• 14.11.2013
      12:30 Uhr
      Unter Bauern Fernsehfilm Deutschland 2009 | ONE
       

      Westfalen, 1943: Auf der Flucht vor der Deportation müssen sich der verarmte jüdische Pferdebauer Menne Spiegel mit seiner Frau Marga und der Tochter Karin verstecken. Um seine Familie zu retten, bringt ein alter Kriegskamerad Marga und Karin auf seinem Hof unter. Aus der Not heraus trennt sich die Familie. Eine lange Zeit des Wartens in ständiger Angst beginnt.

      Donnerstag, 14.11.13
      12:30 - 14:05 Uhr (95 Min.)
      95 Min.

      Westfalen, 1943: Auf der Flucht vor der Deportation müssen sich der verarmte jüdische Pferdebauer Menne Spiegel mit seiner Frau Marga und der Tochter Karin verstecken. Um seine Familie zu retten, bringt ein alter Kriegskamerad Marga und Karin auf seinem Hof unter. Aus der Not heraus trennt sich die Familie. Eine lange Zeit des Wartens in ständiger Angst beginnt.

       

      Stab und Besetzung

      Marga Spiegel Veronica Ferres
      Menne Spiegel Armin Rohde
      Karin Spiegel Luisa Mix
      Frau Aschoff Margarita Broich
      Herr Aschoff Martin Horn
      Anni Aschoff Lia Hoensbroech
      Klemens Aschoff Marlon Kittel
      Herr Pentrop Veit Stübner
      Frau Pentrop Nova Meierhenrich
      Erich Reimann Daniel Flieger
      Regie Ludi Boeken
      Drehbuch Otto Jägersberg, Imo Moszkowicz, Heidrun Schleef
      Kamera Daniel Schneor
      Musik Martin Meissonier

      Der einst wohlhabende, jüdische Pferdehändler Siegmund "Menne" Spiegel aus Ahlen soll mit seiner Frau Marga und seiner Tochter Karin in den Osten deportiert werden. Menne weiß, dass das den sicheren Tod für seine Familie bedeuten würde. Sein alter Kriegskamerad Aschoff bietet ihm Hilfe an: Er will Marga und Karin unter falschem Namen bei sich auf dem Hof verstecken. Während Mutter und Tochter wie versprochen bei den Aschoffs aufgenommen werden, hofft Menne selbst andernorts Unterschlupf zu finden. Bauer Pentrop bietet dem Flüchtling einen kleinen Verschlag auf seinem Hof an. Auf dem Anwesen der Aschoffs wissen nur der Bauer und seine Frau über die wahre Identität von Marga und ihrer Tochter Bescheid - alle anderen lernen die neuen Gäste unter dem Familiennamen Krone kennen.

      Die älteste Tochter Anni ist überzeugtes Mitglied des Bundes Deutscher Mädel und begegnet Frau Krone zunächst voller Skepsis, da die zuvor offensichtlich ein viel vornehmeres Leben geführt hat als ihre eigene Familie. Doch bei der gemeinsamen Arbeit auf dem Hof entwickelt sich zwischen den beiden Frauen allmählich eine tiefe Freundschaft. Als Marga eines Tages von der Wirtin im Ort erkannt wird und Anni die ganze Wahrheit über ihre neue Vertraute erfährt, wird sie vor eine schwere Entscheidung gestellt: Linientreue aus Prinzip oder Hochverrat zugunsten ihrer neuen Freundin. Marga will mit Karin abreisen und ein neues Versteck suchen, um die Aschoffs nicht weiter zu gefährden.

      Indessen muss sich Menne Spiegel in seinem Zufluchtsort ständig versteckt halten. Sein Gesicht ist stadtbekannt und jeder Schritt nach draußen wäre lebensgefährlich. Doch die Einsamkeit und die lange Zeit des Wartens in ständiger Angst treiben Menne allmählich in den Wahnsinn. Plötzlich schöpft der Hitlerjunge Erich, der bei Bauer Pentrop auf dem Hof lebt, Verdacht und alarmiert die Polizei.

