• 06.10.2017
      09:30 Uhr
      ZAPP Das Medienmagazin | tagesschau24
       

      Themen:

      • Wiedervereinigte Medienrepublik: Was eint, was trennt?
      • Nur "rechts"? Medienklischees über den Osten
      • Programm für alle: Zuschauerbindung beim MDR
      • Kampf um die Deutungshoheit: Nachrichten vor 1990
      • Im Gespräch: Sergej Lochthofen, Publizist und ehemaliger

      Chefredakteur "Thüringer Allgemeine"

      Moderation: Constantin Schreiber

      Freitag, 06.10.17
      09:30 - 10:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.

      Themen:

      • Wiedervereinigte Medienrepublik: Was eint, was trennt?
      • Nur "rechts"? Medienklischees über den Osten
      • Programm für alle: Zuschauerbindung beim MDR
      • Kampf um die Deutungshoheit: Nachrichten vor 1990
      • Im Gespräch: Sergej Lochthofen, Publizist und ehemaliger

      Chefredakteur "Thüringer Allgemeine"

      Moderation: Constantin Schreiber

       

      Ein Zeitungsstand in Chemnitz zwei Tage nach der Bundestagswahl. Die Schlagzeilen der ausliegenden Zeitungen aus allen Winkeln der Republik sind eindeutig: "Ein ganzes Bundesland wählt rechts", steht da. Die Rede ist von der "späten Rache der Ossis". Die Wählergruppe wird als "ostdeutsch, männlich, unzufrieden" beschrieben. Pauschalisierungen, die bei vielen Chemnitzern auf Ablehnung stoßen. Der Chefredakteur der Chemnitzer "Freien Presse", Torsten Kleditzsch, attestiert vielen Kollegen aus dem Westen "Helikopterjournalismus" und erklärt im Interview mit ZAPP die Folgen dieser Arbeitsweise: "Im Grunde haben drei Themen interessiert: Stasi, Doping und Nazis", sagt er. "Es wurde ganz lange damit umgegangen, dass man wie ein Helikopter hier eingeflogen ist, seine Meinung mitgebracht hat und dafür dann nur die Belege gesucht hat. Da war nie alles falsch in der Berichterstattung, aber es war meistens überspitzt und schon gar nicht umfänglich."

      • Aufmerksamkeit gewachsen

      Inzwischen beobachtet Kleditzsch allerdings eine Besserung, besonders nach den Ereignissen in der Kölner Silvesternacht. "Als ich Ende 2015 bei Kollegen in Stuttgart war und erzählte, welche Stimmung hier [im Osten] herrscht, wie sich auch Reporter von uns auf Demonstrationen teilweise verteidigen mussten, da haben sie mich noch mit großen Augen angeguckt. Das hat sich dann alles geändert nach der Silvesternacht in Köln, da wurden die Aufmerksamkeit und auch die Betroffenheit im Westen größer. Bis dahin waren das alles so Geschichten aus der ostdeutschen Provinz, die man zur Unterhaltung gern mal aufgenommen, aber dann doch nicht wirklich ernst genommen hat."

      • MDR: Spitzenreiter unter den dritten Programmen

      Die Bürger ernst nehmen, das gehört auch beim Mitteldeutschen Rundfunk zum Markenkern. Ein Programm für alle - vom Schlager bis hin zum Datenjournalismus und das ergänzend zum Ersten - will der MDR bieten. Und damit ist er sehr erfolgreich: Das Regionalprogramm ist unter den Dritten Programmen regelmäßig Spitzenreiter. Prägend: die ostdeutsche Perspektive. "Wenn was los ist, wenn was passiert, kulturell auch im Bereich Unterhaltung, Entertainment, dann bilden wir das auch ab und versuchen dabei zu sein. Aber immer in dem Blick zu zeigen, was das Land bewegt - weil wir halt auch die einzigen Anbieter sind. Es gibt kein zweites Mitteldeutsches Fernsehen. Wenn wir es nicht machen, dann macht‘s halt keiner", sagt Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi zu ZAPP.

      • Klare Strategie bei politischer Berichterstattung

      Bei der politischen Berichterstattung hat der MDR eine klare Strategie: "Man muss den Leuten auch selbst die Chance geben, selbst zu beurteilen und zu bewerten und sich selbst eine Meinung zu bilden. Was die Leute überhaupt nicht mögen hier ist, wenn man ihnen die Meinung gleich mitgibt." Praktisch heißt das: Die Journalisten des MDR verzichten im Gegensatz zu vielen Kollegen in den neuen Ländern darauf, die AfD konsequent als "rechtspopulistische" Partei einzuordnen. Außerdem lässt der Sender, gerade etwa am Wahlabend, lange umstrittene Wahlsieger wie Björn Höcke, Andre Poggenburg und Frauke Petry praktisch ungefiltert reden.

      • Erfahrung mit gesteuerten Medien

      Sowohl die "Freie Presse" in Chemnitz als auch der MDR erreichen nicht alle Menschen. 2015 wurde die Lokalredaktion der "Freien Presse" in Glauchau mit Ziegelsteinen attackiert. Reporter und Teams des MDR gehen bis heute nur noch mit Begleitschutz zu Versammlungen von Pegida und anderen Veranstaltungen, wo sie mit verbalen und sogar tätlichen Angriffen rechnen müssen. Sie werden als Vertreter des etablierten Systems wahrgenommen, denen irgendjemand "von oben" die Feder führt. Kein Wunder: Viele Menschen im Verbreitungs- und Sendegebiet haben jahrzehntelang erleben müssen, dass "ihre" Medien tatsächlich vom Machtapparat gesteuert wurde, dass die "Aktuelle Kamera" und auch DDR-Zeitungen die Entwicklungen vor der eigenen Haustür beschönigten.

      • Medien stehen in der Mitverantwortung

      So od

      er so: Der Publizist und frühere Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen", Sergej Lochthofen, sieht beim Erfolg von Pegida und AfD auch die Medien in der Mitverantwortung. Die Journalisten hätten beide Phänomene viel zu hysterisch begleitet. Jetzt sei es an der Zeit, genau zu überlegen, wann man welche Ereignisse in der Berichterstattung aufnimmt und an welcher Position man darüber berichtet. Nicht jeder AfD-Aufreger gehöre auf die Titelseite, rät Lochthofen.

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      09:30 - 10:00 Uhr (30 Min.)
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