• 15.01.2014
      09:45 Uhr
      Kindheit unter Drogen - Annas Weg ins Leben Ein Film von Dorothee Kaden | ONE
       

      Mit neun trinkt sie den ersten Schnaps. Mit 17 will sie sich aus dem Drogensumpf herauskämpfen. Es soll ihre große Erfolgsgeschichte werden. Düster hatte Annas Leben begonnen: mit einem unberechenbaren Vater, der sie immer wieder demütigt und brutal schlägt, und mit einer schwachen Mutter, die ihrem Mann während seiner Prügelattacken nur die Bitte zuruft: 'Mach die Fenster zu und schlag sie nicht auf den Kopf!' Die Mutter tröstet sich mit Alkohol und Anna macht es ihr einfach nach. Nur im Rausch kann das Kind der brutalen Realität entfliehen. Mit Alkohol, Medikamenten und Drogen sucht es seine Seele zu schützen.

      Mittwoch, 15.01.14
      09:45 - 10:30 Uhr (45 Min.)
      45 Min.

      Mit neun trinkt sie den ersten Schnaps. Mit 17 will sie sich aus dem Drogensumpf herauskämpfen. Es soll ihre große Erfolgsgeschichte werden. Düster hatte Annas Leben begonnen: mit einem unberechenbaren Vater, der sie immer wieder demütigt und brutal schlägt, und mit einer schwachen Mutter, die ihrem Mann während seiner Prügelattacken nur die Bitte zuruft: 'Mach die Fenster zu und schlag sie nicht auf den Kopf!' Die Mutter tröstet sich mit Alkohol und Anna macht es ihr einfach nach. Nur im Rausch kann das Kind der brutalen Realität entfliehen. Mit Alkohol, Medikamenten und Drogen sucht es seine Seele zu schützen.

       

      Als Anna 20 ist, hat sie zwei Jahre Therapie hinter sich und ein neues Leben vor sich. Sie besitzt sogar einen Schulabschluss und ist so stolz auf ihren Erfolg, dass sie ihre Geschichte in die Kamera der Regisseurin Dorothee Kaden erzählt. Doch als der Film kurz vor der Vollendung steht, ist Anna verschwunden. Unbemerkt vom Filmteam, unbemerkt auch von ihren Freunden ist sie längst wieder zu den alten Verhaltensmustern zurückgekehrt. Sie versinkt erneut in die Drogenwelt.

      Vier Jahre später, 2012, nimmt Anna wieder Kontakt zu der Autorin auf. Will den alten Film sehen. Und schaut wie eine Fremde auf ihr eigenes Leben: Ihre Nöte und ihre Verzweiflung hatte jahrelang niemand bemerkt oder bemerken wollen. Weder Lehrer noch Ärzte, die ihr ohne weiter nachzufragen Schmerzmittel und Antidepressiva verschrieben. Die Fassade war nahezu perfekt: Der Vater promovierter Akademiker, die Mutter immer adrett gekleidet, und auch Anna wirkte nach außen stets nett und freundlich.

      Der Film zeigt Anna im Gespräch mit ihrer Mutter. Ein erschütternder Versuch zu begreifen, warum die Mutter sie damals nicht retten konnte. Erst die Mutter eines Schulfreundes schaute genauer hin. Sie nahm das Mädchen bei sich auf, als Annas eigene Mutter zu einer Kur reiste. Zwar blieb auch ihr verborgen, wie stark Anna damals schon in der Sucht steckte. Doch dass das Mädchen verzweifelt und unglücklich war, das merkte sie sehr deutlich. Anna war selbstmordgefährdet, so schätzte es die dreifache Mutter damals ein. Sie versuchte, das Jugendamt auf den Fall aufmerksam zu machen. Ohne Erfolg. Aber als Anna wieder zu Hause einziehen musste, hielt sie es gar nicht mehr aus. Sie fügte sich immer schwerere Selbstverletzungen zu und plante schließlich ihren Tod. Das brachte sie zeitweilig in die Kinderpsychiatrie, danach brauchte sie immer härtere Drogen.

      Jetzt ist Anna 24, älter, erwachsener, klüger. Wie sie heute lebt, wie sie auf ihre eigene Vergangenheit schaut, das erzählt der Film mitunter schonungslos, aber immer voller Respekt für die Lebensleistung einer jungen Frau, die als Kind ihr Leben nicht mehr lebenswert fand. Der Film von Dorothee Kaden arbeitet sich nicht an platten Schuldzuweisungen ab. Er ist ein Plädoyer dafür, genau hinzuschauen. Aufmerksamkeit auch da zu schenken, wo es unbequem wird und den eigenen Frieden stören könnte.

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      Mittwoch, 15.01.14
      09:45 - 10:30 Uhr (45 Min.)
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