• 22.04.2020
      00:00 Uhr
      After Corona Club Mit Anja Reschke und Andreas Rettig | Radio Bremen TV
       

      Wie geht es weiter mit der "schönsten Nebensache der Welt"? Auch für Fußballclubs und Fußballfans ist die Corona-Krise eine Zeit harter Einschnitte. "Am Samstag um 15.30 Uhr habe ich vor dem Bildschirm gesessen und mir alte Schwarten angeschaut - man ist auf dem Weg in die Depression", sagt Andreas Rettig, ehemaliger Fußball-Spieler und -Funktionär. Die Entzugserscheinungen tun weh. "Hier geht man mit der Axt an die Fußballseele", sagt Rettig. Aber der Ex-DFL-Geschäftsführer und Manager vieler großer Vereine geht im Gespräch mit Anja Reschke auch auf grundsätzliche Fragen ein.

      Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 22.04.20
      00:00 - 00:15 Uhr (15 Min.)
      15 Min.
      VPS 23:59
      Neu im Programm

      Wie geht es weiter mit der "schönsten Nebensache der Welt"? Auch für Fußballclubs und Fußballfans ist die Corona-Krise eine Zeit harter Einschnitte. "Am Samstag um 15.30 Uhr habe ich vor dem Bildschirm gesessen und mir alte Schwarten angeschaut - man ist auf dem Weg in die Depression", sagt Andreas Rettig, ehemaliger Fußball-Spieler und -Funktionär. Die Entzugserscheinungen tun weh. "Hier geht man mit der Axt an die Fußballseele", sagt Rettig. Aber der Ex-DFL-Geschäftsführer und Manager vieler großer Vereine geht im Gespräch mit Anja Reschke auch auf grundsätzliche Fragen ein.

       

      Fußball - das sind nicht nur die Top-Millionäre
      Man mag zu Recht fragen, ob angesichts der großen Krise nun der Ausfall von Fußballspielen ein so großes Problem ist. Sicher nicht, sagt Rettig, wenn man nur auf die Spitzenverdiener schaue. Aber die seien in der Fußballwelt eine verschwindend kleine Gruppe. "Wir sprechen von über 60.000 Mitarbeitern in den Vereinen, die genauso viel oder wenig verdienen wie eine Krankenschwester oder ein Verkäufer im Einzelhandel", sagt er über den Profifußball. Hier würden Menschen um ihre Jobs wie anderswo auch bangen. Und womöglich dauere es viel länger, bis Spiele wieder im großen Rahmen stattfinden könnten.
      Geisterspiele, sagt Rettich, seien allenfalls gut, um die Medienerlöse nicht zu verlieren, die neben Tickets und Sponsorengeldern die wichtigste Einnahmequelle der Proficlubs seien. Zu Hause zu jubeln, wenn im Stadion keiner jubelt: "Das macht einfach keine Freude." Fußball bleibe nun mal ein Gemeinschaftserlebnis. Das gelte nicht minder für all die kleinen Vereine. Rettig hofft, dass die Krise insgesamt eine Neubewertung mit sich bringt: Dicke Autos, goldene Steaks und astronomische Gehälter hätten das Bild des Fußballs verzerrt. "Wenn es uns gelingt, dass wir uns nicht mehr darüber definieren, dass wir die umsatzstärkste Liga werden wollen, sondern vielleicht die nachhaltigste, die sozialste, dann hätten wir ein großes Ziel erreicht."

      Solidarität trotz Konkurrenz
      Andreas Rettig appelliert an die Solidarität aller Vereine. Anders als in der Wirtschaft sei im Fußball niemand froh, wenn es die Konkurrenz nicht mehr gebe: ohne Gegner kein Spiel. Und er glaubt an die große Identifikationskraft, die die Vereine nach wie vor bieten. Auch wenn die Top-Spieler oft nur noch dem Geld folgten, für Fans, Mitarbeiter und auch viele Spieler sei ihr Verein immer noch Heimat - und eben nicht nur ein Wirtschaftsbetrieb. Rettig hofft, dass die Krise diese alten und positiven Qualitäten wieder ans Licht bringt.

      Natürlich hat auch er noch keine Idee, wie die nächsten Wochen und Monate aussehen könnten. 40.000 Menschen im Stadion? Das wird noch dauern. Aber: "Wenn am Ende klar ist, dass wir aus dem Gröbsten heraus sind, denke und hoffe ich, dass wir uns auch wieder in den Armen liegen, ohne dass wir an das Virus denken."

      Tag für Tag weitet sich die Coronakrise in einem Tempo aus, das es den Menschen schwer macht, mit der Informationsflut zu den Geschehnissen noch Schritt zu halten. Der NDR präsentiert mit dem "After Corona Club" mit Anja Reschke ein Gesprächsformat, das auf Entschleunigung setzt und zum Nachdenken anregen will.

      "After Corona Club": der Debattierclub über die Zukunft, für Prognosen, Visionen, Einschätzungen und auch Forderungen für die Zeit nach der Krise.

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