• 30.12.2012
      15:45 Uhr
      Kitzbühel - Ein Wintermärchen SR Fernsehen
       

      "Almabtrieb? Das machen die in Reit im Winkl oder Sankt Johann. In Kitzbühel ist das ganze Jahr lang nur 'Auftrieb'", meint Josef Gruber schmunzelnd. Er muss es wissen. Von Kitzbühels höchstem Almhof aus hat der Bauer einen wunderbaren Überblick über das ganze Tiroler Tal. Und seine Frau Anna fügt hinzu: "In Kitzbühel, da fahren selbst die Kühe Ski, sagt man."

      Sonntag, 30.12.12
      15:45 - 16:45 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      Stereo

      "Almabtrieb? Das machen die in Reit im Winkl oder Sankt Johann. In Kitzbühel ist das ganze Jahr lang nur 'Auftrieb'", meint Josef Gruber schmunzelnd. Er muss es wissen. Von Kitzbühels höchstem Almhof aus hat der Bauer einen wunderbaren Überblick über das ganze Tiroler Tal. Und seine Frau Anna fügt hinzu: "In Kitzbühel, da fahren selbst die Kühe Ski, sagt man."

       

      Ein wenig verrückt ist die Welt in der 9000-Seelen-Gemeinde schon: Innerhalb der vergangenen Jahrzehnte hat sich Kitzbühel vom Dorf zu einer der teuersten Städte in ganz Österreich entwickelt. Der Preis für Baugrund kann sich mit dem europäischer Metropolen messen. 600.000 Übernachtungen bei knapp 10.000 Hotelbetten allein im Winter: Kitzbühel ist ein Mekka für prominente Urlauber und Pauschaltouristen. In den Straßen und Gassen der herausgeputzten Altstadt reihen sich exklusive Modeläden, noble Restaurants und Hotels aneinander. Und in der Saison wird rund um die Uhr gefeiert. Kitzbühel, von seinen VIP's kurz "Kitz" genannt, gilt als mondän und als ein wenig verrucht. Gunter Sachs war da, ebenso wie die Romy Schneider oder Arnold Schwarzenegger. Heute sind es Prominente wie Franz Beckenbauer oder Uschi Glas - und milliardenschwere Russen, die Fünf-Sterne-Hotels hochziehen lassen.

      Bürgermeister Klaus Winkler versucht, zwischen den Bedürfnissen der auf Events programmierten Urlauber und denen der verbliebenen Einheimischen zu vermitteln, streitet für bezahlbare Wohnungen und fürs traditionelle Image der Stadt. "Geschichte verpflichtet", meint er. Immerhin ist Kitzbühel gut 800 Jahre alt. Kupferabbau und der Handel hatten den Ort bereits im Mittelalter wohlhabend gemacht. Und die Natur zwischen dem Kitzbüheler Horn, der Bichlalm, dem Hahnenkamm und dem Schwarzsee mit einem Panoramablick auf das Kaisergebirge hat ihren Charme bewahrt.

      Auch ein Grund, dass Originale wie Hermann Pichler ihrem Dorf die Treue halten. Mitten in der glitzernden Altstadt führt er das "Huber-Bräu", eine alteingesessene Schänke mit Tiroler Kost zu bürgerlichen Preisen. Bepi Eberharter macht noch als Pensionär aus bester Milch aromatischen Bergkäse, Fini Sulzenbacher, die erste grüne Gemeinderätin Kitzbühels, kämpft jetzt für Jugendklubs und der frühere Knecht und Bauer Lois Vötter hat noch im hohen Alter Fahrrad- und Skifahren gelernt. Selbst der weltgewandte Abenteurer Horst Ebersberg, der viele Jahre in Hollywood als Schauspieler und Schriftsteller arbeitete, kehrte wieder in seine Heimatstadt zurück. Tiroler gelten als bodenständig und stur. Die alten Kitzbüheler zudem als ein wenig wehmütig. Die "goldenen Jahre" nach dem Zweiten Weltkrieg, als einheimische Burschen als "Ski-Wunderteam" um den legendären Toni Sailer Sporttrophäen einsammelten, sind vorbei. "Zu reich, zu satt sind die Jungen heutzutage hier", bemerkt Schlagerstar Hansi Hinterseer, der in seiner Jugend selbst Medaillen einfuhr. "Und merkwürdig, wie ruhig es jetzt auf den Pisten zugeht", meint Ski-Legende Karl Koller: "Urlaub und Sport sollen doch Spaß machen. Früher, da haben wir auf der Piste viel gelacht."

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      Sonntag, 30.12.12
      15:45 - 16:45 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      Stereo

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