• 20.07.2010
      05:45 Uhr
      Ware Mensch Illegaler Eizellenhandel in Rumänien | ONE
       

      Weibliche Eizellen sind weltweit Mangelware. Die 'Lieferantinnen' dieses 'Humanrohstoffs' sind oft blutjung, ungebildet und arm. Das nutzen skrupellose Eizellenhändler vor allem in Osteuropa aus.

      Nacht von Montag auf Dienstag, 20.07.10
      05:45 - 06:15 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      Weibliche Eizellen sind weltweit Mangelware. Die 'Lieferantinnen' dieses 'Humanrohstoffs' sind oft blutjung, ungebildet und arm. Das nutzen skrupellose Eizellenhändler vor allem in Osteuropa aus.

       

      Stab und Besetzung

      Redaktionelle Zustaendigkeit Susanne Glass

      Es war der verzweifelte Wunsch: Endlich genug Geld zu haben für eine Wohnung, in der es wenigstens fließend Wasser gibt.
      Damit ist auch die Rumänin, die wir Adriana nennen wollen, zu einem leichten Opfer für die Ärzte-Mafia in Bukarest geworden. Die 27-Jährige lebt am Rande einer Plattenbausiedlung der rumänischen Hauptstadt. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann, den wir hier Nicu nennen. Ein Ehepaar mit viel Liebe füreinander, aber ohne Arbeit und Perspektive. Und mit einer Tochter, die es einmal besser haben soll.
      Mit ihren schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs würde Adriana ihrer Tochter niemals eine anständige Wohnung bieten können, das war ihr klar. Dann hört sie von einer Bekannten, dass Kliniken in Bukarest jungen Frauen Geld für Eizellen bezahlen.
      Angeblich leicht verdientes Geld. Ohne Quittung, versteht sich.
      Für nicht mal 200 Dollar bar auf die Hand ließ Adriana ihren Körper zwei Wochen mit Hormonen voll pumpen, damit er möglichst viele Ovozyten bildet, die dann unter Vollnarkose entnommen wurden. Vier Mal innerhalb nur eines Jahres hat sie diese Tortur über sich ergehen lassen.
      Dann bekam sie eine schwere Eierstockentzündung. Und das war erst der Beginn ihres Leidens. Was sie nicht wusste: Die Hormontherapie kann Krebs auslösen. Eine Hyperstimulation der Eierstöcke tödlich sein.
      Wir bereiten uns auf einen Dreh mit versteckter Kamera vor. Unter dem Vorwand, eine Freundin Adrianas zu sein, die auch Eizellen verkaufen will, ruft eine junge rumänische Journalistin unter der Nummer an. Wenige Tage später haben wir tatsächlich eine Verabredung mit der Frau, die auch Adriana kontaktiert hatte. Ein erstes Informationsgespräch in einem Einkaufszentrum. Unsere Kollegin wird angeblich von ihrem besorgten Freund begleitet, der in Wahrheit der Mann mit der versteckten Kamera ist.

      Die Frau, die pünktlich erscheint, stellt sich als Stefania vor. Krankenschwester, nicht unsympathisch. Sie beantwortet die Fragen ausführlich und ziemlich offen. Erzählt, dass sie schon viele Jahre in diesem Geschäft arbeite. Räumt gleich ein, dass die Spende gegen Geld in Rumänien nicht erlaubt sei. Ohne Bezahlung aber auch nicht verboten. Und wer könne schon beweisen, dass Geld geflossen ist?
      Unser zweiter Dreh mit versteckter Kamera. Stefania hat uns tatsächlich in ihre Wohnung geladen. Gemeinsam mit bereits erfahrenen und neu angeworbenen Eizellenspenderinnen. Die meisten sind Roma-Frauen, das heißt sie gehören zu den Ärmsten im Land. Alle sind sehr jung, kaum volljährig.
      Schließlich sollen die Frauen eine Erklärung unterschreiben: 'Ich werde meine Kinder niemals suchen.'
      Die kranke Adriana hat immerhin einen Rechtsanwalt gefunden, der sich bereit erklärt hat, sie in einem Zivilprozess gegen die Privatklinik, bei der sie damals gespendet hat, kostenlos zu vertreten.
      Am 19. Juli 2009 ist es soweit. Die Spezialeinheit ist am späten Abend gekommen.
      Mehr als 100 Mann. Die Säcke voller Beweismaterial, die sie hier zur Sonderstaatsanwaltschaft bringen, stammen aus der SABYC Klinik im Zentrum von Bukarest. Gerade diese Klinik hatte Eizellenhändlerin Stefania bei unseren Drehs mit versteckter Kamera mehrmals empfohlen.
      Die Verhöre von Ärzten und mutmaßlichen Spenderinnen dauern die ganze Nacht.
      Mehr als 30 Frauen hat die Polizei noch am Abend zu Hause abholen lassen. Und noch während sie vernommen werden, sickert nach draußen: Das Honorar für die Spenderinnen: Rund 200 Euro. Der Preis, den die Eizellen-Empfängerinnen an die Ärzte bezahlt haben: Zwischen 10.000 und 15.000 Euro.
      Stefania wurde bisher nicht festgenommen. Sie hat ja vor allem für Ärzte in Zypern gearbeitet. Dort ist die Eizellenspende gesetzlich nicht geregelt. Generell gilt: In einigen EU-Ländern ist sie verboten, in anderen erlaubt.

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      Nacht von Montag auf Dienstag, 20.07.10
      05:45 - 06:15 Uhr (30 Min.)
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