• 10.11.2015
      09:00 Uhr
      TELEKOLLEG Deutsch Propaganda und journalistische Ethik | ARD-alpha
       

      Das Radio war für die Nationalsozialisten das wichtigste Propaganda-Instrument. Wo findet Propaganda heute noch statt und wann gerät die journalistische Ethik an ihre Grenzen?

      Dienstag, 10.11.15
      09:00 - 09:30 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      Das Radio war für die Nationalsozialisten das wichtigste Propaganda-Instrument. Wo findet Propaganda heute noch statt und wann gerät die journalistische Ethik an ihre Grenzen?

       

      Stab und Besetzung

      Moderation Volker Matthies
      Kontakt Carola Richter

      1933 wurden alle Medien in Deutschland dem von Joseph Goebbels geleiteten Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unterstellt. Dies war laut Reichsschriftleitergesetz zuständig "für alle Aufgaben der geistigen Einwirkung auf die Nation". Alle Massenmedien und Einrichtungen wurden von nun an gleichgeschaltet, zentral gelenkt und verwaltet, und hatten allein die Aufgabe, für den nationalsozialistischen Staat, seine Kultur und Wirtschaft zu "werben"

      Das wichtigste Propaganda-Instrument der Nationalsozialisten war das Radio. Goebbels verkündete: "Der Rundfunk ist das modernste, ich darf wohl auch sagen, das erfolgreichste Massenbeeinflussungsmittel. Der Rundfunk gehört uns und niemandem sonst. Und den Rundfunk werden wir in den Dienst unserer Idee stellen und keine andere Idee soll hier zu Wort kommen." Das war nicht zu viel versprochen. Das Radio sorgte ab 1933 für die Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie: Die deutschen Haushalte wurden mit Volksempfängern ausgestattet, vielen ehemaligen Intendanten wurde gekündigt, einige kamen ins KZ. SS-Männer beherrschten die Radio-Redaktionen, nur noch nazifreundliche Ansichten durften gesendet werden. Den BBC oder andere "Feindsender" zu hören war strengstens verboten.

      Am 1. September 1939, zu einer Zeit, als große Teile der indoktrinierten Bevölkerung schon kaum mehr fähig waren, zwischen Wahrheit und propagandistischer Lüge zu unterscheiden, brachte das Radio die Falschmeldung, mit der der Überfall auf Polen, also der Beginn des Zweiten Weltkriegs gerechtfertigt werden sollte: Polnische Truppen, so hieß es, hätten den auf deutschem Gebiet liegenden Radiosender Gleiwitz überfallen. Während das Fernsehen technisch noch zu unterentwickelt war, um als Massenmedium zu dienen, mobilisierte das Propagandaministerium auch die gesamte Presse (allen voran das Hetzblatt Der Stürmer), sowie Schriftsteller und Filmemacher für seine Zwecke. Die strikte Zensur war die Kehrseite der Propaganda. Das Propagandaministerium bestimmte nicht nur, was zu hören, zu sehen und zu lesen war, sondern auch, was nicht. Inszeniert wurde die absolute Diffamierung und Ausgrenzung aller Andersdenkenden bereits am 10. Mai 1933 durch die Bücherverbrennung: Auf dem Königsplatz in München gingen wie in vielen anderen Hauptstädten auch Bücher der Regimegegner in Flammen auf.

      Wo findet die Aufgabe des Journalisten, die Öffentlichkeit zu unterrichten, eine Grenze? Prof. Dr. Heinz Pürer vom Institut für Kommunikationsforschung der LMU München betont: "Hier ist gut zu überlegen, wie nah man an eine gezeigte Person herangeht, ob sie möglicherweise noch persönlich zu erkennen ist. Hier wird ein Journalist sicherlich auf die Distanz achten, gleichwohl müssen Journalisten insbesondere über Kriege berichten, das gehört zu ihrer öffentlichen Aufgabe." Der Pressekodex soll vor den abwegigen Möglichkeiten des Journalismus bewahren, etwa der einseitigen und verfälschenden Berichterstattung und der Verletzung der Menschenwürde. Aber wie verbindlich sind diese ethischen Grundsätze in der Realität?

      Telekolleg Deutsch will in seinen 39 Folgen dieses Wissen mit drei Themenschwerpunkten vermitteln:

      • Sprachkompezent: Reden, Schreiben, Präsentieren
      • Literatur: Literarische Welten von gestern und heute
      • Medienkompetenz: Persönlichkeitsbildung und Mediennutzung

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