• 22.11.2011
      19:00 Uhr
      Rollentausch Ein Film von Tanja Reinhard | ONE
       

      "Am Anfang hab ich mich schon gefragt, was ich hier eigentlich mache, zwischen Wickeltisch und Windeleimer", sagt der Düsseldorfer Oberarzt Stefan Gerbaulet, während er mit der Akribie eines Laboranten ein Babyfläschchen vorbereitet.

      Dienstag, 22.11.11
      19:00 - 19:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      "Am Anfang hab ich mich schon gefragt, was ich hier eigentlich mache, zwischen Wickeltisch und Windeleimer", sagt der Düsseldorfer Oberarzt Stefan Gerbaulet, während er mit der Akribie eines Laboranten ein Babyfläschchen vorbereitet.

       

      Für ein Jahr versorgt er seine fünf Monate alte Tochter und die beiden Söhne, während seine Frau als Investmentbankerin den Großteil der Woche in Frankfurt ist. Physisch zumindest. Im Kopf hat sie ihre Termine - und die der Familie, denn 'so ganz' traut sie ihm den Hausmann nicht zu. "Meine Frau steuert mich fern, die ruft öfter am Tag an und erinnert mich", lächelt ihr Mann, es nerve ihn 'eigentlich' nicht. Sorgen mache er sich mehr darüber, ob er als Kardiologe nicht einen Karriereknick riskiert, wenn er ein Jahr aus dem Klinikbetrieb aussteigt. Ein 'großes Risiko', orakelt sein Vater, ebenfalls Karriere-Arzt. In der Branche gilt ein Vater in Elternzeit offenbar eher als Skurrilität.

      Gregor Eisenmann, Beamter, ist ebenfalls für ein knappes Jahr in Elternzeit und sorgt für den zehn Monate alten Leander. Auch, weil Leander ein Schreibaby war, wollte seine Frau nach einem halben Jahr Babypause gerne zurück in ihren Beruf. Sie arbeitet wieder Vollzeit als Pressesprecherin und überlässt ihrem Mann den Haushalt. "Also sie beklagt sich nie", sagt ihr Mann. "Da lege ich aber auch Wert drauf. Nicht weil ich Angst habe, in Ungnade zu fallen, sondern weil ich zeigen will, dass ich hier klarkomme." Und so lange die beiden Männer allein zu Hause sind, gelingt das auch - mehr oder weniger. Bis Tamara Eisenmann dann am Abend mit dem Schwung der 'Multi-Taskerin' die Ruhe stört. "Hast du das Paket noch weggebracht?" - "Nein" - "Hast du was zu Essen gemacht?" -"Nein" - "Ich hätte Lust auf Salat gehabt. Aber es ist keiner da." - "Hm", Gregor Eisenmann lächelt. Er kennt seine Frau. Sie liebt ihn trotzdem.Vor allem auch dafür, dass er ihr den Rücken für den Job freihält. Aber kann ein Hausmann auf Dauer attraktiv bleiben? Sie lacht: "Ja. Besonders für die Frauen auf dem Spielplatz!"

      Till Gothe ist seit sechs Jahren Vollzeitvater und Hausmann, er kümmert sich um zwei Mädchen, während seine Frau als Lehrerin das Familieneinkommen verdient. Der Rollentausch war von Anfang an so geplant, weil Till Gothe als Buchhändler nicht so viel verdient wie seine Frau und weil für Carina Gothe die Arbeit immer zu ihrem Leben gehörte. Nach so langer Zeit daheim fehlt ihm mehr und mehr der Austausch im Berufsleben, etwas für den Kopf. Doch im Prinzip findet er die Rollenverteilung gut. Und sie? "Ich hätte gedacht, dass ich anders bin", sagt Carina Gothe, doch dann musste sie feststellen, dass sie doch voll und ganz dem Mutterklischee entspricht. Das schlechte Gewissen, nicht immer für ihre Kinder da sein zu können, hat sie nie ganz losgelassen.

      So einfach scheint es nicht zu funktionieren - vor allem nicht für die Frauen. Während die Väter eine neue Welt für sich entdecken, können sich die Mütter nie ganz für eine entscheiden.

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      Dienstag, 22.11.11
      19:00 - 19:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

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