      Das historische Drama "Unter Bauern - Retter in der Nacht" basiert auf den Erinnerungen der in Münster lebenden Marga Spiegel, die 1969 unter dem Titel "Retter in der Nacht" erschienen sind. Sie schildert in ihrem berührenden Bericht, wie couragierte Bauern im Münsterland von 1943 bis 1954 ihren Mann versteckten, sie selbst mit ihrer Tochter unter falschem Namen bei sich aufnahmen und so ihr Leben riskierten, um die Familie zwei Jahre lang zu schützen und erfolgreich vor der Deportation zu bewahren.

      Regisseur Ludi Boeken zeigt in "Unter Bauern - Retter in der Nacht" das kollektive Trauma des Holocaust von einer warmherzigen und versöhnlichen Seite. Gleichzeitig setzt er all den Bauern ein filmisches Denkmal, die sich auf ihre Art dem Nazi-Regime entgegengestellt haben und dafür in Yad Vashem verewigt wurden. Ausgesprochen spannend erzählt der Regisseur eine Geschichte über Freundschaft, Loyalität und Menschlichkeit.

      2009 erlebten Zuschauer die bewegende Weltpremiere von "Unter Bauern - Retter in der Nacht" auf dem 62. internationalen Filmfestival von Locarno. Im darauffolgenden Jahr gewann der Film den Freya-Stephan-Kühn-Preis. In der Begründung heißt es: "Dieser Film schärft das Bewusstsein für Menschenrechte, Toleranz und Gewaltfreiheit und fördert so das Geschichtsbewusstsein in der Gesellschaft". 2010 wurde der Film auf dem Internationalen Filmfest in Washington D.C. mit dem Signis Award ausgezeichnet und erhielt das Prädikat "Besonders wertvoll" von der Deutschen Film- und Medienbewertung. Die deutsch-französische Koproduktion eröffnete außerdem das Jüdische Filmfestival in New York und das 30. San Francisco Jewish Film Festival.

      Der Niederländer Ludi Boeken wurde für seine vielfältige Arbeit als Produzent, Regisseur und Autor bereits mehrfach ausgezeichnet. Unter seiner Regie entstanden unter anderem die Komödie "Britney, Baby, One More Time" (2003) und der Film "Deadlines" (2005). Das Drehbuch schrieb der aus Westfalen stammende Schriftsteller Otto Jägersberg ("Nette Leute"; "Die Pawlaks") in Zusammenarbeit mit Imo Moszkowicz, dem erfolgreichen Theater-, Film- und Fernsehregisseur und Überlebenden des Holocaust. Außerdem war Heidrun Schleef beteiligt, die auch für Nanni Morettis "Das Zimmer meines Sohnes" (Goldene Palme, Cannes 2001) das Drehbuch lieferte.

      In der Hauptrolle der Marga Spiegel überzeugt Veronica Ferres. In Solingen geboren, erhielt sie 1986 nach dem Studium in München eine wichtige Rolle in "Die zweite Heimat" (1992) von Edgar Reitz. Der große Durchbruch gelang der Schauspielerin 1992 in Helmut Dietls oscarnominierter Satire "Schtonk!". 1994 verpflichtete Hollywoodregisseur Marvin J. Chomsky Veronica Ferres für den Mehrteiler "Katharina, die Große". Seit ihren Erfolgen in "Das Superweib" (1995) von Sönke Wortmann und "Rossini" (1996) von Helmut Dietl gehört Veronica Ferres zu den populärsten Schauspielerinnen in Deutschland. Für ihre schauspielerischen Leistungen erhielt sie 2002 den Adolf-Grimme-Preis in Gold, den Bayerischen Fernsehpreis sowie die Romy für die beliebteste Schauspielerin des Jahres in Österreich. Für ihre Rollen in "Annas Heimkehr" (2003, Regie: Xaver Schwarzenberger), "Für immer verloren" (2003, Regie: Uwe Janson) und "Stärker als der Tod" (2004, Regie: Nikolaus Leytner) wurde sie mit dem Bayerischen Fernsehpreis 2004 als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Auch mit dem preisgekrönten, von ARTE koproduzierten "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" (2001) feierte sie Erfolge. Veronica Ferres trat auch in "Neger, Neger, Schornsteinfeger" (2006, Regie: Jörg Grünler), "Die Frau vom Checkpoint Charlie" (2007, Regie: Miguel Alexandre), "Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected" (2009, Regie: Paul Schrader) und "Das Leben ist zu lang" (2010, Regie: Dani Levy) auf. 2013 wird sie in "Rubinrot" von Regisseur Felix Fuchssteiner zu sehen sein.

