• 15.11.2019
      20:15 Uhr
      die nordstory - Hamburgs rotes Erbe Der Backstein bröckelt | Radio Bremen TV
       

      Der rote Backstein steht wie kein anderer für norddeutsche Bauweise und Architektur. Aber so sicher und wetterfest der Backstein auch aussieht, nach bald 100 Jahren, dem er Schlagregen, Frost und Hitze ausgesetzt war, verliert er seinen Glanz, verlieren die Fassaden ihre Stabilität. Wie kann Hamburgs rotes Erbe gerettet werden?

      Freitag, 15.11.19
      20:15 - 21:15 Uhr (60 Min.)
      60 Min.

      Der rote Backstein steht wie kein anderer für norddeutsche Bauweise und Architektur. Aber so sicher und wetterfest der Backstein auch aussieht, nach bald 100 Jahren, dem er Schlagregen, Frost und Hitze ausgesetzt war, verliert er seinen Glanz, verlieren die Fassaden ihre Stabilität. Wie kann Hamburgs rotes Erbe gerettet werden?

       

      Stab und Besetzung

      Produktion Edgar Rygol
      Autor Ulrich Patzwahl
      Redaktion Birgit Schanzen

      Der rote Backstein steht wie kein anderer für norddeutsche Bauweise und Architektur. Als andere Städte sich im 20. Jahrhundert vorsichtig von dem traditionellen Baustoff verabschiedeten, ist Hamburg einen eigenen Weg gegangen. Vor allem in den 1920er-Jahren ist das rote Erbe der Freien und Hansestadt entstanden: Wohn- und Kontorhausquartiere aus Backstein. Bis heute sind sie stilbildend.

      Aber so sicher und wetterfest der Backstein auch aussieht, nach bald 100 Jahren, dem er Schlagregen, Frost und Hitze ausgesetzt war, verliert er seinen Glanz, verlieren die Fassaden ihre Stabilität. Der Mörtel rieselt, der Backstein bröckelt!

      Die Mauern des Altonaer Reichardtblocks drohten einzustürzen. Der Eigentümer, der Altonaer Spar- und Bauverein, suchte händeringend nach neuen Wegen in der Sanierung und fand Joachim Schreiber. Er ist einer von acht Hamburger sogenannten Backsteinberatern und kennt jede Schwäche von Stein, Mörtel und Verarbeitung. Er weiß auch, mit welchen neuen Methoden das Alte noch zu retten ist. Wenn die Maueranker aus Stahl nicht mehr helfen, vielleicht stabilisiert ein gerade neu erfundener Schaum den Reichardtblock?

      Backsteine werden mittlerweile vielfach industriell gefertigt, ebenso wie die dünnen Riemchen-Verblender. Joachim Schreiber liebt die original im Ringofen gebrannten Backsteine, irgendwie sind sie alle gleich und doch sieht jeder anders aus. Nur mit diesen Steinen kann die Stadt ihr Gesicht bewahren, sagt Schreiber.

      Früher gab es Hunderte Ziegeleien an der Elbe, die diesen Stein hergestellt haben, heute nicht mal mehr eine Handvoll. Im Klinkerwerk Rusch bei Drochtersen werden die Steine im Ringofen gebrannt, doppelt so viel wie vor Jahrzehnten, und doch zu wenige. Denn flächendeckend kommt der Backstein in die Jahre.

      Die Alternative zur Sanierung heißt Abriss, gerade in Hamburg. Das weiß Kristina Sassenscheidt, Vorsitzende des Denkmalvereins Hamburg. Auch sie sucht nach neuen Wegen, um die historische Substanz und damit einen Teil der Stadtgeschichte zu bewahren. Die Viktoria-Kaserne hat als Soldatenunterkunft lange ausgedient, konnte aber als neue Heimat für Foodcoop, Fotografen oder den Chaos-Computer-Club bewahrt werden. Nun droht dem "Warmwasserblock" von 1928 der Abriss. Kristina Sassenscheidt erinnert ihre Stadt auch an diesen denkmalgeschützten Wohnblock. Und die Mieter fangen an, sich zu wehren.

      So entsteht über den Baustoff Backstein eine neue Gemeinschaft in der Stadt, von der Denkmalschützerin über den Backsteinberater bis zum Nachwuchsarchitekten: Jan Sprengel hat sich der Sanierung von Backsteinbauten verschrieben. Mit so viel Erfolg, dass sein Büro jetzt umziehen muss, aus dem engen Dachgeschoss in einen Neubau in der Hafencity, natürlich aus Backstein! Alle wollen Hamburgs rotes Erbe retten: den Backstein.

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