• 06.11.2011
      02:05 Uhr
      Meine Kindheit ... im Ruhrgebiet tagesschau24
       

      Geschichten aus ihrer Kindheit im Ruhrgebiet, von Fußball mit Blechdosen, Suppe aus Kartoffelschalen, Trümmerfeldern und Streit um "langen Mähnen" erzählen diesmal Siegfried Börger, Willi Reiz, Dieter Ebel und der Schauspieler Ralf Richter.

      Nacht von Samstag auf Sonntag, 06.11.11
      02:05 - 02:50 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      VPS 02:00
      Stereo

      Geschichten aus ihrer Kindheit im Ruhrgebiet, von Fußball mit Blechdosen, Suppe aus Kartoffelschalen, Trümmerfeldern und Streit um "langen Mähnen" erzählen diesmal Siegfried Börger, Willi Reiz, Dieter Ebel und der Schauspieler Ralf Richter.

       

      "Wer damals nach dem Krieg einen Fußball hatte, der hatte 20 Freunde. Heute haben 20 Jungens jeder einen Fußball, aber keiner hat einen Freund." So sieht es Siegfried Börger, der 1938 in Bochum geboren wurde. Zur Not spielte er damals auch mit einer Blechdose auf der Straße. Spielzeug war Mangelware, auch noch in den 50er-Jahren. Siegfried war noch klein, als im November 1944 die Bomben der Alliierten fielen und Bochum in Schutt und Asche legten, doch er kann sich noch heute an die angstvollen Stunden im Bunker erinnern. Zum Glück kam sein Vater bereits 1945 aus französischer Gefangenschaft zurück. Dann ging auch bald der Wiederaufbau los. Die Väter griffen zu Schippe und Spitzhacke, die Mütter kochten Suppe aus Kartoffelschalen und Schweineschwarte. Wenn die Eltern nicht aufpassten, spielten Siegfried und seine Kumpels in Bombertrichtern oder hantierten mit gefundener Kriegsmunition. Wenn sich Leute aus dem Revier an diese Zeit erinnern, erzählen sie auch von Zusammenhalt und Solidarität. Siegfried Börger berichtet von seiner Schulfreundin, einer Bauerstochter. War er auf ihrem Hof in der Nachbarschaft zu Besuch, kriegte er schon mal einen Löffel in die Hand gedrückt und durfte mitessen, wenn die Pfanne mit den Bratkartoffeln auf den Tisch kam. "Da war richtig was drin", bestätigt sein Freund Willi Reiz mit leuchtenden Augen. Bewegt erzählen beide aus ihrem Leben, und wenn die Erinnerungen manchmal nicht mehr so ganz übereinstimmen, wird vor laufender Kamera auch herzhaft gestritten. Eine etwas andere Kindheit erlebte Dieter Ebel, der 1957 in Duisburg geboren wurde. Er kennt die Nachkriegszeit nur noch aus den Erzählungen der Eltern. Für ihn war das Behelfsheim, in dem er aufwuchs, der schönste Platz auf Erden - außer wenn die Mutter am Samstag in der Küche zwei Stühle zusammenschob und die große Zinkwanne draufstellte. Hatte der kleine Dieter Glück, durfte er als erster hinein. Der Bochumer Schauspieler Ralf Richter, Jahrgang 1960, wuchs mit sieben Geschwistern auf. Nach Kräften terrorisierten sie ihren Vater, einen erfolgreichen Architekten des Wiederaufbaus. Auch die arme Mutter konnte sich kaum gegen die "Richter-Bande" wehren. Sonntags, wenn mal alle Kinder zusammen waren, gab es dann regelmäßig eine Standpauke. Richter machte später eine Schreinerlehre, wobei ihm eher der Sinn nach dem Herstellen von Haschpfeifen als dem von Fenstern stand. Schauspielerei und wilde Nächte in Bochums legendärer Szenekneipe "Der Punkt" folgten. In den 70er-Jahren wurden nicht nur seine Haare länger, auch Dieter Ebel erzählt von dem Ärger, den er hatte, als sein Chef im Postamt von ihm verlangte, die schulterlange Mähne abzuschneiden. Alles das sind Geschichten aus einer vitalen Region, die oft vom Schicksal gebeutelt wurde. Von ihren Kindertagen erzählen Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber eins gemeinsam haben - ihre Liebe zum Revier.

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      Nacht von Samstag auf Sonntag, 06.11.11
      02:05 - 02:50 Uhr (45 Min.)
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