• 15.06.2019
      20:45 Uhr
      alpha-retro: Der Weber von St. Pankraz 1993 ARD-alpha
       

      Den "Falterer Luis" kannten 1993 die Alten im Südtiroler Ultental alle, weil er immer noch hinauf zu den Bergbauern ging, um ihnen ihre Wolle und das Leinen zu wirken, eine Arbeit, die kaum einer noch beherrschte. Solange er mit seinem Webstuhl in der Kammer saß, gehörte er zur Familie, manchmal mehr gelitten, als erwünscht. Wenn es aber irgendwo ein Fest gab und Musik nach seinem Geschmack, dann tanzte und sang er, so lang ihn seine Beine trugen. Mit 85 webte er in diesem Film ein letztes Mal.

      Samstag, 15.06.19
      20:45 - 21:15 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo HD-TV

      Den "Falterer Luis" kannten 1993 die Alten im Südtiroler Ultental alle, weil er immer noch hinauf zu den Bergbauern ging, um ihnen ihre Wolle und das Leinen zu wirken, eine Arbeit, die kaum einer noch beherrschte. Solange er mit seinem Webstuhl in der Kammer saß, gehörte er zur Familie, manchmal mehr gelitten, als erwünscht. Wenn es aber irgendwo ein Fest gab und Musik nach seinem Geschmack, dann tanzte und sang er, so lang ihn seine Beine trugen. Mit 85 webte er in diesem Film ein letztes Mal.

       

      Stab und Besetzung

      Autor Benedikt Kuby

      In dieser Ausgabe von „Der Letzte seines Standes?“ porträtiert Benedikt Kuby den Südtiroler Luis Breitenberger, genannt „Falterer Luis, einen Weber aus St. Pankraz im Ultental, der in hohem Alter zum letzten Mal auf die Stör geht, also im Haus des Auftraggebers auf dessen Webstuhl arbeitet. In Südtirol heißt das Weben wirken. Beim Weben entsteht ein Stoff aus einer Verkreuzung von Fäden: Die Fäden, die längs laufen, sind die Kette, auch Zettel genannt, die Fäden, die quer laufen, sind der Schuss. Vor dem Weben muss gezettelt werden, das heißt, das auf Spulen gewickelte Garn muss im Spulenrahmen angeordnet werden. Zehn Fäden werden jeweils zu einem Bündel verknotet und durch ein Zettelholz geführt, damit sich der Weber bei 700 Kettfäden nicht verzettelt. Warum gingen die Weber in Südtirol auf die Stör?
      Der Luis erzählt: In ganz alten Zeiten hätten die Bauern das Garn noch zu den Webern gebracht, die dann mit ihren eigenen Webstühlen webten. Oft aber hätten die Bauern das Gefühl gehabt, dabei von den Webern um einen Teil ihres Garns betrogen zu werden. Um also die angeblich diebischen Weber besser kontrollieren zu können, hätten sich die Bauern eigene Webstühle besorgt, damit die Weber bei ihnen zuhause arbeiten können. Der Luis erzählt aber auch aus seiner harten Kindheit: Mit gerade einmal sieben Jahren wurde er an einen Bauern gegeben, der zwar das Schulgeld für ihn zahlte, für den er aber vor und nach der Schule hart hat arbeiten müssen. Im weiteren Verlauf des Films erfährt man dann, was eine Bindung ist und was ein Geschirr und was das mit dem Muster zu hat, das gewebt werden soll. Bereits gewöhnt an die ruhigen und detaillierten Aufnahmen von Kuby, die das Weben ganz nah ins Bild rücken, ist man als Zuschauer auch nicht mehr ungeduldig, wenn sich der Luis dann in einer Arbeitspause ganz gemächlich eine Zigarette selbst dreht und im Bild nur noch seine Hände, der Tabak und das Zigarettenpapier zu sehen sind. Glücklich verheiratet war er, wie er erzählt, nur bei der Musik und beim Tanzen waren seine Frau und er von ganz unterschiedlichem Wesen: noch mit 85 Jahren ist der Luis ein großartiger und leidenschaftlicher Tänzer.
      Nach zwei Tagen Arbeit hat der Falterer Luis fünfeinhalb Meter Stoff gewirkt und die Bäuerin bezahlt ihm seinen Lohn aus. An dessen Höhe erkennt man, dass sich das auch schon 1991 im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr gelohnt hat. Ohne eigenen kleinen Bauernhof hätten der Luis und seine Frau und die vier Kinder ohnehin nicht überlebt. Nun jedoch ist es zu Ende, der Luis hat zum letzten Mal gewirkt: Mit ihm starb in Südtirol der letzte auf die Stör gehende Weber aus.

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      Samstag, 15.06.19
      20:45 - 21:15 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo HD-TV

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