• 11.11.2018
      23:35 Uhr
      Unter Anklage: Der Fall Harry Wörz Fernsehfilm Deutschland 2014 - ARD-Themenwoche „Gerechtigkeit“ | SR Fernsehen
       

      Der Film erzählt von einem der aufsehenerregendsten Justizirrtümer der Bundesrepublik. Von der Ohnmacht des einzelnen gegen die Beharrungskraft des Justizsystems. Und von der Kraft und dem Durchhaltewillen, die notwendig sind, um die Unschuld eines Justizopfers offenbar werden zu lassen.

      Sonntag, 11.11.18
      23:35 - 01:05 Uhr (90 Min.)
      90 Min.

      Der Film erzählt von einem der aufsehenerregendsten Justizirrtümer der Bundesrepublik. Von der Ohnmacht des einzelnen gegen die Beharrungskraft des Justizsystems. Und von der Kraft und dem Durchhaltewillen, die notwendig sind, um die Unschuld eines Justizopfers offenbar werden zu lassen.

       

      Stab und Besetzung

      Harry Wörz Rüdiger Klink
      Hubert Gorka Felix Klare
      Anke Wörz Katja Bürkle
      Silke Wörz Mirjam Dilg
      Bernhard Mader Artus-Maria Matthiessen
      Hannelore Wörz Irene Rindje
      Horst Wörz Manfred Krüger
      Rechtsanwalt Klaus Schroth Klaus Schindler
      Kriminalhauptkommissar Konrad Patrick von Blume
      Kriminalhauptkommissar Häussler Michael Krabbe
      Walter Sebastian Freigang
      Regie Till Endemann
      Musik Enis Rotthoff
      Kamera Lars R. Liebold
      Buch Holger Joos und Till Endemann

      Gräfenhausen bei Pforzheim, am Morgen des 29. April 1997: Harry Wörz wird beim Verlassen seiner Wohnung von einem großen Polizeiaufgebot erwartet und sofort festgenommen. Er soll die Polizistin Silke, mit der er noch verheiratet ist, aber nicht mehr zusammenlebt, in der Nacht zuvor aufgesucht und so fest mit einem Schal gewürgt haben, dass sie schwere Verletzungen davontrug.

      Harry Wörz weiß nicht, wie ihm geschieht. Zwar beteuert er in den Vernehmungen seine Unschuld. Aber für die Polizei, darunter viele Kollegen Silkes, steht er als Täter praktisch fest. Alle Spuren, die am Tatort sichergestellt wurden, lassen sich in diese Richtung interpretieren. Silke wird nie sagen können, wer sie angriff: Sie ist durch die Strangulation bleibend geschädigt. Harry Wörz wird angeklagt, denn die Staatsanwaltschaft schließt sich der Einschätzung der Polizei an. Dass er auf seiner Unschuld beharrt und die Aussagekraft der Indizien bezweifelt, hat keinerlei Folgen.

      In einem kurzen Strafprozess wird er wegen versuchten Totschlags zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Die Revision gegen das Urteil wird abgewiesen, Harry Wörz bleibt in Haft. Als ein Jahr später seine ehemaligen Schwiegereltern eine Zivilklage anstrengen, um Schmerzensgeld von ihm zu erstreiten, will er sich schon gar nicht mehr wehren. Doch seine Eltern und der Kreis seiner Freunde, die überzeugt davon sind, dass er zu Unrecht im Gefängnis sitzt, machen Harry Wörz Mut für den erneuten Prozess.

      Vertreten soll ihn darin ein junger Anwalt: Dr. Hubert Gorka, der seinen neuen Mandanten davon überzeugen kann, dass der Zivilprozess auch eine Chance sein könne. Denn die Richter würden den Fall und die Indizienlage ganz eigenständig beurteilen. Wörz fasst neue Zuversicht. Zu Recht. Tatsächlich gelingt es Hubert Gorka in dem Zivilprozess, die Schwachstellen in der Ermittlungsarbeit der Polizei herauszuarbeiten. Der Richter hakt nach, bewertet die Indizien und kommt zu dem Schluss, dass Zweifel an der Täterschaft von Harry Wörz bestehen. Damit ist die Klage abgewiesen. Das ist ein Durchbruch.

