• 08.02.2010
      15:45 Uhr
      Irre Helden Ein Film von Tim Böhme | ONE
       

      Dass Horst sich zu seiner Krankheit bekennt, beweist wahren Heldenmut, denn wer sich als depressiv outet, der riskiert einiges: Ruf dahin, Freunde weg, Karriere futsch und, wenn es ganz schlimm kommt, ein Leben als Fremder in der eigenen Familie.

      Montag, 08.02.10
      15:45 - 16:40 Uhr (55 Min.)
      55 Min.
      Stereo

      Dass Horst sich zu seiner Krankheit bekennt, beweist wahren Heldenmut, denn wer sich als depressiv outet, der riskiert einiges: Ruf dahin, Freunde weg, Karriere futsch und, wenn es ganz schlimm kommt, ein Leben als Fremder in der eigenen Familie.

       

      Stab und Besetzung

      Redaktionelle Zustaendigkeit Tim Böhme

      'Über Depression spricht man nicht, man hat sie', erklärt Horst Mund, der früher als Gebäudemanager sein Geld verdiente und sich heute von der Gesellschaft als 'armer Irrer' abgestempelt sieht. Gegen diese Stigmatisierung will er sich wehren und beweisen, dass psychisch Kranke auch etwas leisten können. Dafür pilgert er gern jeden Montag die 17 Kilometer zum wichtigsten Termin der Woche: die Proben der Theatergruppe am ZIP in Kiel.
      Das ZIP (Zentrum für Integrative Psychiatrie) ist eine Nervenklinik, für die der Volksmund 'deftigere' Namen bereit hält. Die Theatergruppe dort hat sich zum Ziel gesetzt, das Tabuthema Depression schonungslos und mit Humor in die Öffentlichkeit zu tragen. Und es kann jeden treffen: Schätzungen zufolge hat ein Deutscher ein Risiko von immerhin 20 Prozent, einmal im Leben an einer Depression zu erkranken. So wie Horst stand auch der Handelsvertreter Winfried früher mitten im Leben und wurde durch seine Depression an den Rand der Gesellschaft gedrängt.
      Mit Theater hatte Winfried rein gar nichts am Hut. Nur einmal, vor ein paar Jahren auf einer Betriebsfeier, spielte er den Weihnachtsmann. Die Anerkennung, die er für seine Rolle als Knecht Ruprecht damals bekam, war für ihn ein kostbares Gut, und daran möchte er nun wieder anknüpfen. Winfried soll in der ZIP-Gruppe einen Psychologen spielen, der eine Putzfrau jähzornig anschreit. Doch Schreien bedeutet für Winfried Gewalt, deshalb kann und mag er es nicht tun. Eine echte Beschränkung für einen Schauspieler. Immerhin hat er es schon einmal geschafft, im Wald eine gewaltige Eiche anzubrüllen. 'Die hat ja auch keine Gefühle', meint der sensible Winfried lakonisch. Ob er es wirklich bis auf die Bühne schafft, da ist sich Winfried ganz und gar nicht sicher. Der Dokumentarfilmer Tim Böhme hat sich viel Zeit gelassen, um seine Protagonisten kennen zu lernen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Sein Film lebt von der Offenheit dieser 'irren Helden' und deren Bereitschaft, unverstellt und selbstbewusst über eine Krankheit zu sprechen, der die Öffentlichkeit seit dem Tod von Robert Enke mit mehr Verständnis begegnet.

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      Montag, 08.02.10
      15:45 - 16:40 Uhr (55 Min.)
      55 Min.
      Stereo

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