• 07.03.2012
      00:35 Uhr
      Nachtcafé Thema: Vermisst, verlassen, verschwunden - Die SWR Talkshow | SR Fernsehen
       

      Fast täglich verschwinden Menschen: Der Ehemann, der kurz Zigaretten holen geht und nicht zurückkehrt, der Urlauber, der im Jemen entführt und nie mehr gefunden wird, die Tochter, die vom Schulweg nicht nach Hause kommt. Absicht oder Zufall?

      Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 07.03.12
      00:35 - 02:05 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      VPS 00:00
      Stereo

      Fast täglich verschwinden Menschen: Der Ehemann, der kurz Zigaretten holen geht und nicht zurückkehrt, der Urlauber, der im Jemen entführt und nie mehr gefunden wird, die Tochter, die vom Schulweg nicht nach Hause kommt. Absicht oder Zufall?

       

      Freiwillig oder nicht? Für die Zurückgebliebenen ist das plötzliche Verschwinden des Kindes, Partners oder Freundes schmerzhaft: Sie sind allein mit ihren Ängsten und den Fragen nach dem "Wie" und dem "Warum". Oft verzweifelt fahnden die Verlassenen nach ihren Angehörigen - setzen Detektive an, bieten Belohnungen, kleben Plakate. In vielen Fällen tauchen die Vermissten irgendwann wieder auf, doch manchmal bleiben Menschen auch verschwunden - für die Zurückgelassenen eine Wunde, die niemals heilt. Was bringt Menschen dazu, einfach zu verschwinden? Was fühlen die Zurückgebliebenen, wenn es keine Gewissheit gibt? Wie geht man damit um, wenn ein Vermisster plötzlich wieder auftaucht?

      Gäste:

      • Michael Jäger

      Der Schauspieler Michael Jäger war vier Jahre alt, als ihn seine Mutter in einem Heim abgab und nie zurück kam. Dieses traumatische Erlebnis zerstörte sein Urvertrauen nachhaltig - als Heranwachsender trieb er sich herum, wurde zum Hooligan und bewegte sich in der rechten Szene. Auch ein spätes Wiedersehen mit seiner Mutter konnte die entstandene Lücke nicht mehr schließen. Er sagt: "Ich kann es bis heute nicht verstehen!"

      • Dagmar Funke

      Seit dem 13. Februar 1996 ist Dagmar Funkes Leben zerstört: An diesem Tag verschwand ihre geliebte Tochter Debbie auf dem Heimweg von der Schule. Nie fand die Polizei auch nur die kleinste Spur von der damals Achtjährigen. Der Schicksalsschlag hatte furchtbare Folgen für die Familie: Die Ehe zerbrach, und Dagmar Funke versuchte mehrfach, sich das Leben zu nehmen. "Ich hoffe immer noch, dass ich irgendwann erfahre, was mit Debbie passiert ist", sagt sie.

      • Michael Kopper

      Der Psychotherapeut Michael Kopper kennt die Nöte von Eltern vermisster Kinder. Vor allem die Mütter litten furchtbare Qualen, wenn ihr Kind nicht mehr heimkäme: "Frauen stellen sich alle denkbaren schrecklichen Szenarien vor, in denen ihr Kind sich befinden könnte. Das tun Männer nicht in dem Maße." Das Dilemma der Eltern läge zum einen in dem Bedürfnis, die Hoffnung auf ein Wiedersehen nicht aufzugeben und dennoch einen Abschluss finden zu müssen.

      • Maria Graff

      Sie weiß heute noch nicht, was ihren Mann Wolfgang dazu brachte, sie und die Kinder eines Tages zu verlassen. Er verschwand spurlos bei der Arbeit, nur ein Mal traf die Polizei ihn bei einer Routinekontrolle an. Doch er suchte nie mehr Kontakt zu seiner Familie. Maria Graff ist überzeugt: "Er hat sich irgendwo ohne uns ein neues Leben aufgebaut!"

      • Björn kam mit seinem Vater und dessen neuer Frau immer weniger klar - nach einem Kurzaufenthalt in einem Heim riss der 17-Jährige aus, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Quer durch Europa, ohne Geld und Fahrkarten verließ er sich allein auf Freunde, die er sich unterwegs machte. Nach sieben Monaten auf der Straße erkannte er: "Diese Freiheit ist wie eine Sucht!" - und kehrte zurück.

      • Tobias Ritter

      Er musste gleich zweimal erleben, wie seine zwei Söhne von einem Moment auf den anderen spurlos verschwanden. Beide Male wurden die Jungen von ihrer Mutter entführt, von der Ritter seit 2007 getrennt lebt. Die Italienerin versteckte ihre Söhne sogar monatelang in Slowenien, ohne selbst bei ihnen zu sein. Doch Ritter gab nicht auf und fand die Kinder vor etwa einem Jahr wieder.

      An der Bar: Hannes Feigl

      • Hannes Feigl war ein ganz normaler Ehemann - dachte seine Frau Sieglinde. In Wirklichkeit war der Unternehmer pleite. Die einzige Lösung sah er darin, heimlich wegzugehen. Ohne Abschiedsbrief, ohne auch nur ein Mal anzurufen. Erst zufällig wurde er entdeckt: Feigl verkaufte mittlerweile Teppiche in Tunesien. Erst nach vielen Gesprächen konnte er sein Verschwinden mit seiner Frau bereinigen: "Ich hielt mich für einen totalen Versager!" sagt er heute rückblickend.

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      00:35 - 02:05 Uhr (90 Min.)
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