      Harry Wörz gewinnt neuen Mut und Hubert Gorka - entschlossen, das Beste für seinen Mandanten zu erstreiten - will die Ergebnisse des Prozesses nutzen, um ein Wiederaufnahmeverfahren für den Strafprozess anzustrengen. Er ist überzeugt davon, dass die Justiz im Fall Harry Wörz ihre Macht missbraucht hat. Was sich anschließt, ist ein Marathon aus Anträgen, Abweisungen und verschleppten Prozessterminen, der Harry Wörz zunehmend zermürbt. Es dauert viereinhalb Jahre, bis es ein tragfähiges positives Zeichen gibt: Die Haftstrafe wird ausgesetzt. Von einem auf den anderen Moment kommt Harry Wörz vorübergehend frei, weil das Gericht einen Erfolg des Wiederaufnahmeverfahrens für wahrscheinlich hält.

      Er muss ganz neu anfangen, hat kein Zuhause, keine Arbeit, keinen Besitz mehr und das Verhältnis zu seinem Sohn ist schwierig, weil der von den Großeltern gelernt hat, dass sein Vater am Unglück der Mutter Schuld hat.
      Glücklicherweise gibt es viele Menschen, die zu ihm halten, die von ihm und seinem redlichen und offenen Charakter überzeugt sind. Und er lernt an seinem ersten Silvesterabend in Freiheit Anke kennen. Die beiden verlieben sich und ihre Beziehung hält auch der Belastung der zermürbenden Wartezeit stand. Inzwischen kennt sich Harry Wörz in seinen Prozessakten mindestens genauso gut aus wie sein Anwalt. Er hat sie abgeschrieben, bis in kleinste Verästelungen untersucht. Die Akten bilden inzwischen ein Rückgrat in seinem Leben. Sie sind auch dabei, als endlich das Wiederaufnahmeverfahren anläuft, das Hubert Gorka erstritten hat. Es endet mit einem Freispruch.

      Doch obwohl immer deutlicher wird, dass Beweisstücke verschwunden sind, Akten verwechselt wurden und eine Vielzahl von Ermittlungsfehlern passiert sind, lässt das Gericht erkennen, dass es Harry Wörz trotzdem für den Schuldigen hält. In der Revision wird das Urteil wieder aufgehoben. Nun ist es Hubert Gorka, der drauf und dran ist, zu resignieren. Vielleicht wäre Harry Wörz mit einem anderen Anwalt besser gedient? Wörz dagegen hat neue Kraft geschöpft. Er will weitermachen, und zwar mit Hubert Gorka. Erst vier Jahre später wird Harry Wörz freigesprochen.

      Diesmal stellt das Gericht unmissverständlich fest, dass er unschuldig ist und nie hätte verurteilt werden dürfen. Dieses Urteil wird auch in der Revision bestätigt. Harry Wörz ist endgültig frei. An den Folgen von 13 Jahren in den Mühlen der Justiz aber wird er noch lange zu tragen haben.

      ___

      ARD-Themenwoche 2018 „Gerechtigkeit“

      Gerechtigkeit und Chancengleichheit in unserer Gesellschaft - darum geht es in der ARD-Themenwoche vom 11. bis 17. November 2018. "Gerechtigkeit ist ein Thema, das alle angeht", so NDR-Intendant Lutz Marmor, dessen Sender in diesem Jahr federführend für die Themenwoche ist. Volker Herres, Programmdirektor des Ersten, erklärt: "Eine Gesellschaft hält nur zusammen, wenn jeder sich in seiner Würde gerecht behandelt fühlt."
      Alle Fernseh- und Radioprogramme sowie die Online-Angebote der ARD beschäftigen sich vielfältig mit dem Thema und laden zur Diskussion ein. Die Genres reichen von dokumentarisch bis fiktional, von informativ und investigativ bis unterhaltsam und spielerisch. Die ARD-Themenwoche gibt es seit 2006 – ihr Ziel ist es, gesellschaftlich relevante Fragen breit und vielfältig aufzunehmen, viele Menschen damit zu erreichen und nachhaltig eine öffentliche, sachliche Diskussion anzustoßen.

      Wird geladen...
      Wird geladen...
      Sonntag, 11.11.18
      23:35 - 01:05 Uhr (90 Min.)
      90 Min.

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 05.12.2020