• 15.06.2019
      21:15 Uhr
      alpha-retro: Der Windmüller vom Dieksand 1991 ARD-alpha
       

      In einer Windmühle wurde und wird Getreide gemahlen - allein mit der Kraft des Windes. In Deutschlands Norden war Rudolf Lindemann 1991 einer der letzten Windmüller, der mit seiner Arbeit noch seinen Lebensunterhalt verdiente. Damit hielt er seine weithin sichtbare Mühle "Ursula" als Kulturdenkmal in ihrer uralten Funktion.

      Samstag, 15.06.19
      21:15 - 21:45 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo HD-TV

      In einer Windmühle wurde und wird Getreide gemahlen - allein mit der Kraft des Windes. In Deutschlands Norden war Rudolf Lindemann 1991 einer der letzten Windmüller, der mit seiner Arbeit noch seinen Lebensunterhalt verdiente. Damit hielt er seine weithin sichtbare Mühle "Ursula" als Kulturdenkmal in ihrer uralten Funktion.

       

      Stab und Besetzung

      Autor Benedikt Kuby

      Für diese Folge der Serie „Der Letzte seines Standes“ reiste Benedikt Kuby 1991 nach Schleswig-Holstein, in den Kreis Dithmarschen: Er besuchte und porträtierte den 75-jährigen Windmüller Rudolf Lindemann. Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland noch knapp 20000 Windmühlen, 1991 standen davon nur noch ungefähr 400 - die wenigsten unter ihnen waren noch windgängig und somit betriebsfähig, die meisten waren zu Wohnungen oder Diskotheken umgebaut worden. In einer Windmühle wurde und wird Getreide gemahlen - allein mit der Kraft des Windes. In ruhigen Einstellungen, die all die verschiedenen Details einer Windmühle ins Bild setzen, wird in diesem Dokumentarfilm gezeigt, wie das genau vonstattengeht, wie bei einer Mühle die drei Materialien Holz, Stein und Eisen zusammenarbeiten, um aus Windkraft eine Kraft zu gewinnen, die den Mühlstein gleichmäßig antreibt, damit am Ende Mehl von immer gleicher Qualität, von immer derselben Feinheit entsteht. In seiner Mühle mit dem Namen „Ursula“ zeigt Müller Lindemann, wie der Wind quasi gezähmt wird, wie man ihn, obwohl er aus verschiedenen Richtungen und in verschiedener Stärke bläst, in ruhige, gleichmäßige Kraft verwandelt. Die Windrose z. B. dreht den Mühlenkopf immer in Windrichtung und aus der Fülle der Geräusche erkennt der Müller kleinste Geschwindigkeitsänderungen. Bei stärkerem Wind drehen sich die Windräder schneller, die Mühle klappert mehr und es fällt mehr Getreide über das Steinauge in den Mahlstein. Da das Getreide bei höherer Drehzahl von dort schneller wieder herausfliegen würde, würde das zu gröberem Schrot oder Mehl führen. Vermieden wird das mittels eines ebenfalls von den Windrädern angetriebenen Fliehkraftreglers, der die Drehzahl beim Mahlvorgang reduziert.
      „Aus der Mühle schaut der Müller, / der so gerne mahlen will. / Stiller wird der Wind und stiller / und die Mühle stehet still…“ Von Wilhelm Busch stammt dieses Gedicht, von den Müllern selbst der Spruch, der in der Mühle Ursula an der Wand hängt: „Das Müllerleben hat Gott gegeben. / Doch das Steineschärfen und / das Mahlen bei Nacht - / das hat der Teufel erdacht.“ Denn früher musste auch nachts die Mühle laufen, um den Wind, wenn er denn wehte, auszunutzen. Da aber der ganze Arbeitsvorgang letztlich von den Launen der Natur abhängig war, also davon ob der Wind wehte oder nicht, ging es im Zuge der Industrialisierung immer mehr bergab mit den Mühlen, denn Mühlen, bei denen die Mühlräder mit Strom angetrieben werden, waren effektiver: Sie liefen dann, wenn sie gebraucht wurden, immer und jederzeit. Dass er einer der letzten sein wird, die den Beruf des Windmüllers ausüben, ist für Rudolf Lindemann durchaus ein bedrückendes Gefühl, denn mit ihm stirbt zumindest in Deutschland eine 700-jährige Handwerkskunst aus.

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      Samstag, 15.06.19
      21:15 - 21:45 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo HD-TV

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