• 23.04.2018
      22:00 Uhr
      45 Min Vollgas brutal - Was tun gegen Rüpel und Raser? | Radio Bremen TV
       

      Neben Staaten wir Nordkorea und Somalia gehört Deutschland zu den wenigen Ländern der Erde, auf denen kein Tempolimit gilt. Immer mehr Autos müssen sich diese große Freiheit auf unseren Schnellstraßen teilen, und das führt zu immer raueren Sitten: Rasen, Drängeln und ständig noch mehr riskieren - auf Kosten der Schwächeren. Warum können wir mit der Freiheit auf unseren Straßen so schlecht umgehen?

      Montag, 23.04.18
      22:00 - 22:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.

      Neben Staaten wir Nordkorea und Somalia gehört Deutschland zu den wenigen Ländern der Erde, auf denen kein Tempolimit gilt. Immer mehr Autos müssen sich diese große Freiheit auf unseren Schnellstraßen teilen, und das führt zu immer raueren Sitten: Rasen, Drängeln und ständig noch mehr riskieren - auf Kosten der Schwächeren. Warum können wir mit der Freiheit auf unseren Straßen so schlecht umgehen?

       

      Stab und Besetzung

      Regie Lutz Wetzel
      Produktion Tim Carlberg
      Autor Lutz Wetzel
      Redaktionelle Leitung Jochen Graebert
      Redaktion Jochen Graebert

      Neben Staaten wir Nordkorea und Somalia gehört Deutschland zu den wenigen Ländern der Erde, auf denen kein Tempolimit gilt. Immer mehr Autos müssen sich diese große Freiheit auf unseren Schnellstraßen teilen, und das führt zu immer raueren Sitten: Rasen, Drängeln und ständig noch mehr riskieren - auf Kosten der Schwächeren. Entspannt gleiten wir über die ruhigen Straßen im europäischen Ausland, auf denen eine Geschwindigkeitsbegrenzung gilt - aber kaum sind wir wieder auf der deutschen Autobahn, sind die Rüpelmanieren präsent: Bleifuß, dichtes Auffahren, Telefonieren und Emails checken am Steuer, Gaffen, Rücksichtslosigkeit. Warum werden wir zu Ungeheuern auf vier Rädern? Warum können wir mit der Freiheit auf unseren Straßen so schlecht umgehen?

      Eine Erkundung tief in das Seelenleben des deutschen Autofahrers: Wir haben bekennende Schnellfahrer, ertappte Raser und bekehrte Temposünder aufgesucht und sie über ihre Motivation erzählen lassen. Einer von ihnen soll eine Zivilstreife mit 180 km/h in der 70er-Zone riskant überholt haben. Wie geht so ein Gerichtsverfahren aus? Was rät ihm der Verkehrspsychologe? Kennt der Anwalt ein paar Tricks, um den Führerscheinentzug zu vermeiden?

      "Die Deutschen sind im Straßenverkehr prinzipiell rechthaberisch", sagt der Unfallforscher Siegfried Brockmann, "und sie nehmen jedes Hupen persönlich." In seiner Umfrage haben viele Deutsche sich dazu bekannt, im Straßenverkehr aggressiv zu sein. Die Konsequenzen sind sichtbar: "Die Unfälle nehmen nicht zu, aber ihre Folgen werden immer schlimmer, weil gnadenlos gerast wird", erklärt Autobahnpolizist Werner Johannes. Seit 26 Jahren macht er Dienst an der A1. Er hat viele furchtbare Unfälle gesehen. Für ihn gibt es nur ein Mittel, um die Verkehrsdisziplin auf deutschen Straßen zu erhöhen: "Nicht die Bußgelder erhöhen, sondern den Führerschein schneller entziehen. Bei jedem schweren Crash, den ich sehe, denke ich: Hätte wir Tempo 130 auf den Autobahnen, würden so viele Menschen noch leben."

      So wie Lucia Lüchow und ihre 15-jährige Tochter Sofia. Bei einer Fahrt in den Urlaub an der Ostsee wurde ihr Kleinwagen auf der A20 bei Rostock von einem Audi mit etwa 200 km/h von der Straße gerammt. Beide Frauen starben. Was bedeutet solch Drama für die Angehörigen? Wie geht deren Leben weiter? Die Familie der Opfer und eine Überlebende des Unfalls berichten, wie diese Tragödie ihr Leben verändert hat. Wie die unfassbare Nachricht sie erreichte und was sie gegenüber dem Unfallfahrer empfinden. "Hätte sich der Fahrer an die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h gehalten, würden die Frauen noch leben", schrieb der Gutachter.

      Warum gibt es in Deutschland kein Tempolimit? "Die Autolobby verhindert es", glauben viele. Und die Politik sei zu schwach, um es gegen die Macht der PS-Clans durchzusetzen. Der Verband der Automobilindustrie hat seine eigene Vision: "Unser Ziel ist das unfallfreie Fahren", konstatiert er. Die Realität sieht anders aus. Vollgas brutal und blutige Schrottberge gehören immer noch zum Alltag auf unseren Straßen.

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