• 17.02.2018
      10:15 Uhr
      Nachtcafé Keine Rücksicht, kein Respekt - werden wir immer asozialer? | SR Fernsehen
       

      Pöbeleien, Beleidigungen und Bedrohungen gehören heute für viele Polizisten, Lehrer und Rettungskräfte zum Alltag. Sie werden verhöhnt und beschimpft, körperliche Übergriffe häufen sich. Auch im Internet tut sich ein riesiger Sumpf der Verachtung auf. Ohne Skrupel wird unter dem Deckmantel der Anonymität dem Hass auf Andersdenkende freien Lauf gelassen. Es scheint, als haben Mangel an Respekt und eine zunehmende Rücksichtlosigkeit in unserer Gesellschaft eine neue Dimension erreicht.

      Samstag, 17.02.18
      10:15 - 11:45 Uhr (90 Min.)
      90 Min.

      Pöbeleien, Beleidigungen und Bedrohungen gehören heute für viele Polizisten, Lehrer und Rettungskräfte zum Alltag. Sie werden verhöhnt und beschimpft, körperliche Übergriffe häufen sich. Auch im Internet tut sich ein riesiger Sumpf der Verachtung auf. Ohne Skrupel wird unter dem Deckmantel der Anonymität dem Hass auf Andersdenkende freien Lauf gelassen. Es scheint, als haben Mangel an Respekt und eine zunehmende Rücksichtlosigkeit in unserer Gesellschaft eine neue Dimension erreicht.

       

      Pöbeleien, Beleidigungen und Bedrohungen gehören heute für viele Polizisten, Lehrer und Rettungskräfte zum Alltag. Sie werden verhöhnt und beschimpft, körperliche Übergriffe häufen sich. Auch im Internet tut sich ein riesiger Sumpf der Verachtung auf. Ohne Skrupel wird unter dem Deckmantel der Anonymität dem Hass auf Andersdenkende freien Lauf gelassen. Es scheint, als haben Mangel an Respekt und eine zunehmende Rücksichtlosigkeit in unserer Gesellschaft eine neue Dimension erreicht. Und dieses Verhalten zieht sich durch alle Schichten. Es ist eben nicht immer nur der Bildungsverlierer aus sozial schwierigen Verhältnissen, sondern genauso der Wohlstandspross aus angeblich bestem Hause. Mit einer Überheblichkeit und elitärem Gebaren geht er ganz automatisch davon aus, dass ihm qua Geburt Sonderregelungen zustünden. "Das gilt doch nicht für mich" - diese weit verbreitete Haltung haben auch die gestressten, gehetzten und oft gereizte Eltern, die ihr Auto unmittelbar vor der Kita in der Feuergasse parken, damit sie ohne viel Zeitverlust ihre Kleinen abgeben können. Auch im Sport ist eine deutliche Verrohung spürbar. Immer mehr Schiedsrichter fühlen sich bedroht und Aggressionen ausgesetzt. Dabei soll es doch gerade im Freizeitbereich um Erholung, Stressabbau und Spaß gehen. Anstand, Höflichkeit, Herzenswärme - generell ein Denken im "Wir" scheint immer mehr abhanden zu kommen. Stattdessen machen sich Rücksichtslosigkeit, Egoismus und Ignoranz in den verschiedensten Lebensbereichen unserer Gesellschaft breit. Warum nimmt die Gewaltbereitschaft zu und die Empathie ab? Tolerieren wir zu viel? Was muss anders werden?

      Während das Leben von Thomas Funkes kleinem Sohn am seidenen Faden hing und Sanitäter das 18 Monate alte Kind wiederbelebten, rastete ein Autofahrer völlig aus. Weil er durch die Reanimation im Rettungswagen an seiner Weiterfahrt gehindert wurde, pöbelte und bedrohte der aggressive Mann die Sanitäter und demolierte sogar während des Noteinsatzes den Krankenwagen. „Ich bin unfassbar wütend. Es zeigt, dass selbst der Respekt vor Rettungskräften in der Gesellschaft nachgelassen hat“, so der Vater.

      Eine sinkende Hemmschwelle und immer weniger Achtung vor seinem Beruf - das musste auch Andreas Kartzke-Peters feststellen. Lange Jahre war er Polizist mit Leidenschaft und Überzeugung, doch nach 18 Jahren Polizeidienst hatte es der Kriminaloberkommissar satt, ständig beschimpft, angegriffen und bedroht zu werden. Vor zehn Monaten hängte der 49-Jährige schließlich seine Uniform an den Nagel und zog einen endgültigen Schlussstrich: „Zuletzt hat es mich tagtäglich Überwindung gekostet, meinen Dienst anzutreten.“

      Dass nicht nur auf der Straße, sondern auch in Deutschlands Schulen ein viel schärferer Wind weht als früher, das kann auch Brigitte Röder bestätigen. 13 Jahre war sie Rektorin an einem Ulmer Gymnasium und spürte, wie sich zusehends das Klima veränderte: „Der Umgang unter den Schülern ist ruppiger und respektloser geworden. Es gibt mehr verhaltensauffällige Kinder als früher und zunehmend überforderte Eltern.“

      Rüpelhaftes Benehmen und keinerlei Anstand – dieses Verhalten fällt Monika Doelitzsch verstärkt auch in bildungsbürgerlichen Kreisen auf. Oft werde schon bei Kleinkindern die Erziehung vernachlässigt und auch generell fehle es der Gesellschaft an wegweisenden Vorbildern, so die Rentnerin: „Wir leben in einer egoistischen Gesellschaft, bei der sich jeder Einzelne für viel zu wichtig hält. Stattdessen sollten wir wieder lernen, uns als Teil eines größeren Ganzen zu sehen.“

      Handeln, wenn andere tatenlos zusehen oder gar absichtlich wegsehen – André Legenhausen griff selbstlos ein, zeigte Zivilcourage und rettete dadurch ein Menschenleben. Denn als ein PKW in einen Weiher stürzte, zögerte der Bankangestellte nicht, sprang ins Wasser und zerrte den Autofahrer aus dem sinkenden Wagen: „In Not zu helfen, ist für mich eine Selbstverständlichkeit.“ Auf die Unterstützung dutzender Passanten konnte er nicht zählen, ein Gaffer filmte sogar seine Rettungsaktion mit dem Handy.

      „Nicht nur die Sensationslust hat zugenommen, sondern auch Gewaltbereitschaft, Vernichtungswut und die Lust, andere Menschen abzuwerten.“ Die Forensikerin Dr. Nahlah Saimeh stellt einen Trend zu einer massiven Rücksichtslosigkeit fest. Gerade in der Anonymität des Internets breite sich Hass und Menschenverachtung zunehmend aus - auch gegenüber Menschen, die unsere Gesellschaft zusammenhielten und sich für Andere engagierten, so die Fachärztin für Psychiatrie.

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