• 05.03.2012
      16:00 Uhr
      alpha-Campus DOKU Nichts wie weg - Welche Zukunft hat das Land? | ARD-alpha
       

      Für Städter ist "das Land" ein Traum - ihre Freizeit verbringen sie immer häufiger in ländlichen Gebieten, z.B. beim Wandern und Ausspannen in der Natur. Gleichzeitig verlassen immer mehr Menschen "ihre Dörfer" und ziehen in die Stadt.

      Montag, 05.03.12
      16:00 - 16:30 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      Für Städter ist "das Land" ein Traum - ihre Freizeit verbringen sie immer häufiger in ländlichen Gebieten, z.B. beim Wandern und Ausspannen in der Natur. Gleichzeitig verlassen immer mehr Menschen "ihre Dörfer" und ziehen in die Stadt.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Corinna Benning

      Auch der aktuelle Zukunftsbericht für Bayern schlägt in diese Kerbe: Er empfiehlt die Metropolregionen und großen Städte in Bayern zu fördern, kleine Städte und ländliche Regionen sehen sich deshalb als die "großen Verlierer", wenn es um ihre Zukunftsperspektiven geht. Bayern zwischen Landlust und Landflucht - Campus DOKU fragt nach: Wie kann das Miteinander von ländlicher Entwicklung und Förderung wachsender Metropolen gelingen? Wie können wissenschaftliche Erkenntnisse helfen, Stadt und Land gerecht zu werden?

      Fest steht: Die Kluft zwischen Stadt und Land wächst in Bayern, die drängende Frage, auch aufgrund des demographischen Wandels, lautet: Wie verändert sich Bayern, wenn immer mehr Menschen aus ländlichen Gebieten wegziehen? Gibt das ehemalige Agrarland seine Dörfer so allmählich auf? Werden sie nur noch als "Freizeitoasen" für erholungsbedürftige Städter erhalten bleiben? Ökonomische Aspekte der Verteilungsgerechtigkeit, der gesellschaftlichen Chancengleichheit und der kulturellen Vielfalt rücken in den Blick der Wissenschaft. Welche Chance hat das traditionelle Bekenntnis zur Region, wenn Unternehmen ihre Wirtschaftskraft in Ballungsräumen zentrieren?

      Eine Ursache des Stadt-Land-Konflikts ist die Konzentration auf wenige, große Agrarbetriebe. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft, die Bayern bislang prägte, verliert durch diese Entwicklung an Boden: Hans und Herta Klostermeier z.B. haben ihren Waldhauserhof am Starnberger See der neuen Zeit angepasst: Statt Milchkuhhaltung setzen sie inzwischen auf seltene Nutztierrassen und Feriengäste. Urlaub auf dem Bauernhof ist seit Jahren ein Erfolgsmodell auf bayerischen Dörfern.
      Doch trotz Tourismus: viele junge Menschen finden in ihrer Heimat keine Arbeit. Besonders wenn dort auch noch traditionelle Industrien weg brechen: Das trifft besonders Oberpfalz, Fichtelgebirge und den Bayerischen Wald. Ohne starke regionale Arbeitgeber vor Ort findet vor allem die "Generation Praktikum" eine berufliche Zukunft vor allem in der Stadt.

      Anfang 2011 hatte der Zukunftsrat der bayerischen Politik empfohlen, statt vieler, bislang wenig wirkungsvoller und teurer Förderprogramme auf dem Land, gleich die wirtschaftlich starken Metropolregionen München und Nürnberg weiter zu entwickeln und die Regionen besser anzubinden, damit die Menschen zwischen Dorf und Arbeit in der Stadt besser pendeln können.

