• 17.01.2020
      21:45 Uhr
      alpha-retro: Der Schriftgießer aus Leipzig (1993) Der Letzte seines Standes? | ARD-alpha
       

      Mit einem Handgießinstrument fertigt Schriftgießer Hubert Krause aus Leipzig zuerst Probelettern. Erst dann setzt er seine Maschine Baujahr 1910 in Gang und zeigt die einzelnen Arbeitsschritte, die notwendig sind, um ein Alphabet in der geforderten Präzision zu gießen. Diese Maschine ist nur knapp vor dem Verschrotten gerettet worden. Die Bagger waren schon dabei, im Industrieviertel Plagwitz die alte Schriftgießerei samt Maschinen abzureißen und damit diese Technik zum Verschwinden zu bringen.

      Freitag, 17.01.20
      21:45 - 22:15 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo HD-TV

      Mit einem Handgießinstrument fertigt Schriftgießer Hubert Krause aus Leipzig zuerst Probelettern. Erst dann setzt er seine Maschine Baujahr 1910 in Gang und zeigt die einzelnen Arbeitsschritte, die notwendig sind, um ein Alphabet in der geforderten Präzision zu gießen. Diese Maschine ist nur knapp vor dem Verschrotten gerettet worden. Die Bagger waren schon dabei, im Industrieviertel Plagwitz die alte Schriftgießerei samt Maschinen abzureißen und damit diese Technik zum Verschwinden zu bringen.

       

      Stab und Besetzung

      Autor Rüdiger Lorenz

      Der Computer ersetzt heute den Stempelschneider, den Schriftgießer, den Schriftsetzer. Benedikt Kuby porträtierte unmittelbar nach der Wende mit Hubert Krause aus Leipzig einen der letzten Schriftgießer in Deutschland.
      Heute werden nur mehr ganz wenige Drucksachen im aufwendigen aber wunderschönen Bleisatz-Verfahren hergestellt: Für den Bleisatz braucht es eine Satzschrift aus Blei, die im Gießverfahren hergestellt wird. Deswegen ist auch der Beruf des Schriftgießers fast vom Aussterben bedroht. Was so ein Schriftgießer genau macht, zeigt Kuby in ruhigen eindrücklichen Bildern: Zuerst gießt Krause einige Probelettern. Dafür braucht es nicht nur handwerkliches Geschick, das ist absolute Präzisionsarbeit. Dann geht er an seine Gießmaschine, eine Küstermann Typ 2, die einst im Jahr 1910 4500 Goldmark gekostet hatte. Die Maschine, angetrieben von einem Elektromotor, gießt sodann in dieser Beispielvorführung eine Letter „A“ nach der anderen.
      Die Bleilettern der verschiedensten Schriften wurden mittels Matrizen, die in die Gießmaschine eingespannt wurden, hergestellt. Auch diese Matrizen konnten gerade noch vor der Vernichtung bewahrt werden. Einige dieser Matrizen in Leipzig sind mehr als 200 Jahre alt. Gutenberg hatte im 15. Jahrhundert noch 290 verschiedene Buchstaben, Zeichen und Ligaturen, also Buchstabenverbindungen, zur Verfügung. Im Gegensatz dazu gibt es in unserer Zeit nur mehr um die 100. Gutenberg war damit in der Lage, innerhalb der Worte zu variieren, sodass er trotz Blocksatz in jeder Zeile immer den gleichen Wortabstand einhalten konnte. Eine Buchdruckkunst, die das Auge des Lesers schont und erfreut.
      Die Aufnahmen aus dem Leipzig der frühen 90er-Jahre haben quasi schon historischen Wert. Die alten Arbeitsstätten im Industrieviertel Plagwitz sind weg, die Straßen sind im Vergleich zu den Jahren davor sehr ruhig und die Gebäude, sofern sie noch stehen, sind noch im selben verkommenen Zustand wie die Jahre und Jahrzehnte davor. Aber die Luft ist besser geworden, weil es nicht mehr so viel Qualm gibt. Die Menschen, die heute noch dort leben, sind in ziemlich bedrückter Stimmung, sagt Krause: Es gibt keine Arbeit mehr - und mit ihm selbst wird wohl auch der Beruf des Schriftgießers aussterben.
      Die geretteten Maschinen, die im Film gezeigt werden, existieren jedoch knapp 30 Jahre später immer noch und stehen heute hundertprozentig funktionsbereit im „Museum für Druckkunst Leipzig“.

      Wird geladen...
      Freitag, 17.01.20
      21:45 - 22:15 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo HD-TV

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 24.06.2021