• 18.10.2019
      21:30 Uhr
      alpha-retro: Die Jachenau 1974 Ein Film über ein sonderbares Tal | ARD-alpha
       

      1974 besuchte Otto Guggenbichler die Jachenau, dieses Tal südlichwestlich von Lenggries. Die Jachenau fußte schon damals in wirtschaftlicher Hinsicht auf drei Säulen: Viehzucht, Holzwirtschaft und Fremdenverkehr. An durchschnittlich 120 Tagen im Jahr lag in Jachenau damals noch Schnee, weswegen es auch "Bayerisch-Sibirien" genannt wurde. Und die Jachner haben sich selbst in den 70er-Jahren noch sorgsam abgegrenzt von anderen Alpentalbewohnern: Man blieb unter sich - außer in der Touristensaison.

      Freitag, 18.10.19
      21:30 - 22:15 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo HD-TV

      1974 besuchte Otto Guggenbichler die Jachenau, dieses Tal südlichwestlich von Lenggries. Die Jachenau fußte schon damals in wirtschaftlicher Hinsicht auf drei Säulen: Viehzucht, Holzwirtschaft und Fremdenverkehr. An durchschnittlich 120 Tagen im Jahr lag in Jachenau damals noch Schnee, weswegen es auch "Bayerisch-Sibirien" genannt wurde. Und die Jachner haben sich selbst in den 70er-Jahren noch sorgsam abgegrenzt von anderen Alpentalbewohnern: Man blieb unter sich - außer in der Touristensaison.

       

      Stab und Besetzung

      Autor Otto Guggenbichler

      Die Jachenau ist ein 15 Kilometer langes Tal in den Bayerischen Voralpen, das sich südlich von Lenggries in Ost-West-Richtung erstreckt. Besiedelt wurde es gegen Ende des 12. Jahrhunderts vom Kloster Benediktbeuern aus. Was hat es mit diesem Tal auf sich, dass Otto Guggenbichler es „sonderbar“ nennt? Der Bürgermeister der Gemeinde Jachenau erklärte Guggenbichler, dass seine Gemeinde in wirtschaftlicher Hinsicht auf drei Säulen ruht: Viehzucht, Holzwirtschaft und Fremdenverkehr. Man sollte wissen, dass damals, also zu Beginn der 70er-Jahre, noch an 120 Tagen im Jahr Schnee in der Jachenau lag und man es deswegen „bayerisches Sibirien“ nannte. Die Jachenauer Bauern waren in früherer Zeit Selbstversorger, auch die Kleidung stellten sie selbst her, wie der Inhalt eines Brautschranks aus dem 19. Jahrhundert zeigt: Flachs, Hemden, Westen, Selbstgewebtes, Leinen usw. Der Sprecher, es ist übrigens niemand anderer als Hans Baur, der Richter aus dem „Königlich Bayerischen Amtsgericht“, sagt dazu: „Noch 100 Jahre, nachdem man in Indien und Amerika die Baumwolle entdeckte, Strick- und Webmaschinen erfand, pflanzten, spannen, webten und walkten sich die Jachner ihr Gwand selber. An einem Hemd hingen drei Wochen, an Hose und Joppe fünf Wochen Arbeit dran.“ Und früher war angeblich auch noch die Ordnung im Dorf ganz klar: Der Lehrer war der Gescheiteste, der Pfarrer der Frömmste und der Wirt der Reichste. Aber auch in der Jachenau wird man das nicht immer zu 100 Prozent ernst genommen haben. Das Sonderbare an diesem Tal war zunächst einmal, dass sich deren Bewohner von denen in den anderen Tälern sorgsam abgrenzten: Man blieb lieber unter sich. Und wenn man das Tal doch einmal verließ, nahm man vielstündige Fußmärsche auf sich, um nur ja die Nacht wieder zuhause zu verbringen: „Bauer und Bäuerin schlafen auf d’Nacht im eigenen Bett!“ Dazu kommt die Besonderheit, dass es in der Jachenau sogenannte Schattenhöfe gibt, die so nah am Berg stehen, dass sie von Ende November bis Ende Februar keinen einzigen Sonnenstrahl abbekommen, weil die Sonne nicht über den Berg kommt. Im kompletten Alpenraum ist das einmalig. So sonderbar sind die Bewohner der Jachenau, also die Jachner, aber letztlich doch nicht, sie unterscheiden sich laut Otto Guggenbichler von anderen bayerischen Alpenbewohnern vor allem durch den etwas anderen Umgang mit dem Wirtschaftswunder: In der Jachenau ist es weniger ausgeprägt spürbar: Es ist langsamer eingedrungen und selbst der Tourismus ist zwar gewünscht, hält sich aber in den Auswirkungen in Grenzen. Und das bis heute.

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