Traumwelt, der Allegorie über Leben und Tod. Der Franzose Michel Ocelot ist ein Vertreter des aktuellen internationalen Animationskinos. Ocelot hat mit fast allen Techniken des Animationsfilms gearbeitet, von Zeichnungen bis hin zu Computeranimationen. Sein Film, das Märchen "Tales of the Night" widmet sich wieder der Silhouetten-Technik im Stil Lotte Reinigers.

      Film von Susanne Marschall, Rada Bieberstein, Kurt Schneider

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      Sonntag, 09.06.13
      16:00 - 17:00 Uhr (60 Min.)
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