• 25.02.2012
      06:00 Uhr
      Schätze der Welt - Erbe der Menschheit Kirchen aus Holz - Die Stabkirche von Urnes und Kishi Pogost (Norwegen/Russland) | SR Fernsehen
       

      Auf einer Landzunge, die tief in den Luster-Fjord reicht, steht die älteste Holzkirche Norwegens - die Stabkirche von Urnes. Von den 750 mittelalterlichen Holzkirchen zum Zeitpunkt der Reformation stehen heute noch knapp 30.

      Samstag, 25.02.12
      06:00 - 06:30 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      Auf einer Landzunge, die tief in den Luster-Fjord reicht, steht die älteste Holzkirche Norwegens - die Stabkirche von Urnes. Von den 750 mittelalterlichen Holzkirchen zum Zeitpunkt der Reformation stehen heute noch knapp 30.

       

      Und obwohl archäologische Funde beweisen, dass es überall Stabkirchen in Nordeuropa gab, blieben sie nur in Norwegen erhalten.

      Vor über 850 Jahren ist die Stabkirche von Urnes gebaut worden. Auf einem besonderen Platz. Man nimmt an, dass hier bereits früher ein heidnisches Heiligtum gestanden hat. Diese Kirche ist nicht unbedingt typisch - keine Drachenköpfe, keine rätselhaften vorchristlichen Masken. Ihre Bögen und Kapitelle erinnern eher an eine romanische Basilika aus Stein. Die Vorbilder stehen in Rom, Ravenna oder Avignon, nicht in Skandinavien.

      Was die kleine Kirche einzigartig macht, sind ein Portal und einige Wandplanken. Sie stammen von der Vorgängerkirche, die gerade hundert Jahre alt war, als man sie aus unbekanntem Grund abriss. Beim Bau der neuen Kirche wurden Bauteile der alten verwendet. Ihr Schnitzwerk ist einmalig, und der Name Urnes-Stil bezieht sich heute auf alle Arbeiten des Mittelalters, in der man diese Art von ineinander verschlungenem Getier und Gewächs wiederfindet. Nie jedoch in solcher Vollendung wie am Nordportal der Stabkirche von Urnes.

      Kishi Pogost im Onega-See. Während der eisfreien Zeit erreicht man die Insel im Norden Russlands mit dem Boot von Petrosawodsk aus. Kishi heißt auf deutsch Insel und mit Pogost bezeichnete man im alten Russland eine Verwaltungseinheit. Heute bedeutet Pogost jedoch "Friedhof mit Kirche".

      Herausragendes Bauwerk ist die 35 Meter hohe Verklärungskirche, die von 22 Kuppeln bekrönt wird. Sie gilt als der kühnste erhaltene Holzbau Russlands. Er wird dem legendären Baumeister Nestor zugeschrieben, der nach der Fertigstellung 1714 seine Axt weit in den Onega-See geschleudert haben soll: "So eine gab es nie, es gibt keine zweite und es wird nie eine geben", hat er angeblich dabei gerufen.

      Insgesamt gibt es etwa 60 historische Holzbauten in Kishi. Die wenigsten stehen an ihrem angestammten Platz, sie kamen von anderen Inseln oder vom Festland. Blockhäuser kann man leicht auseinandernehmen und wieder aufbauen. Eine Versuchung, der die Historiker der Nachkriegszeit nicht widerstehen konnten. Die großen Bauernhäuser, an denen sie interessiert waren, gehörten niemandem. Ihre Eigentümer, nach sowjetische Auffassung reiche Bauern, "Kulaken", waren meist in den dreißiger Jahren vertrieben oder verhaftet worden. So bewahrte man Baudenkmäler und schuf gleichzeitig ein künstliches Reservat russischer Holzkultur. Kishi Pogost ist ein Freilichtmuseum.

      Der Film zeigt auch wie schwierig es ist diese Holzbauten zu erhalten. So wäre die Verklärungskirche ohne das Gerüst in ihrem Inneren schon längst eingestürzt. Die meisten der Balken sind völlig morsch. Seit Jahrzehnten wird gestritten wie die Kirche vor dem Verrotten zu bewahren sei. Soll man die Kirche einfach auseinander nehmen und wieder aufbauen?

      Die wertvollsten Natur- und Kulturdenkmäler der Welt schützt die UNESCO seit 1972 als "Erbe der Menschheit". Die Fernsehreihe "Schätze der Welt" erzählt von diesen Orten in eindrucksvollen Bildern.

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      Samstag, 25.02.12
      06:00 - 06:30 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

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