      Stadt-Land-Flucht: Nichts wie weg?
      München boomt, Metropolregionen wie Ingolstadt wachsen, gleichzeitig stirbt das Land zunehmend aus: die Landwirtschaft ernährt immer weniger Familien, die Dörfer, die ländliche Kulturlandschaft in Bayern verändern sich. Wandern zu viele junge Menschen ab, schließen Schulen, Geschäfte und Arztpraxen. Lässt sich diese gesellschaftliche Entwicklung noch stoppen? Welche Zukunft erwartet die Großstädte, wenn immer mehr Menschen sich dort ansiedeln? Anonyme Großstädte, mit schicken Innenstadtlagen für kinderlose Reiche, Stadtteile am Rand für sozial schwache Gruppen und Freizeitparadiese im Grünen für das Wochenende - sind das die Konsequenzen dieser Entwicklung? Wissenschaftler, Politiker und die Bevölkerung sind in Sorge, dass solche Gefahren drohen, wenn nicht vorab klug gegengesteuert wird. Aber welche Ergebnisse der Forschung helfen dabei und wie können sie helfen, den "Konflikt Stadt-Land" zu lösen?

      Zwischen Landfrust und Heimatliebe
      Franz Himpsel aus der Region Grafenau macht in München ein Praktikum, seine Schulfreundin Sarah Schießl promoviert in Gießen. Aber sie geben ihre Heimat nicht auf. Ihr Verein Knospe. e.V. will Kultur und Wissenschaft in den Bayerischen Wald holen: unterstützt vom Technologiecampus Freyung organisieren sie jetzt die erste naturwissenschaftliche Sommerakademie in Grafenau. Iris Leichtle aus Kempten musste gar nicht erst fort, um Karriere mittels einer Zukunftstechnologie zu machen: das Projekt eE-Tours im Allgäu fördert Elektromobilität in ihrer Region, nach ihrer Diplomarbeit hat sie beste Aussichten bei örtlichen Unternehmen.
      Es sind Menschen, die ihre Heimat lieben und gestalten wollen, die bayerischen Regionen eine Zukunft geben. Wie der Holzbauer Josef Ambros aus Hopferau: er gestaltet klimaneutrale hochmoderne Holzhäuser für seine Region. Ein Aufbruch in die Moderne, genauso wie alternative Energien. Der wird unterstützt von Wissenschaftlern wie dem international renommierten Land- und Dorfentwickler Holger Magel von der Technischen Universität München und dem Geologen Alexander Veser von der Hochschule München.

      Sie analysieren das teils drastische Ausbluten und Überaltern der Dörfer nicht nur: Ziel ihrer praxisnahen Forschung ist es, durch Programme wie "Dorferneuerung 2020" oder das internationale Projekt Demochange vom Alpenforschungsinstitut, Gemeinden auf dem Land eine reelle Perspektive zu geben.

      Landlust siegt über Landfrust
      Zur neuen Chance für das Land wird dabei der Zuzug neuer Dorfbewohner: Stadtflüchtlinge wie Sabine Severin investieren in alte Gebäude, verhindern so Leerstand und bereichern mit ihrer Landlust das Dorfleben. Das Ideal von einem ganzheitlichen Leben, in schöner Umgebung zählt die Soziologin Christa Müller zu den großen Sehnsüchten der Stadtbevölkerung. Sie interessiert sich für einen neuen Trend: Sebastien Godon ist Aktivist bei Green-City, einer jungen Gartenbwegung mitten in der Stadt. Besonders junge Menschen erfüllen sich ihre Landliebe jetzt direkt vor ihrer Haustüre und bepflanzen vernachlässigte Grünflächen neu.
      Eine aktive junge Generation will den Trend: "Nichts wie weg" stoppen und teilt ihre Vision mit den Forschern, die Abwanderung und das weitere Ausdehnen des Speckgürtels um die Metropolen bremsen wollen. Statt Leerstand und Flächenfrass gilt es das Dorfleben als Kulturgut zu erhalten und Zukunft vor Ort zu gestalten.

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      Montag, 05.03.12
      16:00 - 16:30 Uhr (30 Min.)
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