• 21.11.2011
      16:00 Uhr
      alpha-Campus DOKU Makellose Kinder - Wer darf das entscheiden? | ARD alpha
       

      Ein gesundes Kind? In der Schwangerschaft kann heute schon sehr früh erkannt werden, ob sich dieser Wunsch erfüllt. Darüber hinaus ermöglichen es neue Methoden, Embryonen schon lange vor der Geburt auf Erbkrankheiten zu untersuchen.

      Montag, 21.11.11
      16:00 - 16:30 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      Ein gesundes Kind? In der Schwangerschaft kann heute schon sehr früh erkannt werden, ob sich dieser Wunsch erfüllt. Darüber hinaus ermöglichen es neue Methoden, Embryonen schon lange vor der Geburt auf Erbkrankheiten zu untersuchen.

       

      Doch diese Verfahren sind ethisch umstritten, wie sich zuletzt bei der so genannten PID-Entscheidung des Deutschen Bundestages zeigte.

      Campus DOKU beleuchtet die Problematik der vorgeburtlichen Diagnosemöglichkeiten und zeichnet individuelle Entscheidungswege nach. Wissenschaftler aus Medizin und Philosophie erklären den aktuellen Stand und Perspektiven der Forschung und berichten von ihren Erfahrungen aus Theorie und Praxis. Im Mittelpunkt stehen aber betroffene Paare mit ihren individuellen Geschichten und Erlebnissen. Etwa ein Paar, das ihren zweiten Sohn schon mit 4 Jahren aufgrund einer schweren Erbkrankheit verloren hat und für ein erhofftes weiteres das Risiko dieser Krankheit nun mittels Präimplantationsdiagnostik, kurz PID, ausschließen will. Und eine berufstätige Mutter, die vor der Prognose stand, ein nicht lebensfähiges Kind zur Welt zu bringen und entschieden hat, den Fähigkeiten ihres ungeborenen Kindes zu vertrauen.

      Die PID-Debatte
      Die in Deutschland lange Zeit verbotene PID ist nur im Rahmen einer künstlichen Befruchtung möglich. Dabei werden die Embryonen im Reagenzglas auf genetische Defekte untersucht, bevor sie der Mutter eingesetzt werden. Kritiker der Methode befürchten eine künstliche Selektion und eine Diskriminierung von behinderten Menschen. Befürworter hingegen argumentieren damit, dass es später in einer Schwangerschaft völlig legal ist, sich gegen ein mutmaßlich behindertes Kind zu entscheiden. Sie betonen, dass die PID es erlaubt, schwere Erbkrankheiten frühzeitig auszuschließen und letztlich eine Ausnahmeuntersuchung bleiben wird. Ein Verbot würde die Behandlung letztlich ins Ausland verlagern. Der Bundestag hat im Juli 2011 entschieden: für Paare mit schwerwiegenden Erbkrankheiten ist die PID in Zukunft unter Einschränkungen erlaubt. Nach einer individuellen Zustimmung durch eine Ethikkommission kann in ausgewiesenen Zentren eine Präimplantationsdiagnostik durchgeführt werden.

      Zukunftsperspektiven
      Während PID verboten war, sind andere Untersuchungen während der Schwangerschaft praktisch Routine geworden. Neue Methoden ermöglichen die Suche nach Gendefekten in breitem Ausmaß. Verändert die PID-Entscheidung den Umgang mit vorgeburtlicher Diagnostik generell? Für den Jesuitenpater und Philosophen Prof. Christian Kummer von der Hochschule für Philosophie in München bedeutet die Bundestagsabstimmung keine Richtungsentscheidung sondern einen gesellschaftlicher Konsens, der nur wenige Paare betreffen wird. Mit Blick auf zukünftig mögliche Methoden, etwa zur Veränderung genetischer Eigenschaften von Kindern, betont er: "Wenn wirklich Dinge versucht werden, die unverantwortlich sind, ist es wiederum so, dass der Gesetzgeber hier einen klaren Stopp aufzustellen hat, aufgrund der Hütefunktion der Menschenrechte und dem obersten von allem, der menschlichen Würde und das Recht auf menschliches Leben."

      Was Pränataldiagnostik heute schon kann und wohin sie sich entwickelt, zeigt sich unter anderem am Institut für Humangenetik der Universität Regensburg. Dr. Ute Hehr, dort Fachärztin für Humangenetik, befasst sich als Mitglied der Gesellschaft für Humangenetik (GfH) auch mit neuen gentechnischen Untersuchungs-Methoden, etwa dem in den USA entwickelten "Kingsmore"-Test, mit dem man in nur einer Untersuchung sein Risiko auf 600 genetische Erkrankungen feststellen kann. Das in Deutschland noch nicht zugelassene Verfahren bewertet die Humangenetikerin Ute Hehr so: "Aus medizinischer Sicht durchaus sinnvoll, "aber es fehlt die Erfahrung, welche Folgen sich bei einen breiten Einsatz dieser Verfahren für die Bevölkerung ergeben wird. Würden dann mehr Paare auf Kinder verzichten?"

      alpha-Campus ist Fernsehen für junge, neugierige Menschen, die wissen wollen, wie, warum und wohin sich unsere Welt entwickelt.

      Campus sendet viermal wöchentlich in drei Formaten: Campus DOKU macht Entdeckungsreisen dorthin, wo sich Zukunftsfragen der Gesellschaft entscheiden und zeigt, welche Antworten Forscher geben. Campus VORLESUNG greift die spannendsten Themen der Zeit auf gibt Wissenschaftlern den Raum, ihre Erkenntnisse zu erklären. Das Campus Hochschulmagazin bringt als einziges regelmäßiges Hochschul-Format im deutschen Fernsehen Transparenz und Übersicht in die verschlungene Campus-Welt.

      Wird geladen...
      Montag, 21.11.11
      16:00 - 16:30 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 17.08.2022