• 12.06.2021
      07:30 Uhr
      Sehen statt Hören Kinder und Gebärdensprache - unsere Zukunft | Radio Bremen TV
       

      Die Forderungen nach Gebärdensprache in der Bildung tauber Menschen sind inzwischen so vehement, dass sie keiner mehr ignorieren kann. Und dennoch scheint die Umsetzung immer noch in weiter Ferne zu sein. Vielleicht die wichtigste Veränderung in den letzten Jahren: Immer mehr Gehörlose fordern nicht nur, sondern nehmen selbst Einfluss auf die Entwicklung - als Lehrer, Forscher, Aktivisten. Das hat sich auch auf dem jüngsten Bildungskongress widergespiegelt, den die Gehörlosenverbände Deutschlands, Österreichs und der Schweiz veranstaltet haben - online mit 550 Teilnehmern. "Sehen statt Hören" war dabei.

      Samstag, 12.06.21
      07:30 - 08:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      Die Forderungen nach Gebärdensprache in der Bildung tauber Menschen sind inzwischen so vehement, dass sie keiner mehr ignorieren kann. Und dennoch scheint die Umsetzung immer noch in weiter Ferne zu sein. Vielleicht die wichtigste Veränderung in den letzten Jahren: Immer mehr Gehörlose fordern nicht nur, sondern nehmen selbst Einfluss auf die Entwicklung - als Lehrer, Forscher, Aktivisten. Das hat sich auch auf dem jüngsten Bildungskongress widergespiegelt, den die Gehörlosenverbände Deutschlands, Österreichs und der Schweiz veranstaltet haben - online mit 550 Teilnehmern. "Sehen statt Hören" war dabei.

       

      Gleich vorweg: Es hat sich was getan. Vielleicht die wichtigste Veränderung in den letzten Jahren: Immer mehr Gehörlose fordern nicht nur, sondern nehmen selbst Einfluss auf die Entwicklung - als Lehrer, Forscher, Aktivisten.

      "GebärdenVerstehen" - eine Firma mit innovativen Ideen
      Ein Beispiel für diese positive Entwicklung ist die Firma "GebärdenVerstehen" in Heidelberg. Vor 18 Jahre setzte Jana Schwager mit zwei Leuten ihre Idee um, heute beschäftigt sie 27 Leute. Bei "GebärdenVerstehen" werden u.a. Gebärdensprachdozent*innen ausgebildet - etwa 50 Personen konnten die Ausbildung bislang durchlaufen. Ein sehr wichtiges Feld, das Jana Schwager sehr am Herzen liegt. Aber es gibt durchaus noch Verbesserungsbedarf.

      Vielseitig aufgestellt
      Jana Schwager selbst hat vielfältige Abschlüsse: als Gebärdensprachdozentin, als Kursleiterin, als taube Gebärdensprachdolmetscherin und als Gebärdensprachpädagogin. Sie will immer auf dem neuesten Stand sein, kennt die neuesten Forschungsergebnisse und kann aufgrund ihrer pädagogischen Ausbildung sogar Kinder unterrichten. Dass Jana Schwager die Qualität von Bildung ein besonderes Anliegen ist, sieht man auch daran, dass ihre Firma die Weiterbildung zur Kommunikationsassistenz sowie zum pädagogischen Assistenten anbietet. In beiden Kursen wird Gebärdensprachkompetenz vermittelt. Aber bei der pädagogischen Assistenz kommt noch pädagogisches Wissen dazu. Und das braucht man beim Einsatz im Kindergarten oder als Schulbegleiter.

      Bilingualität fördern
      Jana Schwager sprudelt vor Ideen und wird dafür von ihrem Kreativteam hochgeschätzt. Die Projekte, die bei "GebärdenVerstehen" umgesetzt werden, sind innovativ und immer am Puls der Zeit. Wie etwa das neue BiBi-Filmprojekt, wozu auch "WissenVisuell" gehört - wobei BiBi für "Bimodal-Bilingual" steht. In diesem Projekt werden Filme zu verschiedenen Themen erstellt - für Kinder im Grundschulalter, aber auch für deren Eltern. Das Ziel: Bilingualität fördern und Wissen in Gebärdensprache vermitteln. Ganz gleich bei welchem Thema. Wenn die Inhalte verstanden werden, fällt die Verknüpfung mit der Schriftsprache leichter. Als Jana Schwager bewusst wurde, dass es kaum Unterrichtsmaterial für gehörlose Kinder gibt, hat sie sich auch das zur Aufgabe gemacht.

      Erfolg und Vorbild
      Mit all dem ist Jana so erfolgreich, dass die Unternehmerin 2019 eine Zweitfirmensitz in ihrer alten Heimat Leipzig eröffnete. Gerade durch ihre mitreißende und innovative Art ist Jana Schwager ein absolutes Vorbild für viele.
      Ihren Antrieb hat Jana aus der Kindheit: Sie fühlte sich wie in einem Gefängnis mit ihrer Sprache, weil sie sich nicht ausdrücken konnte und die anderen sie nicht verstanden. Auf der Schwerhörigenschule, in die sie 1973 eingeschult wurde, galt sie als lernbehindert - was sie aber keinesfalls war. Als sie dann auf die Gehörlosenschule wechselte wurde ihr riesiges Potenzial klar.

      Bildungskongress - diesmal online
      "Kinder und Gebärdensprache - das ist unsere Zukunft" war auch das Motto des 4. Bildungskongresses. Dort haben die drei Länder Schweiz, Österreich und Deutschland verschiedene Projekte und Initiativen vorgestellt: Von der Frühförderung über Schule bis hin zu Studium und Medienbildung reichten die Themen. Eigentlich sollte der Kongress bereits 2020 in Landshut stattfinden, aber wegen Corona wurde er mehrfach verschoben und fand nun als reine Onlineveranstaltung statt. Eine Premiere für den Deutschen Gehörlosen-Bund. 550 Teilnehmer*innen waren dabei.

      "Sehen statt Hören" ist das einzige TV-Magazin für Menschen mit Hörbehinderung in Gebärdensprache. Offene Untertitel sind fester Bestandteil der Sendung und kein Zusatzangebot.
      In wöchentlich 30 Minuten bietet das vom BR produzierte und in allen Dritten Programmen ausgestrahlte Magazin Themen aus allen gesellschaftlichen Bereichen. Ein barrierefreies Angebot für alle, die sich von diesem besonderen Magazin angesprochen fühlen.

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