• 22.09.2020
      23:30 Uhr
      Weltbilder Moderation: Julia-Niharika Sen | Radio Bremen TV
       

      Themen:

      • USA: Zerstörerische Waldbrände an der Westküste
      • Türkei: Kinderarbeit - schuften statt Schule
      • Albanien: Junge Menschen helfen den Armen
      • Emirate: Was die neue Freundschaft zu Israel bedeutet
      • China: Gemüseverkauf per Live-Streaming vom Feld

      Dienstag, 22.09.20
      23:30 - 00:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.

      Themen:

      • USA: Zerstörerische Waldbrände an der Westküste
      • Türkei: Kinderarbeit - schuften statt Schule
      • Albanien: Junge Menschen helfen den Armen
      • Emirate: Was die neue Freundschaft zu Israel bedeutet
      • China: Gemüseverkauf per Live-Streaming vom Feld

       

      Stab und Besetzung

      Redaktion Christiane Justus
      Nicole Bölhoff
      Produktion Tobias Jahn
      Redaktionelle Leitung Clas Oliver Richter
      • USA: Zerstörerische Waldbrände an der Westküste

      Mehr als 12.000 Quadratkilometer Fläche sind an der Westküste der USA bereits verbrannt. Noch immer wüten in Kalifornien 27 Waldbrände gleichzeitig. In diesem Jahr haben die Feuer hier bereits eine Fläche vernichtet, die zwei Millionen Fußballfeldern entspricht. Die Feuerwehrleute arbeiten oft 16 Stunden am Stück. Geschlafen wird meistens am Rande des Einsatzortes, in Zelten oder auf den Dächern der Löschfahrzeuge. Chuck Mills ist seit 22 Jahren Feuerwehrmann. Er hat eine Entwicklung beobachtet. "Die Feuer sind in den letzten paar Jahren heftiger geworden. Ich weiß nicht, ob es an der globalen Erwärmung liegt oder so, aber das ist auch ein politisches Ding. Meine persönliche Erklärung ist, dass es durch den Klimawandel bedingt ist." Die Frage nach der Ursache für die immer schlimmer werdenden Waldbrände ist in den USA auch zum Wahlkampfthema geworden. Der Demokrat Joe Biden macht vor allem den Klimawandel verantwortlich. Präsident Trump hingegen zieht schlechtes Forstmanagement als Erklärung heran. Die Feuerwehrleute vermeiden die große Politik in ihren Pausen als Gesprächsthema. Niemand will in Streit geraten. Schließlich ist Teamwork gefragt, wenn man gemeinsam gegen das Feuer kämpft.

      • Türkei: Kinderarbeit - schuften statt Schule

      Die Gesetzeslage in der Türkei ist eindeutig: Kinder unter 15 Jahren dürfen nicht arbeiten. Dennoch müssen nach offiziellen Schätzungen 700.000 Kinder regelmäßig Geld verdienen, damit ihre Familien über die Runden kommen. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus und fürchten, dass tatsächlich zwei Millionen Kinder schuften müssen. "Es geht vielen Arbeitgebern darum, möglichst billige Arbeitskräfte zu beschäftigen", klagen Gewerkschafter an. Einer von den arbeitenden Kindern ist der 13-jährige Serhat Kircan. Er sammelt Müll, damit seine Familie ihr Überleben finanzieren kann. Umgerechnet vier Euro verdient er pro Tag, das Geld geht für Lebensmittel drauf. Eine hoffnungslose Situation für den 13-Jährigen, denn einen Schulabschluss und eine gute Ausbildung wird er so nicht schaffen.

      • Albanien: Junge Menschen helfen den Armen

      Für viele arme Frauen und Kinder in den ländlichen Teilen Albaniens ist eine Freiwilligen-Organisation die letzte Rettung. Denn wenn die Männer oder die Familienclans unliebsame Angehörige verstoßen oder sogar bedrohen, dann gibt es im armen Albanien so gut wie keine Unterstützung oder ein Sozialsystem, das Hilfs- und Schutzbedürftige auffängt. Der Anwalt Arbër Hajdari hat die Hilfsorganisation "Das andere Wochenende", die sich über Spenden finanziert, gegründet. Inzwischen unterstützen ihn 12.000 Freiwillige, die alle ohne Bezahlung mitarbeiten. Über ein Notfalltelefon melden sich Frauen und Kinder zumeist mit konkreten Bitten. Dann fahren die freiwilligen Helfer*innen aufs Land, um mit Nahrung und Lebensmitteln zu helfen. Innerhalb von wenigen Tagen finden sie häufig auch eine Bleibe, damit verfolgte Frauen und ihre Kinder nicht in Kuhställen oder im Wald leben müssen. Außerdem baut die Hilfsorganisation gerade das erste Frauenhaus des Landes. Private Spender und vor allem junge Freiwillige mit viel Engagement übernehmen die Aufgaben, die der albanische Staat nicht leisten kann.