      Armin Rohde spielt den jüdischen Pferdebauern Menne Spiegel. Der in Gladbeck geborene Schauspieler gehört zweifelsohne zu den bekanntesten Gesichtern des neuen deutschen Films seit Anfang der 90er Jahre. In der erfolgreichen Kino-Produktion "Kleine Haie" von Sönke Wortmann verkörperte er 1991 die Figur des Autofahrers und späteren Patenonkels "Bierchen", und an der Seite von Jürgen Vogel erlangte er als schwuler Metzger in "Der bewegte Mann" (1994) Kinobekanntheit. An Vogels Seite trat Rohde auch in dem Film "Das Leben ist eine Baustelle" (1995, Regie: Wolfgang Becker und Tom Tykwer) auf und mimte den bedeutenden deutschen Schauspieler Emil Jannings in "Marlene" (1999, Regie: Joseph Vilsmaier). Für seine Leistungen als bester Charakterschauspieler wurde er 2000 mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet und 2003 neben Heike Makatsch, Heino Ferch, Jan Josef Liefers und Nadja Uhl für "Das Wunder von Lengede" von Kaspar Heidelbach mit dem Bambi geehrt. Rohde spielte außerdem an der Seite von Oscarpreisträger Christoph Waltz in "Das Gespenst von Canterville" (2005). Zuletzt überzeugte er als Räuber Hotzenplotz (2006) im gleichnamigen Film unter der Regie von Gernot Roll, sowie in "Keinohrhasen" (2007, Regie: Til Schweiger), "Jud Süß - Film ohne Gewissen" (2010, Regie: Oskar Roehler) und "Contagion" (2011) von Steven Soderbergh. 2012 spielte er in der deutschen Filmkomödie "Ausgerechnet Sibirien" von Ralf Huettner.

      Margarita Broich verkörpert die Rolle der Frau Aschoff. Broich wurde 1960 im Westerwald geboren und wuchs in einem Kloster auf. Sie studierte zunächst Fotodesign an der Fachhochschule Dortmund und arbeitete zwei Jahre als Theaterfotografin mit Claus Peymann in Bochum, bevor sie in den Jahren 1984 bis 1987 Schauspiel an der Hochschule der Künste in Berlin studierte. Sie arbeitete am Theater unter anderem mit Größen wie Einar Schleef, Heiner Müller, George Tabori, Robert Wilson und Christoph Schlingensief zusammen. Zwischen 1991 und 2002 war sie ständiges Mitglied des Berliner Ensembles. Sie spielte Hauptrollen in "Mein Kind muss leben" (1998, Diethard Klante) und "Vier Fenster" (2006, Christian Moris Müller). 2008 war sie in Brigitte Berteles Debüt "Nacht vor Augen" und in "Der Vorleser" von Stephen Daldry an der Seite von Kate Winslet zu sehen. Zuletzt spielte sie in Jo Baiers "Die Heimkehrer" (2012), der ersten deutschen Verfilmung eines Werks von Hermann Hesse. Sie wird in Benjamin Heisenbergs im Dreh befindlichen neuen Film "Über ich und du" zu sehen sein.

      Wird geladen...
      Donnerstag, 14.11.13
      12:30 - 14:05 Uhr (95 Min.)
      95 Min.

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 05.10.2022