• 11.05.2013
      20:15 Uhr
      Spur des Feuers tagesschau24
       

      'Übergebt alles Undeutsche dem Feuer ...' - das war der Schlachtruf, der über den Bücherverbrennungen der Nazis im Frühjahr 1933 stand. Diese Aktion, die von März bis zum August 1933 in fast 20 deutschen Städten stattfand, war der Auftakt zu der von Hitler bei seinem Machtantritt im Januar 1933 angekündigten 'Säuberung' Deutschlands. Die Werke zahlreicher Autoren landeten auf dem Scheiterhaufen der Weltliteratur. Die größte Aktion dieser Art fand am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz statt und wurde per Rundfunk live in ganz Deutschland übertragen.

      Samstag, 11.05.13
      20:15 - 21:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      'Übergebt alles Undeutsche dem Feuer ...' - das war der Schlachtruf, der über den Bücherverbrennungen der Nazis im Frühjahr 1933 stand. Diese Aktion, die von März bis zum August 1933 in fast 20 deutschen Städten stattfand, war der Auftakt zu der von Hitler bei seinem Machtantritt im Januar 1933 angekündigten 'Säuberung' Deutschlands. Die Werke zahlreicher Autoren landeten auf dem Scheiterhaufen der Weltliteratur. Die größte Aktion dieser Art fand am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz statt und wurde per Rundfunk live in ganz Deutschland übertragen.

       

      Als Adolf Hitler im Januar 1933 die Macht übernahm, versprach er den Deutschen, das Land zu "säubern". Nur wenige Wochen später begann die verheerende Umsetzung in den Bibliotheken. Am 2. April 1933 beschloss die Deutsche Studentenschaft eine symbolträchtige Aktion, "die öffentliche Verbrennung jüdischer zersetzender Schriften an den Hochschulorten des Reichsgebietes". In einem vierseitigen Maßnahmeplan wurde detailliert die symbolische Vernichtung der Werke einer ganzen Generation deutscher Schriftsteller besiegelt.

      Vielen ist heute nicht mehr bewusst, dass die Bücherverbrennung nicht als einmaliger Akt in Berlin stattfand, sondern in mehr als 20 Städten und über mehrere Monate hinweg. Bereits am 26. März hatte ein Lehrer namens Engel in Kaiserslautern - ohne ausdrücklichen Befehl - sieben Exemplare von Erich Maria Remarques Buch "Im Westen nichts Neues" aus der Stadtbibliothek verbrannt. Am 10. Mai 1933 schließlich brannten in Berlin und in 17 anderen deutschen Universitätsstädten die Scheiterhaufen der Weltliteratur. Da es an diesem Tag in einigen Teilen Deutschlands zu schweren Regenfällen kam, musste mancherorts die Aktion verschoben werden, so dass es bis zum 19. Mai zu acht weiteren Bücherverbrennungen kam. Die letzte Aktion fand am 26. August in Jena statt. Und nach dem sogenannten "Anschluss" holten Österreicher das Versäumte nach. In Salzburg tat sich der NS-Lehrerbund mit einer Bücherverbrennung am 30. April 1938 auf dem Residenzplatz hervor.

      Bei der spektakulärsten Aktion dieser Art versammelten sich am 10. Mai 1933 in Berlin 70.000 Schaulustige. Der Zug von Professoren, NS-Studenten, Verbänden der SA und der SS, der Burschenschaften und Hitlerjugend führte durchs Brandenburger Tor über den Boulevard Unter den Linden zum Opernplatz, dem heutigen Gendarmenmarkt. Im Schein der Flammen wurden die vorher festgelegten Feuersprüche verkündet und per Radioreportage live ins Deutsche Reich übertragen: "Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Marx, Sigmund Freud, Alfred Kerr, die Schriften von Tucholsky und Ossietzky, Heinrich Mann und Erich Kästner ..."

      An diesem Abend notiert Joseph Goebbels in seinem Tagebuch: "... dann, am späten Abend Rede Opernplatz. Vor dem Scheiterhaufen der von Studenten entbrannten Schmutz- und Schundbücher. Ich bin in bester Form. Riesenauflauf. Zu Hause. Müde Bett. Herrlicher Sommer beginnt heute draußen." Mehr als hundert Jahre vor den Scheiterhaufen von 1933 schrieb der deutsche Schriftsteller Heinrich Heine: "Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen." - Er sollte auf furchtbare Weise Recht behalten.

      Thema: 80. Jahrestag der Bücherverbrennung

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