• 29.08.2012
      00:00 Uhr
      Nachtcafé Thema: Horror Demenz - Moderation: Wieland Backes | SR Fernsehen
       

      Zu Gast:

      • Alexander Wussow, Sohn des verstorbenen Klausjürgen Wussow, der an Demenz litt
      • Prof. Hans Förstl, Demenz-Experte
      • Helga Rohra, Alzheimer-Patientin
      • Irmgard Karg, pflegt ihren dementiellen Mann
      • Arno Geiger, Schriftsteller
      • Gottlob Schober, Journalist
      • Margit Hespeler, pflegt den an Demenz erkrankten Rhetorikprofessor Walter Jens

      Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 29.08.12
      00:00 - 01:30 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

      Zu Gast:

      • Alexander Wussow, Sohn des verstorbenen Klausjürgen Wussow, der an Demenz litt
      • Prof. Hans Förstl, Demenz-Experte
      • Helga Rohra, Alzheimer-Patientin
      • Irmgard Karg, pflegt ihren dementiellen Mann
      • Arno Geiger, Schriftsteller
      • Gottlob Schober, Journalist
      • Margit Hespeler, pflegt den an Demenz erkrankten Rhetorikprofessor Walter Jens

       

      Demenz ist die Volkskrankheit unserer alternden Gesellschaft. Fünf Millionen Menschen in Deutschland haben bereits heute ein Alzheimerkrankes Familienmitglied. Und behalten die Demografen recht, wird sich die Zahl bis 2050 verdreifachen. Gleichzeitig bietet die Medizin bisher nur wenig Hoffnung. Wie sollen wir so lernen, mit dieser Krankheit zu leben - als möglicherweise einmal selbst Betroffene und als Angehörige? Wie die Patienten selbst ihre Lebensqualität, ihren Leidensdruck empfinden, darüber weiß man im Moment sehr wenig. Großen Anteil daran hat sicherlich der Aspekt, wie und wo die Betroffenen gepflegt werden. Deutschlands Gesundheitspolitiker haben dabei lange auf die Angehörigen gebaut: 720.000 Demenzkranke werden derzeit zu Hause gepflegt. Viele haben aber auch keine Alternative. Ihnen fehlt das Geld für eine gute Heimunterbringung, häufig betreiben sie Selbstausbeutung bis zum Burnout. Wie können wir unter diesen Voraussetzungen ein möglichst gutes Leben führen? Wie können wir lernen, mit der Angst vor dem Verlust von Kompetenzen und dem gewohnten Lebensstil umzugehen?

      Die Gäste

      • Alexander Wussow

      Der Schauspieler Alexander Wussow fragt sich, warum ausgerechnet sein Vater Klausjürgen Wussow an Demenz erkrankte. Der Publikumsliebling aus der "Schwarzwaldklinik" war Zeit seines Lebens geistig und körperlich aktiv, umso schmerzhafter erinnert sich der Sohn an dessen rapiden Verfall. "Am Ende saß ich tagelang schweigend an seiner Seite. Es war sehr schlimm, diesen einst so vitalen Vater so hilflos zu erleben."

      • Prof. Hans Förstl

      Der Demenz-Experte Prof. Hans Förstl vertritt die Meinung: "Jeder bekommt Demenz, wenn er nur alt genug wird." Dennoch warnt er vor Hysterie und besteht auf einen Unterschied zwischen normaler Vergesslichkeit und deren krankhafter Form. Auch wenn die Medizin bisher noch wenig Hoffnung bietet, in die Zukunft blickt der Forscher optimistisch: "In zwanzig Jahren wird man die Demenz mit einer Impfung vielleicht aufhalten können."

      • Helga Rohra

      Eine mögliche Impfung kommt für Helga Rohra zu spät. Die 57-jährige bekam vor drei Jahren die Diagnose Demenz. Der Schock saß zunächst tief, doch die ehemalige Übersetzerin ließ sich nicht unterkriegen und kämpft seitdem aktiv gegen den wachsenden Zerfall ihres Gehirns an. "Die Diagnose ist nicht das Ende. Daher möchte ich anderen Betroffenen Mut machen."

      • Irmgard Karg

      Für Irmgard Karg dagegen ist die Krankheit der blanke Horror. Seit fünf Jahren pflegt die 72-Jährige ihren an Alzheimer erkrankten Mann weitgehend alleine: Vom Zähneputzen am Morgen bis zum Umziehen am Abend. Neben der körperlichen Belastung ist für sie der seelische Schmerz das Schlimmste: "Er ist nicht mehr mein Mann und Gesprächspartner, sondern wie ein Kind."

      • Arno Geiger

      Ganz anders erlebt es der preisgekrönte Schriftsteller Arno Geiger. Seit mittlerweile über zehn Jahren begleitet er seinen dementiellen Vater - seine Beobachtungen veröffentlicht er nun in seinem neuen Roman. "Die dementiellen Menschen entwickeln sich nicht zurück, sie entwickeln sich anders", ist das Fazit des Österreichers. Mit dieser Einstellung schafft er es, trotz Fortschreitens der Krankheit, mit seinem Vater wertvolle Dialoge zu führen.

      • Gottlob Schober

      Von katastrophalen Zuständen in deutschen Pflegeheimen dagegen berichtet Gottlob Schober. Der investigative Journalist recherchierte vor Ort und erlebte zum Teil den blanken Horror: Ans Bett gefesselte Menschen, mit Medikamenten ruhig gestellt; unter Druck gesetzte und überforderte Pfleger. Er klagt an: "Es ist abstrus, dass mit schlechter Pflege in Deutschland so viel Geld verdient wird."

      • Margit Hespeler

      Eine Pflege der besonderen Art genießt dagegen der Tübinger Rhetorikprofessor Walter Jens: Margit Hespeler, eine resolute Bäuerin aus Mähringen, hilft rund um die Uhr, den mittlerweile schwer dementen Mann zu versorgen. Nachts schläft sie im Hause der Familie Jens, tagsüber nimmt sie ihn mit auf ihren Hof und verwöhnt ihn mit ihrem besten Käsekuchen: "Man muss für so einen Menschen drei Mal mehr Liebe haben, als für einen anderen!"

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      Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 29.08.12
      00:00 - 01:30 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

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