      • Emirate: Was die neue Freundschaft zu Israel bedeutet

      Die kleine jüdische Gemeinde in Dubai wächst. Und nun nehmen die Vereinigten Arabischen Emirate diplomatische Beziehungen zu Israel auf. Für viele Juden am Golf ein Befreiungsschlag. Ross Kriel genießt seinen Lieblingsstrand in Dubai nach einem langen Tag im Büro. Seit sieben Jahren schon lebt der Anwalt in Dubai, bislang eher zurückgezogen. Nun trägt er zum ersten Mal öffentlich die Kippa und fühlt sich wohl dabei: "Das ist jetzt mein Zuhause. Wir haben gelernt, hier zu leben. Als Juden zu leben." Bewegte Tage liegen hinter ihm. Gerade erst war Kriel zu Gast im Weißen Haus. Ein historischer Tag, an dem die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel ihre Annäherung besiegelten. Gerade Dubai hofft auf neue Investitionen, Geschäfte, Touristen aus Israel. Die Handelsmetropole am Golf gibt sich gerne weltoffen und tolerant. Auch deshalb konnte hier eine jüdische Gemeinde Wurzeln schlagen. Ross Kriel ist ihr Präsident. Mit dem Washingtoner Abkommen öffnen sich neue Horizonte. Nun ist die Gemeinde auch von Staats wegen anerkannt. "Wir sind jetzt die Juden der Vereinigten Arabischen Emirate. Mich packt das emotional, wenn ich nur darüber spreche", sagt Kriel. Nicht überall aber stößt das Modell von Dubai auch auf Gegenliebe. Viele Araber halten die Annäherung an Israel für Verrat an den Palästinensern. In den sozialen Netzwerken ist darüber auch viel Wut zu spüren. Der Außenminister der Emirate, Anwar Gargash, hat offenbar damit gerechnet. Der Deal polarisiere die Gesellschaft weiter, sagt er. Doch Stillstand sei auf Dauer keine Alternative: "Wer die Emirate negativ beurteilt, fühlt sich in seiner Einschätzung bestärkt. Wer sie positiv sieht, bleibt ebenfalls bei seiner Einstellung. Nur die Lautstärke der Auseinandersetzung ist ein wenig höher
      geworden." Über alle Ressentiments hinweg Brücken bauen, das hat sich Ross Kriel vorgenommen. Eine Annäherung, die Zeit braucht. Ein Anfang immerhin ist jetzt gemacht.

      • China: Gemüseverkauf per Live-Streaming vom Feld

      Als ihnen im Februar aufgrund von Corona die klassischen Verkaufskanäle wegbrachen, mussten die Landwirte in China neue erfinden. Und das taten viele. Per Livestream läuft ihr Geschäft inzwischen wie geschmiert. Einer von ihnen ist Jungbauer Wu Xiansheng. Seine armen Jahre sind vorbei. Zwei Monatsgehälter haben gereicht. Jetzt fährt er einen neuen Tesla. Sein Produkt: Enteneier. Sein Schlüssel zum Erfolg: Er steht ständig per Livestream im direkten Kontakt zu seinen Kund*innen. Über die chinesische App TikTok zeigt er seinen Arbeitsalltag live. Die potenziellen Käufer*innen können jederzeit Fragen stellen und Eier bestellen. "Dieser Verkaufskanal ist sehr gut. Viel besser als die traditionellen Wege mit den Agenten und Mittelsmännern, die dann auch alle Geld haben wollen", sagt Wu Xiansheng. Enteneier in Salz eingelegt und gedämpft sind eine chinesische Spezialität. Ein beliebter Snack für zwischendurch. Auf das Vierfache haben sie jetzt die Produktion erhöht. "Jetzt verarbeiten wir 200.000 Eier an einem Tag. Und das ist auch die Zahl an Eiern, die wir an einem Tag verkaufen können", sagt Wu Xiansheng, der in einem kleinen Fischerdorf ganz im Süden Chinas lebt. Jeder kennt sich, alle arbeiten in der gleichen Branche. Wenn sie jung sind, fischen sie. Wenn die Kräfte ausgehen, züchten sie Enten. Das ist die Arbeitsaufteilung seit Generationen. Seine Streaming-Idee kam anfangs nicht gut an, erzählt Wu: "Die Leute hier finden Livestreaming schamlos. Sie verstehen nicht, was du tust, wenn du jeden Tag in deine Kamera reinquatschst und immer mit dem Telefon rumrennst. Sie haben auf mich herabgeschaut, weil sie es nicht verstanden haben." Doch der Erfolg gibt ihm Recht. Wu ist unterhaltsam und schafft Vertrauen. Im Vormonat hat die
      Dorf-Kooperative so viel Gewinne eingefahren wie sonst in einem halben Jahr. Früher hat er sich nicht vorstellen können, als Erwachsener im ländlichen China zu bleiben. Seit er das Livestreaming en

      tdeckt hat, sieht er das anders: "Über diese Plattform können wir mit der Welt kommunizieren, unser Essen und unsere Kultur teilen und unsere Geschichte der Welt erzählen. Das ist sehr aufregend für uns."

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