• 23.04.2019
      10:30 Uhr
      Campus Brandgefährlich: unsere Papierverschwendung! | ARD-alpha
       

      Die umweltbewussten Deutschen besetzen weltweit einen Spitzenplatz, wenn es um den Papierkonsum geht. Beim Pro-Kopf-Verbrauch stehen sie sogar an vierter Stelle, Tendenz steigend.

      Dienstag, 23.04.19
      10:30 - 11:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo HD-TV

      Die umweltbewussten Deutschen besetzen weltweit einen Spitzenplatz, wenn es um den Papierkonsum geht. Beim Pro-Kopf-Verbrauch stehen sie sogar an vierter Stelle, Tendenz steigend.

       

      Verpackungen, Büropapiere, Pappbecher – die Papierberge wachsen hierzulande ständig, trotz zunehmender Digitalisierung.

      Weil Papier aus einem nachwachsenden und problemlos verrottenden Rohstoff hergestellt wird, herrscht anders als beim Plastikmüll beim deutschen Verbraucher wenig Problembewusstsein dafür, welche globalen Folgen dieser Papierhunger für Wälder und Artenvielfalt hervorruft. Denn deutsche Wälder sind es in der Regel nicht, die den steigenden Bedarf decken müssen.

      Jeder fünfte Baum, der weltweit gefällt wird, geht mittlerweile in die Papierproduktion - mit Auswirkungen für Mensch und Natur nicht nur in Lateinamerika und Asien, sondern zum Beispiel auch im EU-Mitgliedsland Portugal. Die Bilder der verheerenden Waldbrände mit 64 Toten in diesem Sommer haben auch hierzulande aufgeschreckt. Die Ursache dahinter ist weniger bekannt: der forcierte und mit EU-Mittel geförderte Eukalyptusanbau, Monokulturen, die den Rohstoff für die Papier-und Zelluloseproduktion liefern.

      Seit Jahren warnt der portugiesische Waldexperte und Umweltschützer Domingos Patacho, dass der flächendeckende und gesetzlich ungebremste Ausbau zur Katastrophe führen kann. Er begleitet das Kamera-Team ins Inferno erneut ausbrechender Waldbrände, spricht mit betroffenen Dorfbewohnern und dokumentiert die Brandverläufe.

      Doch in Portugal steht nicht nur die größte Papiermaschine Europas, Papiere aus Portugal finden auch in Deutschland ihre Abnehmer. Sie sind meist umweltzertifiziert und gehandelt mit FSC-Siegel und stiften damit beim umweltbewussten Verbraucher Verwirrung. Zu welchem Papier darf man greifen, wenn selbst Umweltverbände einerseits das FSC-Siegel fördern, dieses andererseits bei der Papierproduktion mehr als fragwürdig ist?

      Und wie ließe sich der Papierhunger hierzulande überhaupt drosseln? Im Kampf um ständig wachsende Papierberge sind vor allem Behörden und Unternehmen gefragt. Initiativen gibt es durchaus, die zumindest blütenweiße Papiere durch recycelte Alternativen ersetzen wollen. Die Stadt Erlangen ist gerade wieder ausgezeichnet worden, als eine der recyclingpapierfreundlichsten Städte Deutschlands, zum vierten Mal in Folge – hier schreibt sogar der Oberbürgermeister auf Recyclingpapier.

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