• 14.01.2012
      11:00 Uhr
      alpha-Campus Das Netz weiß alles - Mit Highspeed in die totale Überwachung? | ARD alpha
       

      Permanente, weltumspannende Kommunikation ist selbstverständlich geworden. Doch mit jedem Klick und jedem Anruf hinterlassen wir Spuren - Daten, die gespeichert werden. Was weiß das Netz über uns?

      Samstag, 14.01.12
      11:00 - 11:30 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      Permanente, weltumspannende Kommunikation ist selbstverständlich geworden. Doch mit jedem Klick und jedem Anruf hinterlassen wir Spuren - Daten, die gespeichert werden. Was weiß das Netz über uns?

       

      Macht uns die digitale Technik vollkommen gläsern?

      Handys verraten unseren Aufenthaltsort, nicht nur wenn wir GPS eingeschaltet haben. Die Mobilfunkantenne in nächster Nähe, mit der unser Handy kommuniziert, gibt jederzeit Aufschluss über unseren Standort. Server speichern, auf welche Seiten wir klicken, was wir uns anschauen, mit wem wir mailen, chatten oder anderweitig kommunizieren. So viele Vorteile das Netz auch mit sich bringt, der Preis der vernetzten Welt ist ein Verlust an Privatheit - und die Konsequenzen dieser Entwicklung sind heute noch gar nicht abzuschätzen.

      Campus Doku geht der Frage nach, welche Risiken die vernetzte Welt für den Einzelnen mit sich bringt und was eigentlich geschieht, wenn wir im Netz unterwegs sind.

      Das Interesse der Wirtschaft an unseren Daten
      Onlinedienstleister wie Facebook oder Google leben von unseren Spuren im Netz. Mit jedem Besuch auf ihren Seiten lernen sie den Nutzer besser kennen - und verfolgen ihn selbst dann, wenn er auf Seiten anderer Anbieter wechselt. Die Daten, die dabei anfallen, werden automatisch per Software ausgewertet. So gewinnen Onlinedienstleister ein immer detaillierteres Bild unserer persönlichen Vorlieben und Interessen - zum Verkauf an die Werbewirtschaft, die damit genau auf unsere Bedürfnisse gezielte Anzeigen schalten kann.

      Die wenigsten Internetnutzer wissen, auf was sie sich einlassen, wenn sie im Netz surfen oder an sozialen Netzwerken teilnehmen. Etwa dass sie als Facebook-Mitglieder alle Rechte an ihren privaten Daten - Texten, Fotos und Videos - kostenlos abgeben, steht - wie vieles andere - in den Seiten langen und kaum verständlichen AGBs, die die allerwenigsten zur Kenntnis nehmen.

      Datensparsamkeit
      Angesichts der rasanten Entwicklung der digitalen Technik und ihrer Möglichkeiten sind Datenschützer oft auf verlorenem Posten. Konzernen wie Facebook oder Google, die global agieren, ist mit deutschem oder europäischem Datenschutzrecht ohnehin kaum beizukommen. Zumal die Nutzer ihre Daten ja preisgeben wollen und sich in der Regel keine Gedanken machen, was das für Folgen hat.

      Lilafisch" studiert Elektrotechnik und ist Mitglied im "Chaos Computer Club", der sich für Datenschutz und den Erhalt der Privatsphäre einsetzt. Die junge Hackerin weiß: Je mehr Daten wir im Netz in Umlauf bringen, umso mehr machen wir letztlich von uns öffentlich. Deshalb überlegt sie genau, wo sie welche Daten von sich hinterlässt. Datensparsamkeit ist fast die einzige Möglichkeit, sich vor der Aushöhlung der Privatsphäre durch die digitale Technik zu schützen.

      Post privacy: Das Ende der Privatsphäre?
      Was für die meisten bedrohlich klingt, schreckt Sebastian Westermayer nicht. Der IT-Administrator ist Mitglied der Piratenpartei und gehört einer Gruppe an, die das Ende der Privatsphäre durch die digitalen Medien bereits für gekommen hält. Westermayer findet es gar nicht so schlimm, wenn künftig jeder alles über jeden weiß. Das Netz lebe schließlich vom freien Datenaustausch, so der Computerspezialist. Wenn wir die Vorteile nutzen wollen, müssen wir uns damit abfinden, dass es uns gläsern macht. Von Datenschutz im Netz hält er nichts - mit einer Ausnahme, wenn es um den Staat geht.

      Auf dem Weg in den Überwachungsstaat? Die Datensammelwut des Staates
      Als Reaktion auf die Bedrohung durch den Terrorismus wurde in Folge des 11. September die Privatsphäre der Deutschen erheblich eingeschränkt. Das "Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung" verpflichtete Telekommunikationsanbieter alle Bestands- und Verbindungsdaten ihrer Kunden sechs Monate lang zu speichern, damit die Strafverfolgungsbehörden im Verdachtsfall darauf zugreifen können. Dazu zählen: Ein- und abgehende Telefonverbindungen, Emails und SMS mit Datum und Uhrzeit, die IP-Adresse von Handys und Computern, mit denen die Besitzer der Geräte identifiziert werden können, aber auch Standortdaten, die Aufschluss darüber geben, wo sich jemand zum Zeitpunkt eines Anrufs befand.

      Datenschützer liefen gegen die massive Speicherung persönlicher Daten aller Bürger Sturm. Im März 2010 hat das Bundesverfassungsgericht das Gesetz gekippt, Vorratsdatenspeicherung aber nicht unter allen Umständen für verfassungswidrig erklärt. Eine Neuauflage wird kommen, denn es gibt eine EU-Richtlinie, die die Vorratsdatenspeicherung fordert.

      Risiko digitale Technik
      Nicht nur, weil wir permanent Daten absondern, die viel über uns verraten, macht uns die digitale Technik verletzlich. Im Netz tummeln sich auch immer mehr Kriminelle. 2011 ist die Online-Kriminalität um fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Den weltweiten wirtschaftlichen Schaden schätzt Europol auf 750 Milliarden Euro jährlich. Diebstahl von Kreditkarten- und Bankdaten, Erpressung von Lösegeld durch Lahmlegen von Computern oder Websites, Online-Shops, die nicht existierende Waren anbieten, aber auch der Missbrauch von Computern für kriminelle Handlungen - Fälle, die den Beamten beim Bayerischen Landeskriminalamt immer wieder begegnen. Um ihre Spuren zu verschleiern, verschicken Kriminelle Schadsoftware. Wer sich diese unbemerkt herunterlädt, öffnet ihnen Tür und Tore. Nun können sie vom infizierten Computer aus ihre kriminellen Aktionen starten - die PC-Besitzer sind meist völlig ahnungslos, bis die Kripo bei ihnen klingelt.

      Strafverfolger wie Cybercop Thomas Hirl fordern die Vorratsdatenspeicherung. Denn sie erleichtert der Polizei die Ermittlungsarbeit. Die Angst der Bürger hält der Cybercop für unbegründet, denn schließlich sei der Zugriff des Staates auf die Vorratsdaten nur bei einem konkreten Verdacht und nur mit richterlichem Beschluss möglich.

      Doch auch die Strafverfolgungsbehörden haben sich in der Vergangenheit nicht immer an die Gesetze gehalten - man denke nur an den Skandal um den Staatstrojaner. Egal, ob der Staat oder die Wirtschaft es auf unsere Daten abgesehen haben: Je weniger Daten wir im Netz von uns preisgeben, desto weniger kann man über uns herausfinden.

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      11:00 - 11:30 Uhr (30 Min.)
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