• 20.10.2019
      22:45 Uhr
      Druckfrisch Neue Bücher mit Denis Scheck | ARD-alpha
       
      • Nora Bossong: "Schutzzone"
      • Michael Palin: "Erebus"
      • Denis Scheck empfiehlt: "Das Archiv der verlorenen Kinder" von Valeria Luiselli
      • Bestsellerliste: Denis Scheck kommentiert die aktuelle SPIEGEL-Bestsellerliste Sachbuch

      Sonntag, 20.10.19
      22:45 - 23:15 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      • Nora Bossong: "Schutzzone"
      • Michael Palin: "Erebus"
      • Denis Scheck empfiehlt: "Das Archiv der verlorenen Kinder" von Valeria Luiselli
      • Bestsellerliste: Denis Scheck kommentiert die aktuelle SPIEGEL-Bestsellerliste Sachbuch

       
      • Nora Bossong: "Schutzzone"

      Frieden, Wahrheit, Gerechtigkeit, Versöhnung und Übergang heißen die Kapitel dieses Romans, und Genf, Bonn, Bujumbura, Den Haag sind die Orte, zu denen wir mit seiner Protagonistin Mira gelangen, einer Mitarbeiterin der Vereinten Nationen, die mit einer verwehenden Liebe und der grauenvollen Erinnerung an Massaker irgendwo in Afrika fertig zu werden versucht. Aber wer ist Mira wirklich? Was hat sie erlebt? Mit wem gesprochen? Und trägt sie für irgendetwas von alldem Verantwortung?

      "Man nennt uns Expats, und auch wir selbst nennen uns so, eine lapidare Kurzform, wie hingegossen an den Rand eines Pools, ein Status wie auf einer Vielfliegerkarte und in exklusiven Clubs, und natürlich bedeutet er auch, dass wir nicht dazugehören, nicht dort, wo wir gerade sind, und auch nicht mehr da, woher wir einmal kamen, diese Gegend oder Gemeinschaft, die man gefühlsselig Heimat nennt und die eben doch etwas mehr ist als nur Kitsch, was man spätestens dann merkt, wenn man sich nur noch ungenau an sie erinnert."

      Nora Bossong erzählt von einem globalisierten Politikbetrieb, der jederzeit glaubwürdig Relevanz und Effizienz vortäuscht, und sie erzählt von den Menschen, die in dessen so abstrakten wie nutzlosen Abläufen untergehen, in Sitzungen, Dienstreisen, Verhandlungen, Hotelfluren, in schnöder Hoffnungslosigkeit. Das Großartige an diesem brillanten Roman ist, dass wir beim Lesen in jeder Sekunde spüren, dass wir alle es sind, die sich da in einer kalten Scheinwelt verlieren.

      • Michael Palin: "Erebus"

      Es ist dies die Geschichte eines britischen Segelschiffes, eines besonders schweren, breiten, robusten Schiffes, das eine Menge Kanonen tragen konnte, eines Schiffes, das, vor fast 200 Jahren, um die ganze Welt gesegelt war und das auf der Suche nach einer legendären, nie gesehenen Route verschwand, der Nordwest-Passage, die den Atlantik mit dem Pazifik verbinden soll, aber, wie man heute weiß, den größten Teil des Jahres zugefroren ist.

      "Am 19. Mai wurden gegen halb elf Uhr morgens die Anker gelichtet, dann fuhren die Schiffe einmal im Kreis, um zu prüfen, ob die Kompasse funktionierten. Schließlich machte sich die Franklin-Expedition, die aus vierundzwanzig Offizieren und einhundertzehn Seeleuten bestand, auf den Weg zur Nordwestpassage. Die Menschen am Kai jubelten ihnen zu. Sir John verabschiedete sich winkend von seiner Familie, bis sie außer Sicht geriet. Der Anblick der HMS Erebus, deren schwarzer Rumpf eine weiße Bauchbinde trug, wird alle Anwesenden zuversichtlich gestimmt haben, dass alles Menschenmögliche getan worden war, damit die bestausgerüstete Expedition, die Großbritannien je verlassen hatte, ein gutes Ende nahm. Bis heute gibt es in Greenhithe einen Pub, das den Namen Sir John Franklin trägt. Hier kann man ein Bier trinken, ein Steak mit Pommes essen und an jener Stelle am Ufer stehen, von der aus Franklin und seine Familie sich zum letzten Mal gesehen haben."

      Mit enormer Detailkenntnis, gründlich recherchiert, präzis, ausführlich und anschaulich berichtet der Amateurseefahrer und leidenschaftliche Reisende Michael Palin hier von einer Fahrt, als wäre er selbst dabei gewesen, und schafft es tatsächlich auch, uns beim Lesen die Kälte und Nässe, die Schrecken des Eises und der Finsternis spüren zu lassen, so als stünden auch wir im Sturm auf dem Deck der Erebus. Vor allem aber erleben wir, wie es sich anfühlt, unerschrocken ins vollkommen Unbekannte, Unerforschte zu reisen und dabei Entdeckungen zu machen, die wohl die Welt für immer verändert haben.

      • Denis Scheck empfiehlt: "Das Archiv der verlorenen Kinder" von Valeria Luiselli

      Denis Scheck empfiehlt "Archiv der verlorenen Kinder", eine Wutrede auf die Einwanderungspolitik der USA, verfasst von Diplomatenkind und Mexikanerin Valeria Luiselli.

      Allein in Deutschland erscheinen jedes Jahr 90.000 neue Bücher. Ganz schön schwer, hier den Überblick zu behalten. "Druckfrisch", das Büchermagazin im Ersten, hilft bei der Orientierung im Bücherdschungel. Moderator Denis Scheck besucht Schriftsteller und stellt Neuerscheinungen vor. Er lobt und lästert über die aktuellen Bestseller, spricht Empfehlungen aus, sagt aber auch, welche Bücher reine Zeitverschwendung sind. Belletristik, Krimis, Sachbücher, Biographien oder Kochbücher - nichts ist vor ihm sicher.

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