• 16.02.2010
      16:00 Uhr
      alpha-Campus Ars Poetica (3): Arnold Stadler - ein Stilporträt | ARD-alpha
       

      Arnold Stadler schreibt, um sich auf den Tod vorzubereiten. Optimistischer ausgedrückt: Er vergegenwärtigt auf diesem Weg das Leben. Sein Hauptaugenmerk gilt der Vergänglichkeit. Seinen Romanfiguren fehlt etwas.

      Dienstag, 16.02.10
      16:00 - 16:30 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      Arnold Stadler schreibt, um sich auf den Tod vorzubereiten. Optimistischer ausgedrückt: Er vergegenwärtigt auf diesem Weg das Leben. Sein Hauptaugenmerk gilt der Vergänglichkeit. Seinen Romanfiguren fehlt etwas.

       

      Stab und Besetzung

      Redaktion Corinna Benning

      Sie sind krank, weil sie das Glück genau dort vermuten, wo sie nicht sind.

      Die Erinnerung ist das Instrument, das Arnold Stadler in Fahrt bringt. Sie wird zu einer zweiten Gegenwart. Seine täglichen Notizen ordnet er keinem fixen Projekt oder Konzept unter. Er schreibt weitgehend assoziativ. Erst lange nach den ersten Notizen kristallisieren sich die eigentlichen Erzählkerne heraus.

      Lese- und Schreib-Rituale
      Mittags legt Stadler seinen Füller zur Seite. Dann hat er schon viele Stunden in seinem Arbeitszimmer verbracht, das eher eine Schreibstube ist: "Schreiben ist eigentlich nicht Arbeiten", sagt er. Einen Computer gibt es hier nicht.

      Stadler sagt über seine Schreibe: "Ich habe eine Wiederholungstechnik, das heißt ich schreibe immer wieder neu. Und am Ende ist das Buch fertig. Es geht sogar soweit, dass es im Prinzip nicht fertig ist. Auch Bücher, die veröffentlicht sind und von denen ich ein Handexemplar habe - an denen verbessere ich immer noch."

      Er schreibt meist aus der Perspektive des Ich-Erzählers: Er kreiert die Vision, die Geschichten und Momente selbst erlebt zu haben - eine effektvolle Vernetzung von Fakten und Fiktion, die er "erfundene Erinnerung" nennt.

      Eine Textprobe: "Der Wirt, ein anständiger Mensch, eben ein richtiger Saumüller, hat gefragt woher wir kämen, und was wir anbauten, und wie groß die Höfe seien. Auch etwas Waldwirtschaft. Der Pfarrer sagte dann als ob er uns aufklären wollte, dass wir alle von Menschen abstammten, die einst aus diesem Tal weggezogen worden seien. So unser guter Pfarrer, ohne den wir dies gar nicht gewusst hätten. Und der Wirt hat nur genickt, denn er war Philosoph."

      Dorfleben und Dorfmenschen
      Stadler ist kein "Heimatdichter". Aber er ist ein Dorfmensch. Nur während seines Studiums lebte er in Großstädten. Dann zog es ihn zurück aufs Land. In seinen Texten beklagt er, dass es die Dorf-Idylle nicht mehr gibt.

      Stadler liebt es, wenn Hehres und Profanes kollidieren. Wenn Worte aus unterschiedlichen Bedeutungs- und Stilebenen aufeinander treffen, entstehen Ideen für neue Geschichten. Der Widerspruch ist für ihn ein Impuls. Er schreibt kompakt: Unwesentlichkeiten lässt er weg. Seine Sätze sind kurz: Sie treiben die Geschichte voran, unterbrechen sie unvermittelt, konstruieren sie um, zerstückeln sie. Das Ergebnis: ein gänzlich unglatter Textkörper.

      Dieser Stil ist sein Markenzeichen: "Als Schreibender möchte ich möglichst wenig verwechselt werden. Es soll nicht herauskommen, dass ich viel gelesen habe . Oder dass ich wie so ein Schauspieler vorgehe und verschiedene Stile imitieren kann."

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      Dienstag, 16.02.10
      16:00 - 16:30 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

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