• 24.07.2010
      21:00 Uhr
      MAO - Eine chinesische Geschichte (3/4) Die Revolution ist kein Galadiner | ARD alpha
       

      Der dritte Film beginnt mit der Hungersnot in China ab 1959 und endet nach der Kulturrevolution 1969. Er stellt die Frage, wie und warum Mao die Kulturrevolution einleitete.

      Samstag, 24.07.10
      21:00 - 22:00 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      Stereo

      Der dritte Film beginnt mit der Hungersnot in China ab 1959 und endet nach der Kulturrevolution 1969. Er stellt die Frage, wie und warum Mao die Kulturrevolution einleitete.

       

      Stab und Besetzung

      Redaktionelle Zustaendigkeit Adrian Maben
      Redaktion Gábor Toldy

      War der Große Vorsitzende in diesen Jahren der Unruhe und der Wirren von der selbst ausgelösten Schockwelle überfordert? Liu Shao-ch'i, Tschou En-lai, Lin Piao, Jiang Qing und Tschen Boda waren die wichtigsten Akteure dieser dramatischen Periode, die niemand unbeschadet überstand und an deren Ende Mao die Macht wieder fest in den Händen hielt. Doch welchen Preis musste China dafür bezahlen?
      Mao erklärte öffentlich, dass er die täglichen Regierungsgeschäfte der neuen Führungsgeneration überlasse, der ein gewisser Deng Xiaoping angehörte. Tatsächlich ließ er genügend "politische Leine", so dass sich die anderen darin verstrickten. Sogleich denunzierte er sie als auszumerzende bürgerliche Elite innerhalb der Kommunistischen Partei. Er verließ seine Frau, Jiang Qing. "Ich war Maos Hund", sagte sie später. "Er sagte mir, wen ich beißen sollte, und ich biss." Die Kulturrevolution hatte begonnen.

      Nach der Niederlage des "Großen Sprungs nach vorn" sperrte sich Maogegen den Gedanken eines reichen Chinas; er zog das Konzept des rein revolutionären Staates vor. Im Grunde bedeutete dies eine Nation, die loyal bis zur Kadavertreue hinter seinen Ideen stand. Das "Kleine Rote Buch" ("Mao-Bibel"), die Ikone der Protestbewegungen des Westens in den 1960er-Jahren, war in China zugleich heilige Schrift und Talisman für eine ganze Generation von Gymnasiasten. Die über hundert Millionen Städter Chinas waren bestrebt, ihre immer wachsende Ergebenheit gegenüber dem "Großen Steuermann" unter Beweis zu stellen. Schüler erschlugen ihre Lehrer oder zwangen sie, sich selbst in die Luft zu sprengen, um ihrer Verachtung der "alten Werte" zu bekunden.

      Die kriegerischen Fraktionen gerieten außer Kontrolle: in der Provinz Hunan bekämpften die Roten Garden die gegnerischen Gruppen mit Luftabwehrwaffen, wobei ganze Wohnviertel dem Erdboden gleich gemacht wurden. An seinem 73. Geburtstag im Dezember 1966 brachte Mao einen Toast auf den "neuen Bürgerkrieg" aus. Als dieser Krieg 1970 zu Ende ging, waren eine Million Menschen darin umgekommen, während Millionen anderer in abgelegenen Dörfern manuelle Strafarbeiten erledigen mussten, um ihre "falschen Ideen" zu korrigieren. Selbst Mao-Anhänger wie Sydney Rittenberg saßen als Opfer ihres Idealismus im Gefängnis. Nur die Bauern überlebten relativ unversehrt.

      Peng Zheng, der Bürgermeister von Peking, übt während der Kulturrevolution öffentliche Selbstkritik. Präsident Liu Shaoqi wird während der Kulturrevoltuion öffentlich gedemütigt. Während des ganzen ersten Jahres der Kulturrevolution war China vollends ins Chaos gestürzt. Mao, dessen politische Antennen bewundernswert gut funktionierten, begriff, dass er am Rande des Abgrunds stand. Die Rote Armee - ursprünglich geheißen, nicht einzugreifen - wurde hinzugerufen. Die Ordnung wurde mit Waffengewalt wiederhergestellt. Darauf folgte eine Dekade der abstumpfenden Gedankenkontrolle. Unterhaltung beschränkte sich auf die von Jiang Qing ausge wählten acht revolutionären Modellopern. Alle Fahrräder waren schwarz, Verschmückungen waren verboten. Die alte Ordnung war zerstört, aber Mao hatte keinen Ersatz. Die maoistische "Therapie" erwies sich schlimmer als die "Krankheit", die sie heilen sollte.

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      Samstag, 24.07.10
      21:00 - 22:00 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      Stereo

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