• 20.11.2011
      20:15 Uhr
      Herzversagen - Erfolgsgeschichte der Medizin Thema: Die großen Volkskrankheiten | tagesschau24
       

      Herz-Kreislauferkrankungen sind in Deutschland die häufigste Todesursache - obwohl die Herzmedizin in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht hat. Vor allem die Überlebensrate nach Herzinfarkten ist drastisch gestiegen.

      Sonntag, 20.11.11
      20:15 - 21:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Herz-Kreislauferkrankungen sind in Deutschland die häufigste Todesursache - obwohl die Herzmedizin in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht hat. Vor allem die Überlebensrate nach Herzinfarkten ist drastisch gestiegen.

       

      Doch von den Erfolgen bei der Behandlung eines Herzinfarkts profitieren vor allem Männer - und weniger die Frauen. Während bei den Männern die Todesrate durch Herz-Kreislauferkrankungen kontinuierlich abnimmt, steigt sie bei Frauen zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr sogar.

      Der Grund: Frauen wie die 53-jährige Brigitte M. haben andere Symptome als Männer bei einem Infarkt und denken deshalb zunächst an andere Krankheiten. "Für mich war das eher ein Bandscheibenvorfall oder ein Magengeschwür." Sie ruft keinen Notarzt und landet erst nach 15 Stunden in der Freiburger Uni-Klinik. Dort werden ihre verstopften Herzkranzgefäße in wenigen Minuten wieder geöffnet. Andere haben weniger Glück: Frauen sterben doppelt so häufig an ihrem ersten Herzinfarkt wie Männer. Brigitte M. ist fürs erste gerettet, aber durch die verspätete Behandlung ist das Risiko von Spätfolgen enorm gestiegen.

      Ist das Herz einmal angegriffen, schreitet die Erkrankung immer weiter fort. Sechs Jahre wartete Heinz-Uwe T. vergeblich auf ein neues Herz für eine Transplantation. Schließlich bekommt er ein Kunstherz. "Ohne das wäre ich jetzt tot", sagt Heinz-Uwe T. Doch die Einschränkungen, unter denen er für den Rest seines Lebens leiden wird, sind enorm. Ein Kabel tritt aus seinem Körper aus und verbindet das künstliche Herz mit einer Batterietasche. Infektionen sind eine ständige Gefahr. Und dennoch ist er froh über jeden Tag, den er noch lebt.

      Die Herzmedizin droht an ihren Erfolgen zu ersticken: In den nächsten Jahrzehnten kommen so viele ältere herzkranke Patienten auf das Gesundheitssystem zu wie noch nie zuvor. "Auch Hundertjährige werden bald keine Seltenheit mehr sein", prophezeit Prof. Friedhelm Beyersdorf, Direktor des Zentrums für Herz- und Gefäßchirurgie der Uniklinik Freiburg. Und mit dem Alter der Patienten schnellen auch die Kosten in die Höhe.

      Hans B. ist 94 Jahre alt. Noch immer steuert er Sportflugzeuge - seit 80 Jahren ist das Fliegen seine große Leidenschaft. Er braucht dringend eine neue Herzklappe, ist aber unsicher, ob er das Risiko einer OP in seinem Alter noch auf sich nehmen soll. Weil die klassische Operation am offenen Herzen in seinem Alter zu gefährlich ist, könnte die Herzklappe mit einem Katheter implantiert werden. Für jüngere Patienten ist das kein geeignetes Verfahren, denn niemand weiß, wie lange die neuartigen Klappen halten. Fest steht, dass der Eingriff mit rund 35.000 Euro mehr als doppelt so teuer ist wie eine klassische Operation. Noch zahlen die Krankenkassen unabhängig vom Alter der Patienten, aber die Debatte, wie lange sich die Gesellschaft die explodierenden Kosten leisten kann, hat begonnen: Soll es Altersgrenzen für bestimmte Eingriffe geben? Wie viel darf es kosten, ein Leben zu retten?

      Der Film verfolgt das Schicksal von Herzpatienten und ihren Ärzten am Herzzentrum der Uniklinik Freiburg. Wir begleiten Patienten in den OP-Saal und erleben, was es bedeutet, wenn das Herz schlapp macht. Der Film zeigt die enormen Fortschritte der modernen Herzmedizin und fragt nach den Grenzen des Machbaren.

      Ein Film von Claudia Ruby

      Wird geladen...
      Sonntag, 20.11.11
      20:15 - 21:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 29.09.2022